Gifhorns Frauen zeigen häufiger Symptome als Männer

Gifhorn.  Die Corona-App von Prof. Dr. med. Dietmar Urbach zeigt erste Ergebnisse..

Prof. Dr. Dietmar Urbach vom Helios-Klinikum ist einer der Entwickler der neuen App.

Prof. Dr. Dietmar Urbach vom Helios-Klinikum ist einer der Entwickler der neuen App.

Foto: Helios-Klinikum Gifhorn

Viele Menschen, die sich mit dem Corona-Virus anstecken, berichten von Symptomen wie trockenem Husten, Fieber, Muskel-, Gliederschmerzen, Geschmacks- und Geruchsverlust. Wenn Ärzte und Gesundheitsamt einen Überblick darüber hätten, in welchem Ort gerade vermehrt gehüstelt wird, könnte das ein wichtiger Indiz dafür sein, wo sich Viren gerade verbreiten. Genau dafür hat Prof. Dr. med. Dietmar Urbach, Chefarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie im Helios Klinikum Gifhorn sowie externer Hochschullehrer an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, zusammen mit dem Wirtschaftsingenieur Sven Leiß eine App als Online-Umfrage entwickelt (unsere Zeitung berichtete): „Covid-nein-danke“.

3363 Menschen im Kreis Gifhorn haben sie bereits genutzt. „Das ist schon sehr gut“, findet Urbach. Noch besser ist, dass sich daraus schon erste, grobe Ergebnisse ablesen lassen. Nach der Validierung seien 2807 Primäreingaben und 287 Folgebefragungen verwertbar. Tatsächlich hätten knapp 1000 Teilnehmer eins der besagten Symptome angegeben. Interessant in Gifhorn ist: „Frauen präsentierten eine höhere Quote an Symptomen als Männer.“ Eine Erklärung hat Urbach dafür noch nicht. Aber in den Daten aus dem Kreis Gifhorn lasse sich ein Erfolg der bisherigen Isolierungsmaßnahmen ablesen: „Bei den Teilnehmern der Folgebefragung lag der Rückgang der Symptome von der 14. auf die 15. Kalenderwoche bei 35 Prozent.“

Das heiße nicht, dass diese Menschen vorher an Covid-19 erkrankt waren, sondern da zeige sich quasi ein „Grundrauschen“. Isolierung wirkt auch gegen die bekannte Grippe und normale Erkältungen. Doch wenn es plötzlich in einer Region zum starken Anstieg von ausgerechnet Covid-19-typischen Symptomen kommt, dann könne das ein Marker sein, den man als Frühwarnsystem für Kliniken und Gesundheitsämter nutzen könne. „Wir können das nach Postleitzahlen aufschlüsseln.“ Ansonsten arbeite die App völlig anonym, es würden keine Namen, Telefon-, IP-Nummern oder GPS-Daten gespeichert – ein Ansatz, wie er bereits in Großbritannien mit rund zwei Millionen Nutzern einer anderen App erfolgreich laufe.

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Das Besondere: Urbach kann im günstigen Fall auch Zusammenhänge mit besonderen Lebensumständen, Vorerkrankungen, Medikamenten oder Impfungen erkennen. Bekommt ein Raucher vielleicht größere Probleme als ein Nichtraucher? „Wir wollen aber auch erfahren, warum manche Menschen gar keine Symptome bekommen.“ Daher sei es wichtig, dass auch möglichst viele Menschen die App nutzen, die derzeit beschwerdefrei sind.

Sowieso: Je mehr Teilnehmer es gibt, desto aussagekräftiger sind die Daten. „Wir haben die App zunächst für den Kreis Gifhorn entwickelt, aber mitmachen kann jeder in ganz Deutschland.“ Die App werde ständig weiterentwickelt und um weitere Fragen erweitert. Die Ergebnisse will Urbach dann an der Magdeburger Uni wissenschaftlich auswerten und veröffentlichen.

Die App „Covid-nein-danke“ ist unter www.covid-nein-danke.de online nutzbar.

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