Waffenhändler verklagt Stadt Gifhorn

Gifhorn.  Thorsten Klatt sieht seine Geschäftseröffnung behindert. Sind die Sicherheitsauflagen des Rathauses überzogen?

Westernfan Thorsten Klatt will in Gifhorn ein Fachgeschäft für Waffen eröffnen.

Westernfan Thorsten Klatt will in Gifhorn ein Fachgeschäft für Waffen eröffnen.

Foto: Christian Franz

In Gifhorn entsteht ein neues Waffengeschäft. Wo in der Celler Straße bis Frühjahr noch Sylvis Copyshop ansässig war, kündigt jetzt Thorsten Klatt die Eröffnung von „Waffen Gifhorn“ für November an. Das Schaufenster zeigt eine prägnante Langwaffe mit Zielfernrohr sowie eine Pistole. Zum Sortiment zählen laut Eigenwerbung Munition, Selbstschutz Outdoorkleidung und Zubehör für die Zielgruppen „Sport, Jagd und Schutz“.

Der Winkler Klatt, gelernter Kälte- und Klimaanlagenbauer, will mit dem Fachgeschäft sein Hobby zum Beruf machen. Seit 1999 ist der Familienvater Sportschütze. Und er ist Westernfan. „Das sieht man ja“, schmunzelt er unter seinem Cowboyhut. Das Ladengeschäft mit rustikalem Holzbohlen-Charme ist aber echter Broterwerb für ihn. „Ich habe extra meine bisherige Stelle im Peiner Stahlwerk gekündigt.“ Klatt hat eine umfangreiche Fachkundeprüfung abgelegt und den Markt sondiert. Nicht einmal der Onlinehandel kann ihm viel anhaben: Einerseits sind die Produkte beratungsintensiv, andererseits strikt reguliert: „Sie verschicken nicht einfach mal eine Packung Munition per Post.“

Die Kunden fragen wann es endlich losgeht

Der Erfolg gibt Klatt recht: Dass er das Geschäft eröffnet, hat sich längst herumgesprochen. „Das Telefon steht nicht mehr still.“

Doch die delikate Gesetzeslage fällt Klatt auf die Füße. Die Stadt tut sich schwer mit der Genehmigung. Am Donnerstag treffen wir Klatt mit einem öffentlich bestellten Sachverständigen für Aufbewahrung und Transport von Schusswaffen und Munition. Mit André Busche bespricht Klatt das ausgeklügelte Sicherheitskonzept mit verankerten Tresoren, Kameras und Alarmanlage. Minderjährige werden den Laden ohne Eltern nicht betreten dürfen. Gebrauchtwaffen würde Klatt eher bei den Besitzern zu Hause begutachten, als dass womöglich Leute ohne Waffenschein mit der heiklen Ware im Geschäft vorsprechen.

Die Wirtschaftsförderung half dem Gründer nicht

Allein es hilft nichts: Seit Monaten steht die Gewerbegenehmigung aus. Ursprünglich wollte Klatt im August öffnen: „Seitdem verbrenne ich monatlich viel Geld.“ Er kritisiert Unwissenheit der Verwaltung und überzogene Auflagen. Es gab schon Unstimmigkeiten, ob der Laden im Mischgebiet Celler Straße zulässig ist oder in ein Gewerbegebiet muss. Die Wirtschaftsförderung Wista habe drei Monate gar nichts getan und nicht einmal den steinigen Behördenweg begleitet. Jetzt soll plötzlich die Fensterfront aus Sicherheitsglas bestehen. Doch Auskünfte zu der erwarteten Widerstandsfähigkeit des Glases erfragt Klatt nach seiner Darstellung im Rathaus vergeblich. Inzwischen hat er die Stadtverwaltung vor dem Verwaltungsgericht Braunschweig verklagt.

Die Stadt pocht auf den Schutz der Bevölkerung

Stadt-Sprecherin Annette Siemer teilt dazu mit: „Es versteht sich von selbst, dass der Stadtverwaltung, aber auch der Öffentlichkeit sehr daran gelegen ist, dass in Zusammenhang mit der Eröffnung eines Waffenhandels in unserer Stadt alle notwendigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Dies dient dem Schutz der Bevölkerung. Die von der Stadt geforderten Sicherheitsvorkehrungen ergeben sich aus Paragraf 36.6. des Waffengesetzes. Dass die Auflagen, die die Stadt einfordert, über das vom Gesetz geforderte Maß hinausgehen, mag der subjektive Eindruck von Herrn Klatt sein. Die Stadt als die vom Gesetzgeber benannte Genehmigungsbehörde hält sie für absolut gerechtfertigt. Da Herr Klatt klagt, wird das Gericht klären, ob die geforderten Sicherheitsauflagen angemessen sind oder nicht. Einen Vororttermin mit Herrn Klatt wird es noch im Oktober geben.“

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