Kreis Gifhorn schaltet Bürgertelefon für Corona-Sorgen

Gifhorn.  Bislang gibt es keinen einzigen Fall, aber 117 bestätigte Influenza-Infekte. Ein Krisenstab behält die Lage im Blick.

Das Gesundheitsamt im Kreis hat bislang fünf Abstriche zum Abklären eines Corona-Verdachts  ans Landesgesundheitsamt gesandt. Bislang alle ohne Befund. (Symbolbild)

Das Gesundheitsamt im Kreis hat bislang fünf Abstriche zum Abklären eines Corona-Verdachts ans Landesgesundheitsamt gesandt. Bislang alle ohne Befund. (Symbolbild)

Foto: Marcel Kusch / dpa

Mit strukturierter Vorsorge und Diagnostik hält der Landkreis Gifhorn den Covid-19-Erreger, das Coronavirus Sars-CoV-2, in Schach. Neben dem Gesundheitsamt wird ein Praxiszelt für die abgeschirmte Erstuntersuchung neuer Patienten mit ungeklärten Symptomen aufgestellt. „Mittwoch von 8 Uhr an wird ein kostenloses Bürgertelefon mit geschulten Ansprechpartnern freigeschaltet“, kündigt Landrat Andreas Ebel an.

Gesundheits-Kreisrat Rolf Amelsberg ordnet die wahre Corona-Lage mit zwei konkreten Zahlen ein: Von krankheitsverdächtigen Covid-19-Patineten gibt es im Kreis Gifhorn Stand Dienstag keinen einzigen. „Bei allem Hype“, so Amelsberg: „Bis Ende Februar hatten wir 117 bestätigte Influenza-Fälle.“ Daraus sei abzuleiten: Jeder einzelne müsse bei Erkältungssymptomen abwägen, ob er sich in einem Risikogebiet aufgehalten habe oder mit Personen von dort Kontakt gehabt habe, ob also eine Erkrankung an Covid-19 überhaupt in Frage komme. Messlatte für das richtige Verhalten des Einzelnen bleiben die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI).

Insgesamt hat der Landkreis Amtsarzt Josef Kraft zufolge vorsorglich bislang fünf Abstriche zur Analyse an das Landesgesundheitsamt geschickt. Eine davon ist zurück – ohne Befund. Kraft schildert auch den Fall einer Stewardess, die nach seiner Diagnose an einer Erkältung leidet, auch ihre Kinder angesteckt hat. Die Frau sei überzeugt, sich im Flugzeug nach Italien bei Passagieren am Coronavirus angesteckt zu haben. Kraft hält das für unwahrscheinlich, habe doch der Arbeitgeber der Frau intensive betriebsärztliche Kontrollen. Das Untersuchungsergebnis eines ansteckungsverdächtigen Mannes von Montag erwarte der Kreis am Mittwoch.

Aktuell bewertet wird die Lage im Landkreis alle zwei Tage vom „kleinen Krisenstab“ mit Verwaltungsvorstand, Amtsarzt, Katastrophenschutz-Abteilungsleiter und dem Chef des Fachbereichs Ordnung. Für Mittwoch hat der Landrat eine Institutionen-Runde einberufen für ein abgestimmtes Vorgehen. Beteiligt sind dann das Helios-Klinikum, Feuerwehr, Polizei, Rotes Kreuz und ein Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung.

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Die Bürger bekommen täglich um 15 Uhr ein offizielles Info-Update auf der Homepage des Landkreises unter www.gifhorn.de sowie im sozialen Netzwerk Facebook. Für das Bürgertelefon werden Mitarbeiter des Katastrophenschutzes speziell für Corona-Fragen geschult. Ansprechpartner seien zudem die Ärzte und Gesundheitspfleger der Kreisverwaltung. Ihr Leitfaden ist und bleibt dabei das offizielle Corona-Flussdiagramm des RKI. Bislang haben sich bei Anrufen im Gesundheitsamt dessen Mitarbeiter um die besorgten Anrufer gekümmert. „Wir haben sogar unserer Sekretärinnen geschult“, sagt Amtsarzt Kraft. Die Fragen betrafen „im Prinzip alles, je nach Weltlage“, schildert der Mediziner das Ausmaß der Verunsicherung.

Entsprechend der Nachrichtenlage habe sich der Frageschwerpunkt inzwischen von China nach Italien verlagert. „Wir haben erst mal geguckt, wo dort die Risikogebiete liegen.“

Landrat Ebel hob noch einmal hervor, wie gut das Helios-Klinikum auf akute Fälle vorbereitet sei. Dort gebe es bei Engpässen an Schutzausrüstung in Arztpraxen auch genug Vorräte.

Einen Vorsorge-Schwerpunkt setzt der Kreis in Pflegeheimen, deren Bewohner zu der durch das Virus am meisten gefährdeten Bevölkerungsgruppe mit Vorerkrankungen oder geschwächtem Allgemeinzustand zählen.

Laut Sozial-Kreisrat Amelsberg seien diese Häuser gezielt mit Informationsmaterial versorgt worden. Außerdem hätten die Heime ihre Hygienepläne aktualisieren müssen. Ihnen kämen die Erfahrungen mit Maßnahmen gegen das Noro-Virus zugute, dessen Ansteckungsgefahr noch größer sei als die des Coronavirus.

Nach Informationen unserer Zeitung betrachten einige Heime die angeordneten Maßnahmen allerdings mit Argwohn. So sollen die Heime die Besuchszeit auf zwei Stunden pro Tag am Nachmittag eingrenzen. Besucher dürften in diesem Zeitraum maximal eine Stunde im Haus verbringen und nur eine Person besuchen. Jeder Besucher müsse seine Personalien angeben und sich die Körpertemperatur messen lassen. Per Musterschreiben sollen die Einrichtungen alle Angehörigen ihrer Heimbewohner hinweisen.

Das kostenlose Bürgertelefon hat die Rufnummer 0800/8282444.

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