Wie geht’s mit dem Ex-Kaufhof am Braunschweiger Bohlweg weiter?

Braunschweig.  Die Volksbank BraWo hat bereits Anfragen von Mietinteressenten. Ostfalia-Studenten erarbeiten ein potenzielles Konzept zur Nachnutzung.

Seit 2017 gehört der Volksbank die Immobilie am Bohlweg. Ende Oktober ist Galeria-Kaufhof-Karstadt ausgezogen. Die grünen Logos wurden schon abgebaut.

Seit 2017 gehört der Volksbank die Immobilie am Bohlweg. Ende Oktober ist Galeria-Kaufhof-Karstadt ausgezogen. Die grünen Logos wurden schon abgebaut.

Foto: Volksbank BraWo (Archiv)

Kaufhof ist aus dem einstigen Horten-Bau am Bohlweg ausgezogen. Der Insolvenzverwalter des Galeria-Konzerns hatte den Mietvertrag mit der Volksbank BraWo zum 31. Oktober gekündigt. Wie geht es nun mit der Immobilie weiter?

Die Volksbank teilt auf Anfrage mit: „Wir arbeiten an einem Konzept zur Nachnutzung der Immobilie und prüfen mehrere Optionen.“ Bis zu einer endgültigen Entscheidung biete sich auch eine Zwischennutzung an, sagt Volksbank-Sprecher Daniel Dormeyer. Dafür gebe es bereits konkrete Interessenten. „Auch hier prüfen wir unsere Optionen, insbesondere hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit einer Interimsnutzung von Teilen des Objektes.“

Ganz grundsätzlich sagt Dormeyer: „Durch die sehr geringe Miethöhe von Kaufhof reicht aus betriebswirtschaftlicher Sicht eine Vermietung zu marktüblichen Preisen des Erdgeschosses aus, um den kompletten Mietausfall zu kompensieren. Wir prüfen deshalb die sehr interessanten Mietinteressenten.“ Kaufhof hatte aufgrund der großen Fläche laut der Volksbank deutlich unter zehn Euro pro Quadratmeter gezahlt. Für weitere Angaben ist es Dormeyer zufolge noch zu früh.

Studenten wollen zeigen, was grundsätzlich möglich wäre

Mit Kenntnis der Volksbank, aber ohne deren Auftrag, befassen sich zurzeit auch Studenten der Ostfalia-Hochschule mit dem Horten-Bau. Die jungen Leute vom Bachelor-Studiengang „Stadt- und Regionalmanagement“ erarbeiten im Rahmen einer Fallstudie ein Konzept für eine potenzielle Nachnutzung. Sie wollen damit zeigen, was grundsätzlich möglich wäre. Vor wenigen Tagen stellten sie ihr Vorgehen vor und holten sich Anregungen – unter anderem von dem IHK-Handelsexperten Christian Scheffel und von Björn Nattermüller von der Braunschweig Stadtmarketing GmbH.

Christian Scheffel wies unter anderem auf aktuelle Rahmenbedingungen und Entwicklungen im Einzelhandel hin. Denn schon ohne die Corona-Pandemie sind die Herausforderungen nicht leicht, insbesondere durch den wachsenden Onlinehandel – nun wird manches noch verschärft. Die Umsätze im stationären Einzelhandel sinken. Momentan überwiegen in Braunschweig die Negativnachrichten: Die Zahl der Leerstände in der Innenstadt nimmt zu.

Kaufhof hinterlässt riesige Verkaufsflächen, und Mitte nächsten Jahres schließt Karstadt am Gewandhaus – insgesamt stehen damit mehr als 25.000 Quadratmeter leer. Dass diese Flächen in absehbarer Zeit nicht wieder komplett von Einzelhandel belegt werden, ist allen klar.

Befragung von Gewerbetreibenden ist geplant

Die Studenten wollen nun prüfen, welches Angebot in kleinerem Stil am Bohlweg Chancen haben könnte. Außerdem planen sie, Gewerbetreibende aus dem Umfeld nach ihren Vorstellungen zu befragen. Sie wollen die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten prüfen sowie Beispiele der Nachnutzung aus anderen Städten finden.

Ein weiterer Aspekt: Wie steht es um die Bausubstanz? Und wie kann man das 1974 eröffnete Gebäude im Brutalismus-Stil neu nutzen? Was ist angesichts der riesigen Räume und des mangelnden Tageslichts überhaupt möglich? Inwiefern sind Umbauten denkbar und planerisch sowie wirtschaftlich sinnvoll? Könnten auch Wohnungen oder Büros eingebaut werden?

Fakt ist: Die Fassade steht nicht unter Denkmalschutz, auch wenn dies immer mal wieder berichtet wurde. Die Kacheln zeigen ein stilisiertes „H“ (für Horten), 50 mal 50 Zentimeter groß.

Fakt ist auch: Heute würde niemand mehr auf die Idee kommen, gerade an dieser Stelle ein derartig wuchtiges Gebäude zu bauen und damit den Weg ins Magniviertel zu verstellen. Im Gespräch ist daher auch immer wieder der Wunsch, ob nicht zumindest ein deutlich sichtbarer Durchgang durch den einstigen Horten-Bau geschaffen werden könnte.

Mehr zum Thema

Geeignet für die Musikschule?

Ideen gibt es viele. Der Bund der Architekten in Braunschweig hatte kürzlich Entwürfe von Architektur-Studenten der Technischen Universität vorgestellt und prämiert. Sie waren der Frage nachgegangen, was anstelle des Kaufhauses möglich wäre. Es handelte sich um ein rein fiktives Szenario, eine Übung – ebenfalls ohne Absprache mit der Volksbank. Die beiden ersten Preisträger schlugen an der Stelle fünf mehrgeschossige Neubauten vor: Gewerbe im Erdgeschoss, obendrüber Wohnungen.

Der Stadtbezirksrat Innenstadt hatte im September auf Initiative von Mathias Möller (FDP) für eine konkrete Nachnutzung geworben: Die Stadt soll mit der Volksbank sondieren, ob der Standort für die städtische Musikschule geeignet wäre. Bei einer positiven Resonanz könnten die Überlegungen sogar ausgeweitet werden, so die Innenstadtpolitiker – vielleicht hätten auch die Volkshochschule, umliegende Schulen, Vereine sowie die Kunst- und Kulturszene Bedarf an Räumen. Der zentrale Standort sei jedenfalls ideal, so die Meinung im Stadtbezirksrat. Außerdem ließe sich ein derartiges kulturelles Angebot gut mit Geschäften und Gastronomie kombinieren.

Innenstadt-Dialog soll Antworten liefern

Eingebettet sind die Überlegungen rund um den Ex-Kaufhof auch in die große Debatte: Wie geht es mit der Innenstadt weiter? Die Stadt und die städtische Wirtschaftsförderung Braunschweig Zukunft GmbH hatten kürzlich einen „Innenstadt-Dialog“ ins Leben gerufen. Zum Auftakt diskutierten rund 60 Fachleute aus Handel, Gastronomie, Kultur und Wissenschaft, von Kammern und Verbänden, aus der Stadtverwaltung und aus städtischen Gesellschaften sowie der Immobilienbranche darüber, wie die Innenstadt attraktiv bleibt.

Ganz zentral ist dabei die Frage: Welche Bedürfnisse und Wünsche haben Innenstadt-Besucher? Welche Angebote – neben Shopping und Gastronomie – sorgen dafür, dass sie sich gern in der Innenstadt aufhalten? Antworten soll es in den nächsten Monaten geben.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (1)