Kontroverse Diskussion über 5G in Gifhorn

Gifhorn.  Die Experten der TU Braunschweig und der TU München schenkten sich nichts, eine Quintessenz gab es nicht.

Diskutierten über 5G: Achim Enders (von links), Thomas Kürner, Tim Köhler, Klaus Buchner und Nicole Wolf

Diskutierten über 5G: Achim Enders (von links), Thomas Kürner, Tim Köhler, Klaus Buchner und Nicole Wolf

Foto: Burkhard Ohse

Hochkarätig besetzt war die Diskussionsrunde zum Thema 5G im Mehrgenerationenhaus am Donnerstagabend. Nicole Wolf von der Bürgerinitiative gegen 5G und die Professoren Achim Enders, Thomas Kürner (beide TU Braunschweig) sowie Klaus Buchner (TU München) diskutierten auf Einladung des SPD-Ortsvereins. Moderator Tim Köhler, stellvertretender SPD-Ortsvereinsvorsitzender, achtete penibel auf die Redezeiten des Pro- und des Contra-Lagers.

„5G ist geeignet für höhere Datenraten, Echtzeitanwendungen oder das Internet der Dinge, und das drahtlos“, erklärte Kürner die Unterschiede zu 4G, das kein grundsätzlich anderes Übertragungsverfahren als 5G sei. Während bei 4G ganze Sektoren nach dem „Gießkannenprinzip“ bestrahlt werden, sind die Sektoren bei 5G kleiner. „Die Energie wird auf den Benutzer fokussiert“, erklärte er. Das bedeute künftig mehr Antennen und 30 Prozent mehr Strahlung, wobei die Hauptbelastung beim Smartphone-Nutzer liege.

Die biologischen Folgen aus seiner Sicht erklärte Buchner. „Proteine können durch die Strahlung zerstört werden, so dass sie ihre Funktion nicht mehr ausüben können“, legte er dar. Zudem entstünden freie Radikale, die oxidativen Stress bedeuteten.

„5G ist kein neues Thema“, sagte Enders, vielmehr gehe es allgemein um elektromagnetische Felder. „Was Leute nicht schmecken oder spüren können, ist ihnen verdächtig. Aber man kann keine Unschädlichkeit beweisen.“ Im Körper gebe es viele elektromagnetische Felder. Bei 5G würden Frequenzen weit jenseits einer ionisierenden Wirkung verwendet. Wolf verwies darauf, dass Grenzwerte sich lediglich an die Erwärmung von Gewebe orientierten. „Wir sind nicht technikfeindlich. Aber ein ‚Weiter so‘, wo es viele Studien gibt, die eine Gesundheitsgefahr belegen, kann es nicht geben.“ Unterschiedliche Auffassungen gab es zu Studien. Während Bucher darauf verwies, dass bestimmte Gehirntumore zugenommen hätten, zweifelte Enders an, dass die Schädigungen durch die Strahlung entstünden. Bucher verwies darauf, dass man die Auswirkungen von Strahlung medizinisch objektiv messen könnte, anhand des Kalziumspiegels, der Herzrhythmus-Frequenz oder Redoxpotentiale. Enders rief dazu auf, dass sich elektrosensible Menschen der Wissenschaft zur Verfügung stellen. Denn bisher hätten Versuche nichts ergeben. Die ersten Anwendungen von 5G werde es indes wohl Ende des Jahres in der Modellregion Wolfsburg geben, antwortete Kürner auf Nachfrage, erste Masten gebe es bereits bei VW und im VfL-Stadion.

Auch beim Resümee blieben die Fraktionen gespalten. „Die einen Studien neutralisieren nicht die mit anderen Ergebnissen“, sagte Wolf. Für eine Versachlichung der Diskussion sprach sich Kürner aus. „Man muss schauen, wo es neue Effekte gibt“, sagte er. Für Studien, bei denen nichts gefunden werde, sei es die Herausforderung, zu schauen, warum nichts gefunden werde, meinte Buchner. Enders dagegen forderte, dass man Studien, die Effekte finden, auf Plausibilität prüfen müsse. Einigkeit gab es wohl nur bei dem, was Moderator Köhler zum Schluss sagte. „5G wird uns noch lange beschäftigen. Verfolgen wir die Entwicklung.“ ohs

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