Gifhorns Landrat appelliert an die Bevölkerung des Landkreises

Gifhorn.  Landrat Andreas Ebel appelliert an die Bevölkerung, soziale Kontakt zu minimieren. Lebensmittelhandel darf sonntags öffnen.

Gefordert wie noch nie: Die Mitarbeiter des Gifhorner Gesundheitsamtes. 

Gefordert wie noch nie: Die Mitarbeiter des Gifhorner Gesundheitsamtes. 

Foto: Dirk Kühn

Landrat Andreas Ebel hat sich am Montag mit einer Rede an die Bewohner des Landkreises gewandt. Hier der Beitrag im kompletten Wortlaut:

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

das Coronavirus beherrscht derzeit unser Leben. Täglich gibt es neue Meldungen zu der Entwicklung, neue Erkenntnisse, neue Regelungen. All das betrifft uns alle direkt oder indirekt. Wichtig ist, dass wir uns alle täglich an die aktuelle Situation anpassen. Das heißt für alle von uns, wir müssen flexibel bleiben und Verständnis füreinander entwickeln. Die ständig neuen Entwicklungen machen es unmöglich, langfristig zu planen.

Bisher wissen wir, dass unsere Kinder bis Mitte April weder die Schulen noch die Kindertagesstätten bei uns im Landkreis besuchen dürfen. Das birgt für viele Familien Herausforderungen. Notgruppen sind im ganzen Landkreis eingerichtet. Und an dieser Stelle möchte ich den Eltern für ihr vorbildliches Verhalten danken.

Eine andere Änderung betrifft das tägliche soziale Leben. Gerade jetzt, wo die Kinder zu Hause bleiben müssen, sind Spielplätze gesperrt und das Training im Sportverein nicht möglich. Die Eltern können nicht ins Theater oder Museum gehen und auch der Gottesdienst findet nicht statt. Generell sind wir angehalten, unsere sozialen Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Das bedeutet, dass Sie sich außerhalb der Arbeit nur noch mit denjenigen treffen sollten, mit denen Sie ohnehin im gleichen Haushalt leben. Im Freien sind maximal zwei Personen gemeinsam erlaubt – auch bei Spaziergängen oder der täglichen Jogging-Einheit.

Alle Maßnahmen, die wir als Kreisverwaltung von dem Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung erhalten, dienen dem Ziel, die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen. Und daran sollten wir alle ein ganz besonderes Interesse haben.

Einige Dienstleister dürfen weiterhin geöffnet bleiben. Auch wenn daran strengere Hygieneregeln gekoppelt sind. Die jetzt noch geöffneten Läden ermöglichen es uns, ein geregeltes Leben zu führen und das Notwendigste zu erledigen. Damit Sie auch beim Einkauf keine Sorge haben müssen, in langen Schlangen anstehen zu müssen, wurden die Öffnungszeiten erweitert. Unternehmer können bei Bedarf auch an Sonn- und Feiertagen ihre Geschäfte öffnen. Das soll aber keineswegs eine Einladung zum ausgiebigen Familien-Shopping sein. Jeder sollte sich drauf beschränken, die Dinge für den täglichen Bedarf zu besorgen. Ihre Kinder sind zu Hause besser aufgehoben als im Supermarkt.

Eine weitere Regelung betrifft den Tourismus im Landkreis Gifhorn. Spätestens bis Mitte nächster Woche müssen alle Touristen die hiesigen Hotels und Campingplätze verlassen. Auch Restaurantbesitzer und Gaststätten-Betreiber dürfen Ihre Lebensmittel nur noch Außerhaus verkaufen. Dabei müssen sie gewährleisten, dass zwischen Kunden ein Mindestabstand von anderthalb Metern eingehalten wird. Auch hier soll ein Infektionsrisiko minimiert werden.

Für all die Unternehmerinnen und Unternehmer in unserem Landkreis hat die Wirtschaftsförderung ein offenes Ohr. Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beraten beispielsweise individuell zu finanziellen Hilfen.

Für Ihre allgemeinen Fragen rund um das Coronavirus gibt es unser Bürgertelefon. Das hilft auch dabei, zu entscheiden, ob Sie ein Verdachtsfall sind und ob Sie getestet werden müssen. Bitte vertrauen Sie unserem Gesundheitsamt. Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dort arbeiten gewissenhaft und informieren jeden, der ein potentieller Verdachtsfall sein könnte.

Wir entscheiden nach den Kriterien des Robert-Koch-Institutes, wer in häusliche Quarantäne gehen muss und wer eine Behandlung benötigt. Und weil ich sehr oft danach gefragt werde: wir werden keine Auskünfte über die Wohnorte derjenigen geben, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Unser Amtsarzt unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht, der auch ich mich nicht widersetzen kann und will.

All diejenigen, die betroffen sind, sollten sich auf das Gesundwerden konzentrieren dürfen. Sie verdienen keinen psychischen Druck von Außenstehenden. In diesen besonderen Zeiten ist es ganz besonders wichtig, dass alle zusammenhalten und sich gegenseitig unterstützen, soweit es geht – mit genügend Abstand.

Ich danke allen Bürgerinnen und Bürgern, die sich tagtäglich mit den Auswirkungen des Coronavirus beschäftigen, die aktiv mithelfen, die Ausbreitung einzudämmen und die auf sich und ihre Mitmenschen achten. Passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund!

Ihr Landrat

Dr. Andreas Ebel

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