BUND Braunschweig kritisiert geplantes Gewerbegebiet an der A39

Braunschweig.  Der Bund für Umwelt- und Naturschutz will das Vorhaben von Braunschweig, Wolfsburg, Helmstedt und Wolfenbüttel am Autobahnkreuz verhindern.

Auf dieser Fläche an der A 39 nah der Ausfahrt Scheppau könnte das interkommunale Gewerbegebiet entstehen.

Auf dieser Fläche an der A 39 nah der Ausfahrt Scheppau könnte das interkommunale Gewerbegebiet entstehen.

Foto: Lars Landmann/Regios24 / regios24 /Archiv

Die Stadt Braunschweig will sich an dem geplanten Gewerbegebiet am Autobahnkreuz Wolfsburg beteiligen. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) appelliert hingegen an den Rat der Stadt, diesem Vorhaben die Zustimmung zu verweigern. Bei dem geplanten Gewerbegebiet handelt es sich um ein Projekt der Region: Die Landkreise Wolfenbüttel und Helmstedt sowie die Städte Wolfsburg und Braunschweig wollen gemeinsam eine Fläche von 186 Hektar entwickeln. Am Ende sollen sich auf 120 Hektar neue Betriebe ansiedeln können. Die Flächen selbst liegen in den beiden Landkreisen.

Der Plan ist nun: Die vier Kommunen teilen sich die Kosten von 200.000 Euro für eine Machbarkeitsstudie. Anfang Februar soll der Braunschweiger Rat entscheiden, ob sich die Stadt mit 50.000 Euro beteiligt.

Wie hoch sind Investitionsvolumen und Erlöspotenzial?

Die Initiatoren sind vom Gewerbegebiet überzeugt. In Wolfsburg hieß es: „In der Autobahnanbindung und den vermutlich realisierbaren 24/7-Flächen besteht ein Standortvorteil, da es in der Region kaum Flächen mit dieser Qualität (24 Stunden/7 Tage-Nutzbarkeit) gibt. Aufgrund der Lage dürfte der Standort insbesondere für größere Betriebe aus dem produzierenden und verarbeitenden Gewerbe sowie für Logistikunternehmen interessant sein.“ Der Kreistag Helmstedt hat der Erstellung einer Machbarkeitsstudie bereits zugestimmt.

Gewerbegebiet am Kreuz der A 2 soll ganze Region stärken

Die Machbarkeitsstudie soll vor allem das Investitionsvolumen und das Erlöspotenzial ermitteln. Zu berücksichtigen ist dabei aus Sicht der Beteiligten zum Beispiel dieser Aspekt: Die Anbindung des Gewerbegebiets in die Landkreise und Städte müsse verbessert werden. Das angrenzende Dorf Scheppau lässt sich zurzeit mit dem Bus nur vom Bahnhof Königslutter aus erreichen. Nachts und am Wochenende sind Linien- und Sammeltaxen unterwegs.

Protest von Natur- und Umweltschützern der Region

Während die Oberbürgermeister und Landräte sich für das Projekt stark machen, wollen die Natur- und Umweltschützer der Region das Projekt verhindern. In Wolfsburger Rat wurde daher die Entscheidung über die Machbarkeitsstudie zunächst vertagt. Unter anderem der BUND protestiert dort. Im neuen Wolfsburger Klimabeirat soll nun zunächst das Für und Wider diskutiert werden.

Bereits großer Widerstand gegen Gewerbegebiet bei Scheppau

In Helmstedt protestieren der Naturschutzbund (Nabu) sowie die Initiative „Gegenwind Scheppau“ und droht mit Klage. In Wolfenbüttel sind es der Nabu und der Verkehrsclub Deutschland (VCD), die protestieren. Braunschweigs BUND hat mittlerweile die hiesigen Ratsfraktionen angeschrieben. Tenor, so Vorsitzende Eva Goclic: „Braunschweig sollte weder Zeit noch Geld verschwenden. Aus dem Projekt wird nichts. Und falls doch, wird es ganz, ganz lange dauern.“

Kritiker: Das sind Flächen für Landwirtschaft, Erholung sowie Pflege von Natur und Landschaft

Was die Umwelt- und Naturschützer kritisieren, ist der Umstand, dass es nicht etwa um eine alte Brache geht. Tatsächlich handele es sich laut Raumordnungsprogramm des Regionalverbands um Flächen für Landwirtschaft, Erholung sowie Pflege von Natur und Landschaft. Das soll nun in „Vorbehaltsgebiet Industrielle Anlagen und Gewerbe“ geändert werden.

Wolfsburg: WMG-Wirtschaftsausschuss für Gewerbegebiet

Denn das Gebiet ist laut dem Konzept regionalbedeutsamer Gewerbestandorte auch als interkommunales Gewerbegebiet geeignet. Dieses Konzept hat der Regionalverband vor einem Jahr erarbeiten lassen. Es ist als „Instrument zu verstehen, das die strategische Flächenvorsorge der Region im nationalen und globalen Kontext und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern kann“.

Markurth: Schaffung neuer Arbeitsplätze

Braunschweigs Oberbürgermeister Ulrich Markurth sagt: „Attraktive Gewerbe- und Industrieflächen bieten Raum für die Ansiedlung oder Erweiterung von Unternehmen und damit für den Erhalt vorhandener und die Schaffung neuer Arbeitsplätze für unsere Region.“

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  • Der BUND hält entgegen, dass vom Gewerbegebiet „mindestens zehn europäische Schutzgebiete, sogenannte Flora-Fauna-Habitatsgebiete, mittelbar und unmittelbar betroffen wären“. Goclic ruft in Erinnerung, dass im Planungsgebiet Ersatzmaßnahmen für den Bau der Autobahnen 2 und 39 sowie der Weddeler Schleife vorgenommen wurden. Wie die Argumente zu werten sind, darüber wird nächsten Dienstag zunächst der Wirtschaftsausschuss des Braunschweiger Rates beraten.

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