Corona-Krise: Erste Insolvenzanträge im Kreis Gifhorn

Isenbüttel.  Es trifft die Firma Roth mit Sitz in Isenbüttel und das Gasthaus Michels in Adenbüttel. In beiden Fällen ist der Insolvenzverwalter aber optimistisch.

Tell Roth, Geschäftsführer der Roth GmbH & Co. KG, mit seiner Schwester Christina.

Tell Roth, Geschäftsführer der Roth GmbH & Co. KG, mit seiner Schwester Christina.

Foto: Roth Catering GmbH / Privat

Die coronabedingten Schließungen der Gaststätten trifft die ersten Gastronomen im Landkreis mit voller Wucht. Weil das Familienunternomen Roth in Isenbüttel die Folgen extrem zu spüren bekommt, hat es sich am vergangenen Donnerstag an die Amtsgerichte Gifhorn und Wolfsburg gewandt und vorläufig Insolvenz angemeldet.

Der Antrag verfolgt das Ziel einer in Fachkreisen genannten übertragenden Sanierung. „Das Unternehmen drohte aufgrund der Betriebsunterbrechung, die wegen der Corona-Krise entstanden ist, zahlungsunfähig zu werden“, begründet Geschäftsführer Tell Roth den Entschluss seiner Familie. Betroffen sind die beiden Firmen Roth Catering GmbH und die Roth GmbH & Co KG.

In der Eventlocation Feierwerk in Isenbüttel dürfen keine Veranstaltungen mehr stattfinden, das Buffet Restaurant in Fallersleben, in dem täglich mehr als 450 Tagesgerichte ausgegeben werden, ist ebenso zu wie die Gifhorner Stadthalle, für die Roth das Catering macht.

Betroffen sind mehr als 80 Mitarbeiter und 4 Auszubildende. Der von den Gerichten bestellte Rechtsanwalt Boris Freiherr von dem Bussche hat für die Beschäftigten bei der Bundesagentur für Arbeit einen Antrag auf Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes gestellt. Durch diesen Schritt seien die Gehälter aller Mitarbeiter gesichert, teilt Roth mit. „In dieser aktuellen Lage ist es zwingend notwendig, dass man in Berlin wegen der Corona-Krise sinnvollerweise das Insolvenzgeld von drei auf mindestens sechs Monate verlängert. Nur so wären allen nachweislich coronabedingt gefährdeten Betrieben sinnvoll und nachhaltig geholfen. Lieber länger Insolvenzgeld und eine Standortsicherung, als Arbeitslosengeld und Betriebsschließung“, drängt Insolvenzverwalter von dem Bussche unter Berufung auf Expertenkreisen die Politik.

Oberstes Ziel sei es jetzt, ein tragfähiges Sanierungskonzept auf die Beine zu stellen, wie Firmengründer Heinrich Roth betont, der vor 30 Jahren mit einer Metzgerei in Wolfsburg startete und als Pionier für Caterings stetig expandierte. „Ich lasse es nicht zu, dass eine Pandemie in nur wenigen Wochen zerschlägt, was wir mit der ganzen Familie und ausgezeichneten Mitarbeitern über viele Jahre aufgebaut haben.“ ergänzt Firmengründerin Ingeburg Roth.

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Das Team ist zuversichtlich und geht davon aus, dass sich die Auftragsbücher genauso gut füllen werden wie vor der Krise. Die Frühlingswiesn, die abgesagt werden mussten, sollen 2021 nachgeholt werden. So ist auch schon das Datum fixiert: 23. und 24. April 2021 mit der Band Münchner Zwietracht. Tell Roth betont, dass das Geld für die gekauften Tickets für das abgesagte Event definitiv zurückerstattet wird. „Darum habe ich mich frühzeitig gekümmert, das ist alles gesichert“, räumt er gleich Sorgen mit Blick auf die neue Sanierungs-Situation aus.

Hinter den Kulissen werde indes an nachhaltigen Catering- und Eventangeboten gearbeitet. „Trotz der Corona-Situation müssen die Leute, die an den Arbeitsplätzen sitzen, verpflegt werden. Hier erarbeiten wir passende Angebote. Wir sind gebeten worden, im großen Umfang Lunchpakete in Unternehmen zu liefern.“, so Tell Roth – und zwar mit der bislang eher wenig agierenden Verwaltungs GmbH. So können Mitarbeiter in anderen Unternehmen, in denen Küchen und Mensen geschlossen sind, trotzdem versorgt werden. Einige Unternehmen hätten schon Aufträge erteilt und seien beliefert worden. Kapazitäten für weitere Belieferungen gäbe es noch.

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Auch das Gasthaus Michels in Adenbüttel trifft die Corona-Krise. Von dem Bussche, der auch hier als Insolvenzverwalter agiert, sieht das Lokal aber sehr gut gewappnet. „Ich habe in meinen 20 Jahren als Sanierungsexperte noch nie so volle Auftragsbücher gesehen. Das Gasthaus hatte mehrere Veranstaltungen am Tag.“ Und wieso dann Insolvenz?

Weil Inhaber Dirk Rakowske wegen der großen Nachfrage so intensiv ins Tagesgeschäft eingebunden gewesen sei, sei er bei „der Buchhaltung in dem gebotenen Umfang nicht mehr hinterher gekommen“, formuliert es der Rechtsanwalt. Das ist ihm in der Vergangenheit offenbar zum Verhängnis geworden, sodass gemeinsam an betriebswirtschaftlichen und haushalterischen Stellschrauben nachjustiert wurde. Doch dem Durchstarten kam Corona in die Quere, sodass Insolvenz angemeldet werden musste. Derzeit sind 15 Mitarbeiter und Aushilfen freigestellt. „Ich weiß ganz genau, dass das Gasthaus die Coronakrise gut überstehen wird und die Mitarbeiter wieder zurückgeholt werden“, ist von dem Bussche überzeugt. Per Abholdienst versorgt das Gasthaus Bürger weiter mit Speisen.

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