Gmyrek am Braunschweiger Bohlweg wirft das Handtuch

Braunschweig.  Die Fleischerei-Filiale mit Mittagsimbiss schließt am Samstag nach 13 Jahren. Die Corona-Krise forcierte die Entscheidung.

Die Gmyrek-Filiale am Bohlweg schließt nach 13 Jahren.

Die Gmyrek-Filiale am Bohlweg schließt nach 13 Jahren.

Foto: Norbert Jonscher / NJ

Eine Stadion-Bratwurst für nur 1,50 Euro, dazu einen Becher Kaffee (1,50 Euro), heiß serviert vom „Stresa“-Mann nebenan. Und wiederum daneben ein Euro-Shop für den kleinen Einkauf zwischendurch. Vor dem Gmyrek-Imbiss am Bohlweg, mit direktem Blick aufs Schloss, hat sich in den vergangenen Monaten um die Mittagszeit herum ein beliebter Senioren-Treff etabliert, ein Ort für ältere, einsame Menschen mit kleinerem Geldbeutel, die ein Bedürfnis haben, sich zu unterhalten in diesen schweren Zeiten. Die schlechte Nachricht für sie: Am Samstag wird Gmyrek schließen.

Im Jahr 2007 eröffnet

Seit 13 Jahren, seit 2007, waren die Gifhorner am Bohlweg vertreten. Nun sei der Mietvertrag ausgelaufen, heißt es. Zu den Gründen der Schließung äußerte sich Gmyrek Geschäftsführer Michael Göhlich wie folgt: Es habe sich in letzter Zeit vermehrt abgezeichnet, dass sich der Bohlweg mehr zur Flanier- und Gastromeile entwickelt habe. „Wir als Fleischereifachgeschäft, die auch einen Imbiss betreiben, haben uns entschieden, uns künftig auf unsere Kernkompetenz zu konzentrieren und entschlossen, die Filiale aufzugeben.“ Die Entscheidung betreffe aber nicht die Filialen in anderen Städten wie Wolfsburg und Gifhorn, stellt Göhlich klar. Und: Kunden hätten weiterhin die Möglichkeit, das Gymrek-Sortiment im Lebensmittel-Einzelhandel zu finden.

Stadionwurst für 1 Euro

Die schwierigen Bedingungen während der Corona-Krise hätten letztlich die Entscheidung leicht gemacht, so Göhlich. Was die Nachvermietung betrifft, werde es nach seinem Kenntnisstand eine zeitnahe Lösung geben. Möglicherweise werde es an gleicher Stelle sogar einen weiteren Abverkauf von Stadion-Bratwürsten geben. Das sei seiner Firma als langjähriger Stadionlieferant eine Herzensangelegenheit. Die Braunschweiger mit eigenen, preisvergünstigten Stadionwürsten zu versorgen. Dass die Wurst lange Zeit für 1 Euro verkauft wurde, sei ein Dankeschön an die Braunschweiger gewesen. Verdient habe man daran kaum.

Der Bohlweg ist damit weiter im Wandel. Zwar füllen hier und da Euro-Shops, Pizza- und Dönerbuden und Telefonläden einzelhändlerische Lücken. Leerstand gibt es jedoch nicht.

Die Liebe zur Wurst

Die „Liebe“ der Familie Gmyrek zur Wurst reicht bis in das Jahr 1904 zurück. Damals gründete der Urgroßvater der heutigen Firmeninhaber eine Wurst- und Feinkostfabrik im schlesischen Gleiwitz. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste der Sohn, Egon Gmyrek, von vorne anfangen. 1947 eröffnet er den ersten Produktionsbetrieb für schlesische Wurstwaren in Gifhorn. Die ersten Filialen entstanden 1950 und 1957 in Gifhorn und Wolfsburg.

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