Gifhorner schickt Wildtiere in den Schlaf

Gifhorn  Der Tiernarkose-Experte Heino Krannich beteiligt sich an weltweitem Forschungsprojekt mit Wisenten.

Für die Wisente, die europäischen Bisons, ist es nur ein kleiner Piks, für die Forschung möglicherweise ein großer Schritt: Alle rund 4000 Exemplare dieser Waldrinder weltweit müssen sich einem Gentest unterziehen. Heino Krannich aus Zahrenholz im Landkreis Gifhorn ist zuständig für die Tele-Biopsien (Gewebeentnahme aus der Ferne) in Nord- und Westdeutschland. Er ist auch bekannt für spektakuläre Tiertransporte und Ansprechpartner, wenn Hunde entlaufen sind.

Der 53-Jährige, der weltweit als Experte für Wildtierbetäubungen auf Distanz bekannt ist, muss derzeit Biopsien von rund 150 Rindern in seinem Zuständigkeitsbereich nehmen und schickt sie an das Institut für Tiergenetik der Universität Warschau in Polen. Von 45 Rindern in Neumünster, Kiel und Cuxhaven hat er bereits per Schuss Haar-, Haut- und Muskelproben im Röhrchen entnommen, die anderen Herden besucht er in den nächsten Tagen.

Krannich unterstützt damit das Forschungsprojekt zur Erhaltung dieser Rasse. Vor etwa 100 Jahren galt sie als bereits fast ausgestorben, der heutige Bestand geht auf zwölf Tiere zurück, die in Tierparks und Zoos überlebt haben. Mit ihnen haben engagierte Züchter den heutigen Stamm aufgebaut.

Das Problem nennt Krannich: „Inzest. Die Wisente haben mehr oder weniger die selben Vorfahren und dadurch genetische Fehler: zum Beispiel ein schwächer werdendes Immunsystem.“ Die Rasse werde deswegen wohl langfristig aussterben. Über die Gen-Analyse wollen die Forscher ermitteln, welche Tiere wie nah mit den anderen verwandt sind. Die Wisentforscher hoffen, mit Hilfe der Gen-Datenbank ein Zuchtprogramm aufbauen zu können, das sicherstellt, dass die Wisente auch in 200 Jahren noch existieren.

Aber Krannich kann noch mehr: Neben Tiertransporten für Zebras, Braunbären und Co. hilft er Frauchen und Herrchen, deren Hund entlaufen ist. Meistens hatten die Gutes tun wollen, indem sie einen Hund von irgendeiner Straße der Welt ins deutsche Wohnzimmer geholt haben, aber: „Das kann nicht gutgehen“, weiß Krannich. Der Zahrenholzer bietet eine kostenlose Beratung am Telefon an, macht die Kunden sensibel für das Thema Angsthunde und tritt, wenn alles nichts fruchtet, in Aktion. Deutschlandweit. Er fängt Hunde wieder ein, die seit Tagen, Wochen, Monaten oder gar Jahren durch die Gegend streunen und sich nicht mehr anlocken lassen.

Die freilaufenden Hunde können teilweise zur Gefahr für Mensch und Tier werden, wobei Krannich da einschränken möchte: „Nicht jeder, der streunt, wildert auch. Außer der Husky, der ist doch noch sehr verwandt mit dem Wolf.“ Deswegen sei ihm auch ein Rätsel, wie man gerade diese Hunderasse aufs heimische Sofa zwingen möchte, weil „das Hunde sind, die 60 Kilometer am Tag rennen und ein halbes Rentier verspeisen wollen“. Diese Tiere würden die erstbeste Gelegenheit zum Durchbrennen nutzen und sich dann nicht wieder anlocken lassen.

Die richtige Narkosedosis, die sich bei einem inzwischen verwilderten Hund übrigens komplett anders gestaltet als beispielsweise bei einem vor einem Tag entlaufenden Tier, und ganz viel Erfahrung aus 18 Jahren bringt der Zahrenholzer Wildtierexperte in seinen Job ein.

Viele Vierbeiner fängt er ruckzuck. Die nennt er „15-Minuten-Hunde“. Aber es gibt auch schwierigere Fälle, die weitaus mehr Geduld und Geschick erforderten. „Zum Beispiel bei Hunden, die aus ihrem Herkunftsland Fallen gewöhnt sind, muss man richtig clever sein, aber: Ich kriege sie alle.“ 53 Hunde hat Heino Krannich eingefangen, mit Fallen oder mit dem Narkosegewehr. Alle, darauf darf er stolz sein, haben überlebt.

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