Bertrandt Tappenbeck ringt um 200 Top-Jobs

Tappenbeck.  Fast jede zehnte Stelle an dem Entwicklungs-Standort vor den Toren von VW steht wegen des Mobilitätswandels auf der Kippe.

Bei dem Entwicklungsdienstleister Bertrandt AG in Tappenbeck stehen 200 hochqualifizierte Jobs auf der Kippe.

Bei dem Entwicklungsdienstleister Bertrandt AG in Tappenbeck stehen 200 hochqualifizierte Jobs auf der Kippe.

Foto: Yvonne Buchwald (Archiv)

Jahrelang kannte der Tappenbecker Standort des Ehninger Entwicklungsdienstleisters Bertrandt AG nur eine Richtung: Wachstum. Von den weltweit rund 13.000 Mitarbeitern an 57 Standorten arbeiten allein rund 2500 in dem High-Tech-Zentrum im Landkreis Gifhorn vor den Toren von Volkswagen. Doch jetzt hat es die Porsche-Tochter mit Kunden vorwiegend aus der Auto- und Flugzeugindustrie kalt erwischt. Bis zu 200 hochqualifizierte Jobs stehen in Tappenbeck auf der Kippe , wie Bertrandt-Sprecher Patrick David am Donnerstag bestätigte.

David beschreibt das kriselnde Umfeld : „Die Automobilbranche befindet sich in einem großen Transformationsprozess. So werden Forschungs- und Entwicklungsbudgets der Automobilkonzerne zunehmend von klassischen Bereichen auf neue Technologien verlagert . Darüber hinaus ist der Veränderungs- und Kostendruck auf alle Marktteilnehmer sehr hoch. Die Corona-Krise hat diese Entwicklung verschärft.“ Bertrandt sehe sich „inzwischen in einzelnen Leistungsfeldern einer nachhaltigen Reduzierung von Projektumfängen gegenüber.“

Bertrandt sichert sozialverträgliche Lösungen zu

Daher müsse das Unternehmen „nach aktuellem Planungsstand davon ausgehen, dass wir die Anzahl der Stellen um rund 200 reduzieren“.

Zur Frage nach einem Sozialplan teilte David mit: „Wir werden zeitnah Gespräche mit unseren Betriebsräten führen. Grundsätzlich ist es uns wichtig, sozialverträgliche Lösungen zu finden. Zu diesen Lösungen gehört auch, dass Kollegen und Kolleginnen zeitweilig in anderen Bereichen eingesetzt werden oder auch dauerhaft neue Aufgaben im Unternehmen übernehmen.“

Der Konzern hat viel in Tappenbeck investiert – das soll auf Dauer die Auslastung sichern

Weil die Entwicklung so dynamisch verlaufe, schaue sich Bertrandt die Lage fortlaufend an, „um so wenig wie möglich Stellen tatsächlich abbauen zu müssen“. Ungeachtet der aktuellen Situation habe die Firma in den letzten Jahren viel in den Standort Tappenbeck investiert : „Damit stellen wir als Unternehmen im Rahmen des mehrjährigen Transformationsprozesses der Automobilindustrie die Weichen für die Zukunft, um auf Dauer eine bessere Auslastung zu erreichen und Arbeitsplätze zu sichern.“

Die Unternehmensbeauftragte Silvia Schied von der IG Metall Wolfsburg kündigte an, die Gewerkschaft ziele auf einen Beschäftigungssicherungs-Tarifvertrag : „Wir stehen an der Seite der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Bertrandt. Schließlich sind die Entwicklungsdienstleister eine wichtige Zukunftsbranche, die nicht unüberlegt geschwächt werden darf.“

Die IG Metall verzeichnet eine Beitrittswelle

Nach drei intensiven Betriebsversammlungen in der vergangenen Woche verzeichne die IG Metall eine „Welle von neuen Online-Beitritten“.

Der neue Wolfsburger IG-Metall-Chef Flavio Benites forderte Konzepte für eine nachhaltige Beschäftigungssicherung am Standort Tappenbeck: „Die Entwickler-Branche ist für die Zukunft der Mobilität wichtiger denn je.“

Was bedeutet die Krise für das Dorf Tappenbeck?

Tappenbecks Bürgermeister Ronald Mittelstädt erfuhr am Donnerstag durch unsere Zeitung von der Hiobsbotschaft und reagierte bedrückt : „Wir hatten in Teilbereichen auch Kurzarbeit.“ Er führte die Krise auf zwei Ursachen zurück: Auf die Folgen der Corona-Pandemie und auf die Umstellung von Verbrennermotoren auf Elektro- und Wasserstoffantriebe. Mittelstädt: „Das kann Jobs kosten.“ Das Dorf sei weniger betroffen. Die meisten Beschäftigten seien Pendler aus der Region .

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder