Gifhorns Tourismusziel wird heute 40 Jahre alt

Gifhorn.  Das Gifhorner Mühlenmuseum besteht seit 40 Jahren. Am 8. Mai 1980 wurde es eröffnet.

Rosita Wrobel, Geschäftsführerin im Internationalen Mühlenmuseum Gifhorn, blickt auf die vergangenen 40 Jahre zurück. Am 8. Mai 1980 wurde das Internationale Mühlenmuseum eröffnet. 

Rosita Wrobel, Geschäftsführerin im Internationalen Mühlenmuseum Gifhorn, blickt auf die vergangenen 40 Jahre zurück. Am 8. Mai 1980 wurde das Internationale Mühlenmuseum eröffnet. 

Foto: Dirk Kühn

Eine Feier gibt es heute nicht. Sie ist in Corona-Zeiten verboten. Und es ist ja auch kein richtiges Jubiläum, das nach 25 oder 50 Jahren gefeiert wird. Gleichwohl, heute vor 40 Jahren ist Gifhorns größte Tourismusattraktion eröffnet worden: das Internationale Wind- und Wassermühlenmuseum.

Für Familie Wrobel sind es mehr als 40 Jahre. Für sie ist es fast ein Leben mit und für die Mühlen – seit jener Begegnung mit dem Müllermeister Erich Röhl, der eine Bockwindmühle in Abbenrode am Elm, Kreis Wolfenbüttel betrieb. Dieses Erlebnis ließ den heute 85-jährigen Horst Wrobel nicht mehr los. Er saugte die Informationen, Baupläne, historischen Überlieferungen über Mühlen auf, baute Mühlen-Modelle, stellte sie bundesweit aus und verwirklichte seinen Traum vom Museum erstmals in den 70er Jahren in Suhlendorf, Kreis Uelzen. Als die Gemeinde die Erweiterungspläne nicht mittragen wollte, gab es erste Kontakte nach Gifhorn.

Seit Mittwoch hat das Mühlenmuseum wieder geöffnet – nach sechs Wochen Zwangspause. Am Donnerstag bummeln nur vereinzelt Besucher über das Gelände. Am Trachtenhaus gibt es frisches Bauernbrot und Zuckerkuchen zum Mitnehmen, mehr erlauben die Vorgaben nicht. Was heute auf dem rund 10 Hektar großen Gelände zu erleben ist, hat mit den Anfängen nur noch wenig zu tun. Vor 40 Jahren standen dort zunächst drei Original-Mühlen: Die Osloßer Bockwindmühle Victoria, die Tiroler Wassermühle und die Bergholländermühle Immanuel. Dazu kam das Ausstellungsgebäude als Herzstück des Museums.

Und während Mühlen langsam mahlen, arbeitete Familie Wrobel weiter am großen Traum. Fast Jahr für Jahr kam eine Mühle oder ein Gebäude wie das Trachtenhaus dazu. Mehr als zehn Mühlen kamen in den vergangenen Jahrzehnten dazu. Und hinter jeder Mühle steckt eine Geschichte.

Nicht immer lief alles reibungslos. Beim Bau der mallorquinischen Mühle beispielsweise verhängte die Stadt einen Baustopp. Ohnehin hatte Wrobel in all den Jahren nicht immer nur Förderer an seiner Seite. Kritiker bezeichneten den Bau des Glockenpalastes, der heute vor sieben Jahren nach sechzehnjähriger Bauzeit eröffnet wurde, als ein Stück Disneyland. Völlig überworfen hatte sich Wrobel auch mit den Naturschützern. Politiker und Journalisten bekamen Hausverbot, wenn dem Museumschef etwas nicht passte. Mittlerweile hat er sich zurückgezogen, der Glockenpalast ist sein Refugium. Die Geschäfte im Museumsalltag führt Rosita Wrobel unterstützt von Museumsleiter Philipp Oppermann. Auch Renate Wrobel hilft immer mal mit. Arbeit gibt es genug. Seit Jahresbeginn wird das Trachtenhaus wieder in Eigenregie betrieben, der Internetauftritt soll überarbeitet werden. Einfacher sind die Zeiten nicht geworden. Nach Besucherzahlen von 200.000 in den 90er Jahren waren es im vergangenen Jahr noch rund 50.000. Ja, es gibt Zukunftspläne. Aber erstmal muss dieses extrem schwierige Jahr überstanden sein. „Zu Ostern geschlossen, am 1. Mai geschlossen, das alles bei herrlichem Wetter, das ist schon bitter“, sagt Rosita Wrobel. Kein Wunder, dass ihr da nicht nach Feiern zu Mute ist – und bis zum 50-jährigen Bestehen ist ja noch etwas Zeit...

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