Welfenhof hat einen neuen Mieter auf Zeit

Braunschweig.  Janine Kramer hat für ihren Weihnachtsschmuck lange nach einem Ladenlokal gesucht. Der Arbeitsausschuss Innenstadt will Immobilienbesitzer vernetzen.

Für das Foto nimmt Janine Kramer den Mund-Nasen-Schutz kurz ab –  in ihrem Pop-up-Geschäft im Welfenhof erfüllt sie Träume von einem reich geschmückten Weihnachtsbaum – von klassisch bis außergewöhnlich.

Für das Foto nimmt Janine Kramer den Mund-Nasen-Schutz kurz ab – in ihrem Pop-up-Geschäft im Welfenhof erfüllt sie Träume von einem reich geschmückten Weihnachtsbaum – von klassisch bis außergewöhnlich.

Foto: Stefan Lohmann / regios24

Für Janine Kramer war es Rettung in letzter Minute: Unter dem Namen „Mrs Twinkle“, zu deutsch „Frau Glitzer“, verkauft die 34-Jährige, die im vergangenen Jahr der Liebe wegen von Augsburg nach Braunschweig gezogen ist, seit einer Woche Weihnachtsschmuck in einem Ladenlokal im Welfenhof. Mit ihren Märkten ist die Vorweihnachtszeit Hochsaison für Kramer. Darauf konzentriert sich das ganze Jahr, schon im Januar hat sie Ware für November und Dezember geordert. Als im Oktober der Weihnachtsmarkt am Berliner Gendarmenmarkt wegen der Corona-Pandemie abgesagt wurde, drohte sie auf Waren im Wert von 40.000 Euro sitzen zu bleiben. Bis die Idee des Pop-up-Stores kam, eines Geschäfts auf Zeit. Es ist ihr erster Laden. Dafür passende Räume zu finden, sei nicht einfach gewesen.

Kramer: „Ich wollte das Geschäft für zwei Monate mieten, wegen der langen Suche sind es aber nur sechs Wochen geworden.“ Viele Immobilienbesitzer hätten kein Interesse gezeigt. „Einige wollten den Laden nicht für eine kurze Zeit blockieren, falls ein Langzeitmietinteressent auftaucht.“ Eine Immobilienbesitzerin aus Dänemark wollte schlicht nicht, bei der Burgpassage sei es wegen des Brandschutzes nicht gegangen. „Beim Welfenhof war es dann sehr unkompliziert“, sagt Kramer. Aber die Suche sei insgesamt zeitaufwendig gewesen.

Jaeschke: „Wir wollen eine engere Kommunikation aufbauen“

Olaf Jaeschke, Vorsitzender des Arbeitsausschusses Innenstadt, weiß, wovon Kramer spricht. Nicht alle Eigentümer kämen auch aus der Region, einige säßen gar in Australien oder Irland, Braunschweig sei für sie ein unbekannter Punkt auf der Landkarte. „Es ist schwierig ihnen beizubringen, dass sie sich für die Braunschweiger Innenstadt engagieren müssen“, sagt Jaeschke. „Pop-up-Stores finde ich gut.“ Sie seien eine gute Lösung, interimsweise Leerstände zu füllen. Viele Immobilienbesitzer scheuten jedoch den Aufwand für den begrenzten Miet-Zeitraum. „Für sie ist es am Ende nur Arbeit.“

Um die Kommunikation über Themen wie diese zu verbessern und die Wege zu verkürzen, hat der Arbeitsausschuss Innenstadt in der vergangenen Woche eine Arbeitsgruppe gegründet, die die Hausbesitzer enger vernetzen soll. „Die Schwierigkeit ist die Erreichbarkeit der Immobilienbesitzer“, so Jaeschke. „Wir wollen mit ihnen in Dialog treten und eine engere Kommunikation aufbauen.“ In so einem Netzwerk könnte beispielsweise eine Anfrage von jemandem platziert werden, der ein Geschäft auf Zeit aufmachen will. Das hätte auch Kramers Suche verkürzen können.

144 Schloss-Neuschwanstein-Miniaturen blieben bisher unverkauft

Sie freut sich jetzt auf die Kunden. „Für mich ist das absolut neu. Ich habe Platz, es ist warm und es riecht nicht nach Bratwurst“, sagt sie und lacht. Neben den Weihnachtsmärkten ist sie über das Jahr verteilt auch auf Messen vertreten und verkauft Waren an Einzelhändler. Auch diese wichtige Einnahmequelle ist in diesem Jahr eingebrochen und so hat sie nun beispielsweise 144 Schloss-Neuschwanstein-Miniaturen als Christbaumschmuck vorrätig, die eigentlich jemand abgenommen hätte, der am Fuße des Schloss Neuschwansteins im Allgäu Souvenirs verkauft.

Entworfen hat sie diese Miniaturen übrigens selbst. Ihre Tante ist Glasmalerin, Kramer ist mit der Kunst aufgewachsen und kann sich ein Leben ohne Glitzer nicht vorstellen, wie sie sagt. „Wenn ich meine Waren bekomme, freue ich mich so, als würde ich ein Geschenk auspacken.“ Seit fünf Jahren ist Kramer selbstständig, vorher arbeitete sie mit ihrer Tante zusammen. Ihre Waren bezieht sie aus Deutschland, Tschechien und Polen. Einen eigenen Weihnachtsbaum hatte Kramer übrigens noch nie. „Ich habe ja immer auf den Weihnachtsmärkten gearbeitet.“ Aber in diesem Jahr wird es einen geben. „Eine echte Tanne, die wird ganz klassisch rot-gold.“ Aber bis es so weit ist, wird sie noch dem ein oder anderen Kunden schöne Stücke für den Weihnachtsbaum verkaufen. Den Umsatz des Weihnachtsmarkts wird sie im Laden wohl nicht einholen können, dort gebe es sehr viel mehr Laufkundschaft. „Aber ich bin einfach froh hier zu sein“, sagt sie und strahlt über das ganze Gesicht.

Wie die Zukunft des Welfenhofs weiter aussieht, steht derweil immer noch nicht fest. Zwei größere Miet-Interessenten gebe es, sagte Jaeschke. Es fänden Gespräche statt. Das Ziel: Ein großer „Magnetmieter“, der Kunden in die Passage zieht.

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