40 Jahre besteht das Wind- und Wassermühlenmuseum

Gifhorn.  Leben und Arbeiten in Gifhorn: Gründer Horst Wrobel hofft, dass das Museum weiter existieren wird.

Spaziergang mit Horst Wrobel (85) durch das Gifhorner Mühlenmuseum. 

Spaziergang mit Horst Wrobel (85) durch das Gifhorner Mühlenmuseum. 

Foto: Dirk Kühn

Mit einem freundlichen „Guten Tag“ begrüßt Horst Wrobel an diesem Nachmittag seine Gäste im Gifhorner Mühlenmuseum persönlich. Ein Pärchen kommt ihm entgegen, es hat sich gerade die mallorquinische und die französische Mühle angeschaut. Wrobel bleibt stehen, schaut sich um. Ein Strohhut schützt den 85-Jährigen vor zu viel Sonne. Er trägt ein weißes Hemd und eine dunkelblaue, dezent gepunktete Fliege. Sein Blick schweift über dem Mühlensee und das Museumsgelände. „Ist das nicht wunderbar?“, sagt er. Das ist nicht wirklich eine Frage. Das ist aus tiefer Überzeugung eine Feststellung und Ausdruck seiner Faszination für Mühlen, für Technik, für die Natur – und für sein Museum.

40 Jahre besteht das Internationale Wind- und Wassermühlenmuseum in diesem Jahr. Eine Feier gab es nicht. Wegen der Corona-Pandemie hatte das Freiluftmuseum, kaum hatte die Saison begonnen, ab Mitte März geschlossen. Anfang Mai durften wieder Besucher auf das Gelände – da war das schöne Wetter zu Ostern und am 1. Mai längst passé und damit auch die Besucher. Für ein privat geführtes Museum ist das bitter, bedrohlich bitter, denn auch seit Wiedereröffnung ist der Zuspruch überschaubar.

Ein Spaziergang mit Horst Wrobel über das Museumsgelände ist ein Spaziergang durch 40 Jahre große und kleine Geschichte, mal weltpolitisch, mal ganz lokalpolitisch, mal leuchten Wrobels Augen wie die eines Jungen, mal trübt eine gewisse Verbitterung den Blick. Vor 40 Jahren zur Eröffnung am 8. Mai standen auf dem heute rund 15 Hektar großen Gelände zunächst drei Original-Mühlen: die Kellerholländer-Mühle Immanuel von 1848 aus Westdorf in Schleswig Holstein, ein Geschenk des Zeitungsverlegers Axel Springer. Die Bockwindmühle Viktoria von 1882 aus Osloß im Landkreis Gifhorn und die etwa 300 Jahre alte Tiroler Wassermühle aus dem Lesachtal. Dazu kam das Ausstellungsgebäude als Herzstück des Museums.

Wrobel bleibt vor der „Moli de Tramuntana“ stehen. Die mallorquinische Mühle entstand zur Jahrtausendwende. Das Gelb der Fassade leuchtet im Sonnenlicht. Eigentlich hatte Wrobel gehofft, dass der damalige Kronprinz Felipe zur Eröffnung kommt. Doch während der Bauarbeiten hatte sich der Museumsgründer mit der Stadt Gifhorn überworfen. Ein Baustopp sorgte für Verzögerungen.

Solche Konflikte sind kein Einzelfall in der Geschichte des Museums. Wrobel haderte mit den Mühlen der Verwaltung, die ihm einfach zu langsam mahlten, er verdarb es sich mit Umwelt- und Naturschutzverbänden – und mit Politikern und Journalisten, die Hausverbot erhielten. Doch der 85-Jährige hatte auch Gönner. Aber zuallererst ist das seine Familie, seine Frau, die noch immer mal im Museum hilft und seine Tochter Rosita, die zur Geschäftsführung gehört.

Auf dem Weg zur französischen Mühle bekennt er: „Ich bin ein Glückspilz.“ Das, was er in all den Jahren geschaffen hat, zusammen mit der Familie, Freunden, den Mitarbeitern, das sei eine Gnade und ein Geschenk. Rund fünf Millionen Besucher kamen bisher ins Mühlenmuseum. Nach der Eröffnung folgte Jahr ums Jahr eine weitere Mühle. Die letzte stammt aus dem Jahr 2005: die serbische Wassermühle Mudra Milica. Sie ist ein Geschenk des serbisch-orthodoxen Bischofs Lavrentije an das Mühlenmuseum. Beide verbindet eine langjährige Freundschaft. Der orthodoxen Kirche und den Menschen in Osteuropa war der Gifhorner ohnehin stets verbunden. Neben den 15 Mühlen, dem Trachtenhaus, dem Back- und dem Brothaus befindet sich auch eine russische Holzkirche auf dem Gelände.

Der Spaziergang mit Wrobel führt Richtung Ausstellungsgebäude, das Herzstück des Museums mit rund 50 Mühlenmodellen. Die ersten baute er detailgetreu, als er noch für Karstadt in Braunschweig Schaufenster gestaltete. Die Worte sprudeln nur so. Er erzählt von seinen Reisen, Kontakten, Begegnungen. Von einem Brief des russischen Botschafters, von seinem Vater, der für ihn immer Vorbild gewesen sei. Von ihm habe er das handwerkliche Geschick. Er habe das Malen und Basteln im Blut gehabt.

Weiter geht’s Richtung Trachtenhaus und Sanssouci-Mühle, in der eine Ausstellung die Geschichte des Museums erzählt, von all der Prominenz zu der Politiker wie Ernst Al-brecht, Birgit Breuel und Christian Wulff ebenso gehörten wie Loki Schmidt, Tagesschau-Sprecherin Dagmar Berghoff, Stefanie Hertel und Stefan Mross.

Und natürlich Michail Gorbatschow. Er legte 1996 den Grundstein für den Glockenpalast. Wrobels Blick schweift hinüber zu dem Kunsthandwerkerinstitut. Er widerspricht Darstellungen, dass er sich dorthin zurückgezogen habe, hängt noch immer dem Plan nach, dass dort Menschen aus ganz Europa ihrem Handwerk nachgehen. Sogar eine Glockengießerei gehört dazu. Dass dieses Vorhaben nicht gelang, belastet Wrobel. „Sehr“, fügt er hinzu. „Das tut weh.“

Und die Zukunft des Mühlenmuseums? Wrobel hofft noch immer, dass es von einer Stiftung übernommen wird. Auch dieser Plan ist bereits einmal gescheitert. Fest steht für den 85-Jährigen nur: „Ich kann nichts mitnehmen.“

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