Landkreis sucht Plätze für minderjährige Flüchtlinge

Gifhorn  52 Jugendliche, die allein nach Deutschland kamen, leben bislang im Kreis Gifhorn.

In zwei Wohngruppen leben derzeit 20 jugendliche Geflüchtete in der Jugendhilfe-Einrichtung Life Concepts. Eine dritte Gruppe ist geplant.

In zwei Wohngruppen leben derzeit 20 jugendliche Geflüchtete in der Jugendhilfe-Einrichtung Life Concepts. Eine dritte Gruppe ist geplant.

Ein Junge puzzelt, ein anderer schaut in sein Buch, vier weitere kickern: Es könnte eine Szene aus einem x-beliebigen Jugendtreff sein – doch Hassan, Rafi, Nawid, Mohammad, Azhar und die anderen fünf Jugendlichen haben eine ganz andere Geschichte als die meisten Teenager hierzulande. Die 14- bis 17-jährigen Jungs stammen zumeist aus Ländern wie Syrien oder Afghanistan – und sind nach ihrer beschwerlichen Reise ohne Eltern oder andere Verwandte in Deutschland angekommen. Manche traten diesen Weg alleine oder mit Freunden an. Andere verloren Familienmitglieder auf dem Weg.

Sie leben in zwei Wohngruppen für sogenannte „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ bei „Life Concepts“ in Gifhorn. 20 Personen hat der Jugendhilfeträger bislang untergebracht. Eine dritte Gruppe soll möglichst bald entstehen, sagt Jürgen Scheidt, Geschäftsführer der diakonischen Einrichtung. „Dafür benötigen wir noch Personal.“ Das zu finden, sei gar nicht so einfach: „Der Markt ist leer gefegt.“

Die verantwortliche Kreisverwaltung hört das gerne: Sie braucht weiteren Wohnraum. 23 weitere solche jungen Flüchtlinge muss das Jugendamt nach bisherigem Stand in den nächsten Wochen aufnehmen. „Diese Zuweisung kann sich aber täglich ändern“, sagt der zuständige Kreisrat Rolf Amelsberg.

Für 93 Jugendliche ist der Fachbereich verantwortlich. Adäquaten Wohnmöglichkeiten und Betreuung im Landkreis gibt es für 52 von ihnen. „Die anderen sind in Einrichtungen in Sachsen-Anhaltund Nordrhein-Westfalen untergebracht“, schildert Amelsberg. Das hiesige Jugendamt bleibt zuständig – „so dass unsere Mitarbeiter teils weite Fahrten machen müssen. Das erleichtert die Betreuung nicht.“ Die Zuweisung an den Kreis durch das Land erfolgt anteilig. Seit November 2015 gilt diese Regelung, schildert Amelsberg. Zuvor wurden die alleinreisenden Kinder dort untergebracht, wo man sie aufgriff – also in den Zentren. Dort waren die Kapazitäten schon 2014 erschöpft – sodass große Jugendhilfe-Einrichtungen wie die Kästorfer Diakonie oder Life Concepts schon damals begannen, die oft traumatisierten Kinder aufzunehmen.

Als Zwischenlösung kann das Jugendamt seit Mitte Januar Jugendliche für bis zu sechs Wochen in der Landesnotunterkunft Ehra-Lessien einquartieren – so lange, bis eine Wohn- und Betreuungsplatz gefunden ist. „Eine große Hilfe“, sagt Amelsberg.

ZAHLEN

93 „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ – davon sind 91 männlich –betreut der Fachbereich Jugend. 52 davon sind im Kreis untergebracht. Die größten Gruppen: Afghanen (48 %), Syrer (24 %), Iraker (6,5 %).

Von den 52 leben 7 Jugendliche in Gastfamilien. Der Rest ist auf die Jugendhilfe-Träger verteilt: 20 sind bei Life Concepts. Dort soll möglichst bald eine dritte Wohngruppe entstehen. Dafür sucht die Einrichtung pädagogische Mitarbeiter und Kulturmittler.

Die Erfahrungen bei Life Concepts mit den jungen Männern sind fast durchweg positiv, schildert Carsten Munzel, Leiter der stationären Hilfen. Sechs Mitarbeiter pro Gruppe – darunter mehrere Muttersprachler – betreuen die Jugendlichen aus Syrien, Afghanistan, Irak, Algerien, Tunesien. Manche sind seit Monaten hier, einige sprechen bereits gut Deutsch. „Außer den alltäglichen Schwierigkeiten Heranwachsender haben wir so gut wie keine Probleme. Die Jungs sind motiviert, höflich, respektvoll. Das kennen wir von deutschen Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen auch anders. Und sie sind dankbar, dass sich Menschen für sie interessieren.“

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