Mehr Menschen am Tankumsee als in der Innenstadt

Gifhorn.  Der vierte Advent in Gifhorn: Ein etwas anderes und besonderes Wochenende mit fast leerer Innenstadt und vielen Spaziergängern.

Leere am vierten Adventssamstag in der Gifhorner Innenstadt. Selbst der Wochenmarkt verzeichnete deutlich weniger Kunden.

Leere am vierten Adventssamstag in der Gifhorner Innenstadt. Selbst der Wochenmarkt verzeichnete deutlich weniger Kunden.

Foto: Dirk Kühn

Samstagmittag gegen 12 Uhr. Am Ceka-Brunnen ist Gifhorns Fußgängerzone wie leergefegt. Nur vereinzelt kommen Menschen mit einem Korb voller Gemüse und Obst vom Wochenmarkt. Ceka geschlossen, Gallip, Fasske, Becker, alles geschlossen. Die Wintersonne scheint, die Stimmung ist trüb – so ganz anders als sonst am vierten Adventssamstag. Wo Tausende in der Innenstadt sind, um Geschenke zu kaufen, eine Bratwurst zu essen, mit Freunden einen Glühwein zu trinken, sich gemeinsam auf das bevorstehende Weihnachtsfest zu freuen…

Auch deutlicher weniger Kunden auf dem Gifhorner Wochenmarkt

Sigrid Wiertz beobachtet die Szenerie aus ihrem Ausgabefenster. „Es ist eine Katastrophe“, sagt sie. Auch der Wochenmarkt leidet unter dem Kundenrückgang. Sie schätzt, dass es an diesem Samstag maximal 30 Prozent der sonst üblichen Einkäufer auf dem Wochenmarkt sind. Rolf Kolster, der mit seinem Obst- und Gemüsestand vor der Nicolaikirche steht, blickt nach vorn: Das holen wir Mittwoch wieder auf.“ Imker Volker Schlordt aus Isenbüttel betont: „Die Optik spricht gegen die Fakten.“ Seine Stammkundschaft komme, um Honig zu kaufen, zeigt er sich zufrieden.

Währenddessen verteilt Postmitarbeiterin Katrin Riske in Westerbeck Pakete. Hunderte Pakete. Für sie bedeutet der Shut-down harte Arbeit, stundenlang Pakete schleppen. Ihr schönster Lohn: „Die Menschen freuen sich, wenn ich komme, und sind trotz allem freundlich.“ Aus ganz anderem Grund freut sich am Samstagvormittag der Stüder Florian Härtel. Er hat in Neuhaus auf der Weihnachtsbaum-Plantage von Marcus Lippel den passenden Baum gefunden.

Die letzte Station am Samstag führt an den Tankumsee. Dort sind eindeutig mehr Menschen unterwegs als in der Innenstadt. Sie spazieren oder radeln um den See, legen einen Stopp bei heißer Schokolade oder alkoholfreiem Punsch am Seehotel ein.

Und der Adventssonntag? Kein gemeinsamer Gesang, keine Adventskonzerte. Chorleiter Patriz Brünsch, Leiter der Chöre in Grassel, Dannenbüttel und Osloß hätte an diesem Sonntag nicht nur einmal auf der Bühne gestanden. Dafür habe er nun Zeit, an einer Lichtinstallation an der Christuskirche am Schwarzen Berg zu arbeiten. „Ein Licht in dieser finsteren Zeit, das soll Hoffnung geben und Mut machen.“

Für Gifhorns Bürgermeister hieß es am Sonntag: Keine Weihnachtsfeiern, keine Treffen in großen Runden, keine Ansprachen und Grußworte. „Zeit für Ruhe und Besinnlichkeit, von der wir und auch ich sonst gern sprechen“, so Matthias Nerlich. Den geplanten Tankumsee-Spaziergang habe er wegen des Wetters am Sonntag gestrichen, aber den Weihnachtsumzug der Trecker in Kästorf wollte er sich nicht entgehen lassen. „Eine tolle Aktion in dieser ungewöhnlichen Adventszeit.“

Und er hatte Zeit für die Weihnachtspost: „Handgeschriebene Worte sind für mich noch immer eine wichtige Geste, der wirkliche Ausdruck, dass man an jemanden denkt“, betont der Bürgermeister. Da komme die Ruhe dieses vierten Advents sehr gelegen. Eine Ruhe, die auch nachdenklich mache: Hat es nicht auch sein Gutes, wenn alles etwas runterfährt? Wenn wir uns auf das Wesentliche beschränken, die wesentlichen und wichtigen Menschen, die wesentlichen Geschenke“, gibt der Bürgermeister zu bedenken.

Superintendentin besorgt über wachsende Inzidenz im Landkreis

Superintendentin Sylvia Pfannschmidt hatte sich vorgenommen, beim Spaziergang um den Schlosssee über das nachzudenken, „was ich Heiligabend predigen werden. Eine besinnliche An-Gespanntheit. Die wachsende Inzidenz im Landkreis Gifhorn macht mir Sorge.“

Nachdenklich ist auch Martin Wrasmann, langjähriger Pastoralreferent: „Ich erwarte und hoffe in adventlicher Zuversicht, dass Vernunft über die Welt regnet, eine Vernunft, die es braucht im Umgang mit der Pandemie, aber auch im Umgang mit Weihnachten. Diese Vernunft sagt, dass die Heilige Nacht durchaus eine stille sein darf und dass als Geschenk die Feier der Geburt Jesu völlig ausreichend ist. Vielleicht führt uns ja das Jahr 2020 im Blick auf das Weihnachtsfest zurück zu den Wurzeln.“

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