Innenstadt

„Depot“ in der Braunschweiger Innenstadt steht vor Schließung

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Noch im Sommer wird „Depot“ die Braunschweiger Fußgängerzone verlassen. Ab September sei die Ladenfläche frei verfügbar, heißt es.

Noch im Sommer wird „Depot“ die Braunschweiger Fußgängerzone verlassen. Ab September sei die Ladenfläche frei verfügbar, heißt es.

Foto: Peter Sierigk

Braunschweig.  Es geht um die Filiale am Damm. Auf Immobilienscout24 wird die Ladenfläche bereits angeboten. Was sagt das Unternehmen zu dem bevorstehenden Aus?

In der Braunschweiger Innenstadt wird demnächst ein weiterer Leerstand zu verzeichnen sein. Der Deko- und Einrichtungsladen Depot schließt seine Filiale am Damm/Hutfiltern, gegenüber der Burgpassage. Die Fläche über vier Etagen wird bereits auf dem Internetportal Immobilienscout24.de zur Miete angeboten: Verkaufsfläche 971 Quadratmeter, Gesamtfläche 1657 Quadratmeter, Preis auf Anfrage, verfügbar ab September 2022.

Wie lange das Geschäft noch geöffnet sein wird, ist unbekannt. Bislang gibt es keine Aushänge, die das Ende ankündigen. Stattdessen weisen Plakate auf das 25-jährige Depot-Jubiläum hin. Das Unternehmen äußert sich auf Anfrage nicht zum bevorstehenden Aus, sondern gibt lediglich diese Auskunft: „Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir zurzeit keine Medienanfragen berücksichtigen können. Wir bitten um Verständnis, wenn wir Ihren Wünschen aktuell nicht nachkommen können.“

2020 und 2021 wurden bereits mehrere Depot-Filialen geschlossen

Depot ist eine Marke der Gries Deco Company GmbH mit Sitz im unterfränkischen Niedernberg. Das Unternehmen betrieb nach Angaben auf seiner Internetseite im Jahr 2019 in Deutschland, Österreich und der Schweiz insgesamt 536 Filialen und beschäftigte rund 5200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor. Zum Sortiment gehören Wohnraum-Accessoires, Geschenk- und Dekorationsartikel. In Braunschweig betreibt Depot einen zweiten Standort in den Schloss-Arkaden.

In den vergangenen beiden Jahren wurden bundesweit bereits mehrere Standorte geschlossen. 2020 hatte das Unternehmen laut Medienberichten noch mitgeteilt, dass diese Schließungen nicht auf die Pandemie zurückzuführen seien. Stattdessen handele es sich um eine nach dem Eigentümerwechsel 2019 beschlossene Anpassung des Filialnetzes.

Eigentümer Christian Gries forderte 2019 niedrigere Mieten

Zum Hintergrund: Jahrzehntelang gehörte das Unternehmen der Familie Gries. 2009 stieg dann der Schweizer Handelskonzern Migros ein und besaß seit 2012 die Mehrheit. Unter Migros expandierte Depot sehr stark und eröffnete viele neue Standorte – die Anzahl der Filialen wurde fast verfünffacht. Allerdings rutschte das Unternehmen zeitweise in die roten Zahlen. 2019 kaufte schließlich Christian Gries, Minderheitsgesellschafter und Gründerenkel, die Gries-Deco-Gruppe zurück.

Im Interview mit der „Welt“ hatte Gries damals angekündigt: „Wir müssen jetzt wieder dynamischer werden, konzentrierter, schlanker – wobei sich der Fokus verändert. In den letzten Jahren haben wir viel im Bereich Online und Digitalisierung getan. In den nächsten zwei Jahren werden wir uns wieder deutlicher auf die Verbesserung des Filialnetzes und auf unsere Filialen konzentrieren.“ Nötig seien ein moderneres Erscheinungsbild und attraktivere Sortimente.

Und: „Einige Standorte, die sich nicht rechnen, werden wir außerdem schließen müssen, während die erfolgreichen Formate expandieren sollen“, so Gries gegenüber der „Welt“. Er machte damals deutlich, dass Gespräche mit den Vermietern der Geschäftsräume nötig seien: „Die Mieten müssen an vielen Standorten runter und sich den Frequenzen anpassen.“

Die große Ungewissheit: Wie geht es mit der Burgpassage weiter?

Für die Braunschweiger Innenstadt ist die bevorstehende Schließung eine weitere Negativmeldung. Direkt nebenan steht bereits seit etlichen Monaten eine Fläche leer, die einige Jahre lang der Schuhfilialist CCC Shoes gemietet hatte. Wie schnell sich Nachmieter finden lassen, ist fraglich. Denn niemand weiß momentan, wie es mit der Burgpassage weitergeht und ob dort in absehbarer Zeit der geplante Umbau zur Burggasse erfolgen wird. Dieser wäre dann mit einer Großbaustelle verbunden – nicht das beste Umfeld für eine Geschäftseröffnung.

Der Düsseldorfer Projektentwickler Development Partner, Eigentümer der Burgpassage, lässt seit vielen Monaten Anfragen unserer Zeitung zur weiteren Planung unbeantwortet. Der letzte Mieter, Tchibo, hat die Burgpassage kürzlich verlassen und ein Ladenlokal direkt um die Ecke am Hutfiltern bezogen.

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