Öffentliches Stillen soll normal bleiben

Gifhorn  Gifhorner Hebammen wollen Müttern ermöglichen, Babys auch in der Gesellschaft die Brust zu geben.

Ulrike Gimkiewicz bringt eine Plakette an. Sie wirbt für die Aktion der Hebammen im Kreis Gifhorn „Zum Stillen willkommen“.

Ulrike Gimkiewicz bringt eine Plakette an. Sie wirbt für die Aktion der Hebammen im Kreis Gifhorn „Zum Stillen willkommen“.

Foto: Reiner Silberstein

Dass Mütter ihren Babys möglichst lange die Brust geben sollen, ist allgemein be- und anerkannt. Schließlich soll Muttermilch die Abwehrkräfte des Kindes stärken und viele wichtige Nährstoffe enthalten. Aber stillen in der Öffentlichkeit? Das scheint auch in Gifhorn stark auf Ablehnung zu stoßen. Die Hebammen des Landkreises wollen sich nun mit einer neuen Aktion dafür einsetzen, dass das wieder ungestört möglich ist.

Ein Vorfall in einer Einkaufspassage in Wolfsburg hat die Hebammen in Gifhorn wach werden lassen, berichtet Ulrike Gimkiewicz, eine der Initiatorinnen: „Dort wurde eine Frau hinausgeleitet, weil das Stillen ihres Babys wohl störte.“ In Restaurants gebe es oft böse Blicke und Bemerkungen von Menschen, die sich belästigt fühlten. Das sei ständig Thema in den Kursen der Hebammen für werdende Mütter. „Die Frauen vermeiden es mittlerweile, unterwegs irgendwo zu stillen, weil sie Angst haben, angemacht zu werden. Die Akzeptanz in der Öffentlichkeit ist stark gesunken.“ Warum? „Das haben wir uns auch schon oft gefragt. Vielleicht geht es einher mit einer zunehmenden Kinderfeindlichkeit. Manche Hotels werben ja schon damit, dass sie keine Familien mit Kindern aufnehmen.“

Die Folgen: Manche Frauen bleiben lieber zuhause, isolieren sich, fühlen sich vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Andere stillen ihr Kind verfrüht ab und wieder andere nutzen in der Stadt denkbar unwürdige Orte auf, um den Hunger des Kindes zu stillen: im Auto, auf Toiletten oder in Umkleidekabinen eines Kaufhauses. „Das kann es nicht sein!“, findet Gimkiewicz.

Die Hebammen wollen daher aktiv werden und ein Projekt in Gifhorn etablieren, dass in Osnabrück, Oldenburg und Celle bereits Erfolge feiert: „Zum Stillen willkommen“. Dabei zeichnen sie Cafés, Restaurants, Geschäfte sowie öffentliche und private Einrichtungen aus, in denen Müttern ausdrücklich in Ruhe und geschützt stillen können. Diese „Stillfreundlichen Orte“ werden nicht nur auf einer Karte im Internet aufgenommen, sondern erhalten neben einer Urkunde auch von außen sichtbare Plaketten.

„Wir wollen einen Aufruf starten“, sagt Gimkiewicz, „es können sich alle melden, die den Frauen einen Platz zum Stillen anbieten können.“ Dazu brauche es nicht viel: eine Sitzmöglichkeit im Warmen und ein WC in der Nähe. „Schön wäre es, wenn die Frauen bei Bedarf auch ein Glas Wasser bekommen könnten. Aber ein Wickeltisch zum Beispiel muss noch nicht einmal unbedingt sein.“ Die Anbieter sollten aber die Mütter gegen unhöfliches Verhalten Dritter unterstützen können.

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