Feuerwehr Papenteich fordert mehr Geld
2012-02-21T09:34:27+0100Papenteich Die ehrenamtlichen Brandschützer im Südkreis Gifhorn fühlen sich von der Kommune nicht ausreichend unterstützt. Der Bürgermeister widerspricht.
Die Sorge um eine leistungsfähige Feuerwehr treibt den Papenteicher Gemeindebrandmeister Hermann Schölkmann um. Das betrifft die Zahl der Freiwilligen ebenso wie die materielle Ausstattung der Ortsfeuerwehren.
In der Personalfrage war während der Jahresversammlung der Führungskräfte aller 16 Ortsfeuerwehren Durchatmen angesagt. Zwar verloren die Brandschützer 2011 auf Jahressicht 21 Aktive. Schölkmann sprach wegen nahezu unveränderter Zahlen an jüngeren Aktiven bis 27 Jahren von einer Stabilisierung: „Die Frage ist nur, auf welchem Niveau, denn unsere mitgliederstarken Jahrgänge wachsen aus dem aktiven Dienst raus.“
Geharnischte Kritik übte Schölkmann dagegen an der Investitionspolitik der Samtgemeinde. Bereits in der Sitzung des Feuerschutzausschusses hatte sich der Cheflobbyist der Feuerwehren weit aus dem Fenster gelehnt. Vor heimischem Publikum legte Schölkmann nach: „So fährt der Papenteich gegen die Wand.“ Einsatzfahrzeuge nicht nach Zeitplan, sondern erst nach Ausmusterung zu ersetzen, „so geht es einfach nicht“. Das habe bereits dazu geführt, dass die Abbesbütteler Feuerwehr anderthalb Jahre ohne Löschfahrzeug zur Tatenlosigkeit verurteilt gewesen sei. Die Meiner hätten eins ihrer Autos seit neun Monaten in der Werkstatt.
Dennoch sei 2012 und 2013 kein Geld für Löschfahrzeuge veranschlagt. Dem Budgetplan stellte Schölkmann eine Liste von Einsatzfahrzeugen im Alter von weit mehr als 20 Jahren gegenüber, deren Ersatz aus seiner Sicht längst projektiert werden müsste. Spitzenreiter ist die Feuerwehr Rethen: „Sie kann 2015 das Historienkennzeichen beantragen.“ Das gibt es für 30 Jahre alte Oldtimer.
Zweiter Kritikpunkt Schölkmanns ist der Brandschutzbedarfsplan, der die Feuerwehrarbeit eigentlich wirkungsvoller machen soll. Schölkmann ärgerte sich, dass es im Feuerschutzausschuss Streit über das sogenannte Schutzziel gab. Das gibt die Prozentzahl an, mit welcher Quote die Feuerwehr bei einem heiklen Brand mit Menschen in Lebensgefahr tatsächlich innerhalb der vorgeschriebenen Zeit von 13 Minuten am Brandort mit einer ersten Gruppe einsatzfähig ist. Berufsfeuerwehren müssen das in 95 Prozent der Fälle gewährleisten, die Untergrenze liegt bei 80 Prozent. Die Papenteicher Verwaltung wollte 85 Prozent vorgeben. Die Feuerwehr setzte im Ausschuss 90 Prozent durch.
Samtgemeindebürgermeister Helmut Holzapfel reagierte angefasst. Unabhängig davon, dass er das ehrenamtliche Engagement der Feuerwehrleute begrüßte, wies er Schölkmanns „Tonfall“ zurück. „Sollen wir mit Begriffen wie ,Investitionsstau’ über gemeine Interessen reden?“
Er warb um Verständnis dafür, dass die Samtgemeinde mit Augenmaß abwägen müsse, da die Wünsche in allen Zuständigkeitsbereichen größer seien als die Möglichkeiten: „Es geht nicht alles auf einmal.“
Holzapfel erinnerte an „Verbesserungen im Detail“ und daran, dass viele Feuerwehren bei Neuanschaffungen Fahrzeuge über den Mindeststandard hinaus erhalten hätten – oft mit der Folge, dass sie nicht mehr ins vorhandene Gerätehaus gepasst hätten. „Wir haben eben nicht die Möglichkeit, Geld zu drucken“, mahnte Holzapfel zur Sparsamkeit.
Völlig überzeugt zeigte sich Schölkmann nicht. Er verteidigte seine Auffassung von Freiwilligkeit: „Die Samtgemeinde muss auch etwas ins Ehrenamt stecken, um den Kameraden auf die Schulter zu klopfen.“

