Golfclub Gifhorn will „raus aus Gefahrenzone“

Wilsche.  Der Vorstand um Uwe Ostmann feilt an der Vereinszukunft und muss zugleich Bausünden der Vergangenheit heilen.

Wo entlang? Über die Zukunft des Golfclubs Gifhorn gibt es vereinsintern unterschiedliche Auffassungen.

Wo entlang? Über die Zukunft des Golfclubs Gifhorn gibt es vereinsintern unterschiedliche Auffassungen.

Foto: Christian Franz

Die jüngste Ortsratssitzung in Wilsche ließ aufhorchen. Zwei jahrzehntealte Bebauungspläne will die Stadt auf Initiative des Vereins ändern, um auf dem Platz des Golfclubs Gifhorn laut Vorlage „ Rechtssicherheit auch für die bisher als Ausnahme genehmigten oder geduldeten Anlagen zu schaffen “. Zugleich sprachen sich in der Einwohnerfragestunde Clubmitglieder und Golfspieler gegen die geplanten Vorhaben aus und zogen die Legitimität des Vorstands um Präsident Uwe Ostmann in Zweifel.

Ostmann selbst war nicht dabei. Er trifft sich am nächsten Samstag mit dem Ortsrat um Ortsbürgermeister Uwe Weimann zum Ortstermin auf dem Platz . Was sich im Verein abspielt, ist eine andere Geschichte. Eifersüchteleien, Gerüchte, Ambitionen und Animositäten – da muss eine Mitgliederversammlung bald nach der Corona-Sperre im Februar 2021 die Positionen klären.

Auftrag: Altlasten aufarbeiten, Zukunft sichern

Bis dahin sieht sich Präsident Ostmann – inzwischen gerichtlich bestätigt – in der Pflicht, die Zukunft des Golfclubs zu sichern. Es gibt zwei Herausforderungen : Bestehende Bauten und Flächen entsprechen nicht den geltenden Bebauungsplänen. Zugleich braucht der Verein Erweiterungsoptionen, um für neue Mitglieder attraktiv zu werden. Moderates Wachstum hält Uwe Ostmanns Vorstand für notwendig, um die steigende Kostenbasis des „Wirtschaftsunternehmens Golfclub“ gemeinsam zu schultern.

Es gibt also einiges aufzuarbeiten, sobald der Rat den Aufstellungsbeschlüssen der beiden Bebauungspläne grünes Licht gibt. Restaurant und Clubhaus sind Problemkinder . Stadtplanerin Maike Klesen hatte im Ortsrat dargestellt, sie seien baurechtlich nicht genehmigt. Eine Anfrage zur Vergewisserung beschied die Stadt dann zwar so: „Das Club- und Restaurantgebäude ist genehmigt.“ Doch Präsident Ostmann ist sich mit Fachleuten sicher: In den gültigen Bebauungsplänen sind die Baufenster nicht vermerkt .

Notfalls würde die Stadt Flächen des Golfplatzes sperren

Weitere Baustellen sind bestimmte Bahnen . Die im Ortsrat angesprochene Bahn 18 befindet sich nach Auskunft der Stadt nun doch im Geltungsbereich eines Bebauungsplanes und des genehmigten Golfplatzes. Dafür lägen die Bahnen 12 und 13 teilweise außerhalb. Aus Vereinssicht sind diese Bahnen unproblematisch. Über die 18 besteht Konsens. Darüber hinaus gibt es laut Uwe Ostmann eine nicht genehmigte Übungsfläche neben der 18, intern „Bahn 19“ genannt. Hier sollte eigentlich Magerrasen gedeihen – ein geschütztes Biotop. Präsident Ostmann als Verantwortlicher hat es persönlich von Bürgermeister Matthias Nerlich : „Ich scheue mich nicht, auch Flächen zu sperren .“ Ostmann hat verstanden: „Auch wenn es sich um Altlasten aus vergangener Zeit handelt, müssen wir aus der Gefahrenzone herauskommen .“

Als Zukunftsprojekt wünschen sich Mitglieder des Golfclubs einen Kurzlochplatz mit sechs Bahnen. Dazu wurde vereinsintern mit einer Mitgliedergruppe ein Kompromissvorschlag erarbeitet. Das Papier wird bei der Mitgliederversammlung vorgelegt und sieht vor, den Kurzlochplatz auf dem Gelände des Kesselbergs zu bauen. Ostmann zufolge war von vornherein klar, dass dafür die Bauleitplanung angepasst werden muss. Deswegen sollen die überarbeiteten Bebauungspläne genug Flächen einbeziehen, um drei Ziele zu ermöglichen: Legalisierung, Entwicklungsmöglichkeiten für den Verein und naturschutzrechtlichen Ausgleich durch Aufwertung.

Der Verein kann bei der Aufstellung der angepassten Bebauungspläne mitwirken

Präsident Ostmann zufolge kann der vom Verein für die Legalisierung der Bebauungspläne beauftragte Architekt nach einer positiven Entscheidung des Rats zu den Aufstellungsbeschlüssen mit der Arbeit beginnen. Innerhalb eines rechtssicher beschlossenen Bebauungsplans bliebe dem Verein je nach Entscheidung der Mitgliederversammlung später jede Möglichkeit offen.

Als Zwischenlösung für den Planungszeitraum war eine provisorische Übungsfläche auf einer 2,6 Hektar großen Landwirtschaftsfläche gedacht – die Idee wurde Ostmann zufolge aus dem Rathaus an den Verein herangetragen. Die clubinterne Opposition fühlte sich offenkundig übergangen, monierte eigenmächtiges Vorpreschen des Vorstands.

Eine provisorische Übungsfläche wird zum Streitfall

Präsident Ostmann betont, der Verein sei keinerlei langfristige Verpflichtungen eingegangen. Die Fläche sei für zwei Jahre günstig angemietet . Allerdings gibt es inzwischen selbst über den Status dieser ungeschützten Ackerfläche Unklarheiten, was Präsident Ostmann erkennbar stört. Die Fläche ist nicht gesperrt, der Golfclub verzichtet aber derzeit auf eine Nutzung , um die gesamte Situation zu beruhigen. Die Stadt teilte auf Anfrage mit: „Für die Hickory-Bahn gibt es keine baurechtliche Genehmigung seitens der Stadtverwaltung.“ Präsident Ostmann hat es allerdings von Stadtplanerin Klesen schriftlich: „Der Sprachgebrauch ist einstweilen, dass der Landwirt die geplante Übungsfläche im Rahmen der ordnungsgemäßen Landwirtschaft als Scherrasen herstellt. Dazu bedarf er keiner Genehmigung.“ Scherrasen ist eine gemähte Wiese und sieht fast aus wie ein Golfplatz. „Und dort wurden nur sechs Löcher gebohrt“, ergänzt Ostmann.

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