Kreis Gifhorn impft ab erster Januar-Woche

Gifhorn.  Erster Kreisrat Thomas Walter: Alle Vorbereitungen sind diese Woche abgeschlossen. Der Landkreis fühlt sich in seiner Teststrategie bestätigt.

Los geht es auch im Landkreis Gifhorn mit der Corona-Impfung in den Alten- und Seniorenheimen los.

Los geht es auch im Landkreis Gifhorn mit der Corona-Impfung in den Alten- und Seniorenheimen los.

Foto: dpa

Erschreckend hohe Corona-Zahlen – und der Landkreis wartet weiter auf den Impfbeginn? Erster Kreisrat Thomas Walter hat auf Anfrage die Impfstrategie der Behörde ebenso wie das Vorgehen bei der Infektionskontrolle erläutert. Fest steht: Geimpft wird von der ersten Januar-Woche an. Den Beginn machen die Alten und Pflegeheime. Der konkrete Termin werde noch mit dem Land Niedersachsen abgestimmt, so Walter.

Schneller lasse sich eine Impfkampagne nicht umsetzen, wenn sie sicher sein solle und ordnungsgemäß dokumentiert. Walter lässt bei seiner Schilderung auch vernehmbare Kritik an den Beiträge des Landes anklingen: „Der Landkreis Gifhorn ist am 23.Dezember mittags vom Land Niedersachsen informiert worden, dass ab 28. Dezember bis 10 Uhr Impfstoff geordert werden kann. Dieser würde aber erst am 30. Dezember geliefert. Die für die Impfungen notwendige Informationstechnik wurde seitens des Landes bedauerlicherweise erst am 23. Dezember abends angeliefert.“ Weil der Impfprozess vollständig digitalisiert ist, verzögere das die Vorbereitungen, da zunächst eine Einweisung des Personals in die EDV sowie administrative Vorarbeiten erfolgen müssten, so Walter.

Los geht es in den Alten- und Pflegeheimen

Die Reihenfolge, wer vorrangig geimpft wird, ist zumindest bestätigt. Walter: „Der Landkreis Gifhorn hat ebenfalls erst am 23. Dezember die finale Bestätigung seitens des Landes erhalten, dass zunächst in den Alten- und Pflegeheimen geimpft wird und beispielsweise. nicht in den Krankenhäusern.“ Da war der Startschuss für die Anmeldungen. Walter: Noch am 23. Dezember hat die Kreisverwaltung einen Teil der Alten- und Pflegeheime aufgefordert, die notwendigen Daten der Bewohner und Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen. Nach heutigem Stand sollen die Vorbereitungen in dieser Woche abgeschlossen sein, sodass ein Impfstart in der ersten Januarwoche Woche erfolgen kann.

Der Erste Kreisrat äußert sich auch noch einmal zu der im Landesvergleich hohen Zahl an Neuinfektionen und nutzt ein nachvollziehbares Bild: „Wer viel fischt, fängt viel.“

Intensive Teststrategie in Gifhorn Ursache für hohe Infektionszahlen

Die Kontaktpersonenermittlung des Gesundheitsamtes lasse den Schluss zu, dass dem lokalen Infektionsgeschehen keine „Hotspots“ zu Grunde liegen. Es verteile sich über die gesamte Fläche des Landkreises Gifhorn. Die größte Infektionsquelle liege weiterhin – ausgerechnet – im privaten Rahmen. Außerdem verbreite sich das Coronavirus über alle Altersgruppen hinweg. Durch die Vielzahl an Infektionen im privaten Rahmen werde das Coronavirus auch immer wieder in Einrichtungen wie Alten- und Pflegeheimen, Schulen oder Kindergärten getragen. Walters Schlussfolgerung lautet daher: „Entscheidend ist, dass die privaten Kontakte deutlich reduziert werden.“

Die vergleichsweise hohe Zahl an Neuinfektionen im Landkreis Gifhorn habe noch eine weitere entscheidende Ursache. Dies sei die bewusst intensive Teststrategie. Walter erklärt: „Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat im Herbst mit Blick auf das bundesweit zunehmende Infektionsgeschehen seine Empfehlungen zur Teststrategie insofern angepasst, dass Kontaktpersonen der Kategorie 1, also Personen, die nachweislich Kontakt zu einer infizierten Person hatten, nicht mehr getestet werden müssen. Dieser Strategiewechsel hatte keine epidemiologischen Gründe, sondern das Ziel, die personelle Handlungsfähigkeit der Gesundheitsämter aufrechtzuerhalten und eine Überlastung der Kapazitäten der Testlabore zu verhindern.

Testung vieler Personen hat die Folge, dass Infektionsketten durchbrochen werden

Anders als die meisten anderen Kommunen ist der Landkreis Gifhorn über diese Empfehlung hinausgegangen und testet weiterhin alle K1-Personen. Um dieses Vorgehen zu gewährleisten, hat die Behörde Vorkehrungen getroffen und die Anzahl der Mitarbeiter im Gesundheitsamt kräftig aufgestockt. Die Philosophie, möglichst viele Personen zu testen, hat den Vorteil, dass hierdurch mehr Infektionsketten unterbrochen werden können. Gleichzeitig steigen aber auch die Fallzahlen im Vergleich zu anderen Kommunen.“

Walter beschreibt ein Beispiel: „Wenn anderswo ein Infizierter in die Statistik eingeht und beispielsweise zehn Personen als K1 ungetestet in Quarantäne gehen, bleiben sie in der Statistik unberücksichtigt. Bei uns werden zusätzlich zu dem Infizierten alle zehn K1-Person getestet und – sofern positiv – in der Statistik mitgezählt.“

Hohe Infektionszahlen bestärken den Landkreis in seiner Strategie

Die vergleichsweise hohen Zahlen, die sich aus dieser Teststrategie ergeben, bestärken den Landkreis Gifhorn in der Überzeugung, dass er auf dem richtigen Weg ist. Walter ist überzeugt: „Eine effektive Kontaktnachverfolgung und eine rasche Unterbrechung möglichst vieler Infektionsketten sind die Mittel der Wahl, um weitere Infektionen zu vermeiden. Nur so lässt sich das Infektionsgeschehen vor Abschluss der Impfungen unter Kontrolle halten.“

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