Gifhorner Schulleiter: „Einfach mal die Fresse halten“

Gifhorn.  Schulentlassungsfeier in der Gifhorner Stein-Schule: Rektor Detlef Eichner hält engagierte Rede nach Reaktionen auf Schlägerei.

Schulleiter Detlef Eichner hielt eine beherzte Rede, die sich mit den Kommentaren in den sozialen Netzwerken nach der Schlägerei an der Steinschule beschäftigte. 

Schulleiter Detlef Eichner hielt eine beherzte Rede, die sich mit den Kommentaren in den sozialen Netzwerken nach der Schlägerei an der Steinschule beschäftigte. 

Foto: Dirk Kühn

Es war mehr als nur einfach eine Schulentlassungsfeier. An der Gifhorner Freiherr-vom Stein-Schule fand sie am Freitag statt unter den Eindrücken der Massenschlägerei mehrerer Schüler in der vergangenen Woche – und vor allem im Zuge der Reaktionen in den sozialen Netzwerken.

Wie berichtet, gab es nach einem Völkerball-Turnier eine Schlägerei, an der sieben Schüler beteiligt gewesen sind. Die Polizei war im Einsatz. Zwei Schüler mussten wegen der Verletzungen im Krankenhaus behandelt werden. Zu einem weiteren Polizeieinsatz kam es in dieser Woche, weil ein Schüler beim Betreten des Schulgeländes ein Messer bei sich trug. An den Diskussionen in den sozialen Netzwerken beteiligten sich unter anderem auch die Gifhorner AfD-Politiker Stefan Marzischewski und Uwe Fiest.

Schulleiter Detlef Eichner stellte seine Rede unter das Thema „Jetzt erst recht!“ Ja, es habe Überlegungen gegeben, die Entlassungsfeier ausfallen zu lassen, aber das hätten die Schüler nicht verdient, sagte Eichner vor Beginn der Feierstunde. Zusätzliche Sicherheitskräfte gebe es nicht, auf Polizei im Haus habe die Schule bewusst verzichtet.

“Jetzt erst recht““ gebe es eine feierliche Verabschiedung aller Schüler, die sich so angestrengt haben, die so tolle Leistungen erbracht haben „und auf die ich mich immer verlassen konnte“, sagte Eichner.

„Jetzt erst recht!“ sollen die Dinge nicht verschwiegen werden, die sich ereignet haben. Sieben Schüler und ihr nicht hinnehmbares Verhalten haben dafür gesorgt, dass die Stein-Schule Thema in den Medien war, dass viele Menschen denken, die Stein-Schule sei eine ganz schlimme Schule und dass sich einige in den sozialen Netzwerken als Deutsche aufspielten und „ihren Hass ausschütten“. Eichner warf den Kommentatoren vom rechten Rand eine „verstockte und verbohrte Weltsicht“ vor. Das gab donnernden Applaus der Schüler, Eltern und Verwandten, die zur Verabschiedung gekommen waren.

Wenn er als Schulleiter verunglimpft werde, mache ihm das nichts aus. Aber er ärgere sich, wenn Erwachsene meinen, sie wüssten es besser, wie an einer Schule, an der 32 Sprachen gesprochen werden, gearbeitet werden sollte. So viel Blödheit sei kaum noch zu übertreffen. Und er ärgere sich, wenn gewisse Politiker behaupten, es schon immer gewusst haben wollen. Wer keine Ahnung von Schule habe, und dann zitierte Eichner einen Kabarettisten: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten.“

Selbstverständlich müssten die sieben Schüler die Konsequenzen ihrer Taten tragen. Aber: „Jeder hat eine zweite Chance verdient“, stellte Eichner klar. Ja, es habe Überlegungen in der Lehrerschaft gegeben, den Zivilcourage-Preis, mit dem die Stein-Schule ausgezeichnet worden ist, zurückzugeben. Einstimmig sprachen sich die Lehrer dafür aus, ihn zu behalten.

Die Schüler haben diese Entlassungsfeier mehr als verdient. „So viel Engagement, so viele Ideen“, die sie in den Schulalltag eingebracht haben. Eichner dankte den Schülersprechern Fatime Shala und Tim Fait. Er sei unheimlich stolz, dass bereits 12 Schüler einen Ausbildungsplatz haben, dass zehn Schüler einen erweiterten Realschulabschluss erreicht haben. „Viele konnten vor drei Jahren kein Wort Deutsch sprechen.“ Es sei genial, dass 31 Schüler die Schule mit einem Realschulabschluss verlassen und 15 mit dem Hauptschulabschluss. Er haben die Nase gestrichen voll von Eltern, Erwachsenen, die ständig von Grundschule, Gesamtschule, Gymnasium reden, so Eichner. „Wer zur Hölle repariert denn das Klo, wenn es kaputt ist. und wer deckt mein Dach, wenn es undicht ist?“ Er sei jedenfalls stolz Schulleiter der Steinschule zu sein – mit den besten Kollegen und hervorragenden Schülern.

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