Kreis Gifhorn ist Niedersachsens Corona-Hot-Spot Nummer 1

Gifhorn  Die Sieben-Tage-Inzidenz springt auf 258,3 – und ist so hoch wie nie zuvor. Der Grund sind viele Infizierte in Alten- und Pflegeheimen.

Mit einer Inzidenz von 258,3ist der Landkreis Gifhorn auch am 10. Januar 2021 der am schlimmsten betreoffene Landkreis in Niedersachsen.

Mit einer Inzidenz von 258,3ist der Landkreis Gifhorn auch am 10. Januar 2021 der am schlimmsten betreoffene Landkreis in Niedersachsen.

Der Landkreis Gifhorn steht kurz vor der Einführung von Ausgangsbeschränkungen. Am Sonntag sprang die Sieben-Tage-Inzidenz auf 258,3, nachdem sie bereits am Vortag bei 226 gelegen hatte. Keine andere Kommune im Land weist derzeit so viele Corona-Fälle im Verhältnis zu den Einwohnerzahlen auf wie der Landkreis Gifhorn. 456 Menschen sind kreisweit in den vergangenen sieben Tagen positiv getestet worden. Die Gesamtzahl an Infizierten beträgt 2.691 (+ 81).

Damit ist Gifhorn landesweit die einzige Kommune über dem Grenzwert von 200, ab der Landkreise und kreisfreie Städte nach der neuen Corona-Verordnung über eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit auf einen 15-Kilometer-Radius entscheiden können. Der Kreis will am Montag auf einer Pressekonferenz mit Polizei und Stadt über das weitere Vorgehen informieren.

Gifhorn bei Inzidenz trauriger Spitzenreiter in Niedersachsen

Gifhorn ist in Niedersachsen trauriger Spitzenreiter, gefolgt vom Landkreis Cloppenburg mit einer Inzidenz von 191,8 und Wittmund mit 188. In Braunschweig lag die Inzidenz am Sonntag bei 95,4, in der Stadt Wolfsburg bei 88,4. Deutlich gestiegen ist der Wert im Landkreis Helmstedt: von 146,8 auf 176,3. Im Kreis Peine betrug die Inzidenz am Sonntag 155, in der Stadt Salzgitter lag sie bei 118,9, im Landkreis Wolfenbüttel bei 47,7, im Kreis Goslar bei 76,3, in Göttingen bei 76,7.

Auch die Zahl der Corona-Toten im Landkreis Gifhorn stieg weiter. Am Wochenende gab es ein weiteres Todesopfer im Zusammenhang mit Covid 19. Bisher starben 44 Menschen. Anfang Dezember waren es noch 8 gestorbene Menschen. Binnen fünf Wochen hat sich die Zahl mehr als verfünffacht.

Ein Sprecher des Landkreises hatte die Entwicklung der Inzidenz bereits am Freitag prognostiziert. Grund für die hohen Infektionszahlen sei unter anderem die überdurchschnittlich hohe Anzahl an Tests, die das Gesundheitsamt Gifhorn vornimmt. Täglich werden bis zu 300 Tests an die Labore gegeben. Allein in der ersten Januarwoche testete das Gifhorner Gesundheitsamt 227 Privatpersonen und 868 Bewohner und Mitarbeiter in Alten- und Pflegeheimen.

Hauptinfektionsgeschehen in den Alten- und Pflegeheimen im Landkreis Gifhorn

Das Hauptinfektionsgeschehen liegt derzeit jedoch in den Alten- und Pflegeheimen im Landkreis Gifhorn. Mehr als die Hälfte aller Neuinfektionen trete in diesen Einrichtungen auf. Alleine am Donnerstag seien mehr als 100 Fälle aus Seniorenheimen hinzugekommen. „Aus den Erkenntnissen des Gesundheitsamtes wissen wir leider auch, dass sowohl durch vermeidbare Nachlässigkeiten einzelner Mitarbeiter als auch durch Besucher, die sich nicht an die gebotenen Regeln gehalten haben, das Coronavirus in die Einrichtungen getragen wurde“, stellte Landrat Andreas Ebel klar.

Der Landrat kündigte hinsichtlich der Einhaltung von Hygienekonzepten weitere Kontrollen in Alten- und Pflegeheimen an. Die Kreisverwaltung werde Verstöße, auch gegen die geltenden Beschränkungen, konsequent ahnden. Dies könne von Ordnungswidrigkeiten bis hin zu Strafanzeigen reichen.

„Bei allem Verständnis für den Wunsch von Bewohnern sowie deren Angehörigen nach sozialem Kontakt, wenn durch die Nichteinhaltung bekannter Hygienevorschriften Menschen zu Schaden kommen, werden wir als Landkreis alle notwendigen Maßnahmen ergreifen. Im schlimmsten Fall gehört dazu auch die Einleitung strafrechtlicher Ermittlungen“, so Ebel.

Corona-Beschränkungen gelten ab Sonntag

Der Landrat wies zudem auf die ab Sonntag, 10. Januar geltenden Beschränkungen hin. Danach darf sich ein Haushalt mit maximal einer anderen Person aus einem anderen Haushalt treffen. Daneben sei es als Einzelperson möglich, die Personen eines weiteren Haushaltes zu treffen. „Diese Regel ist unbedingt einzuhalten. Im Grunde lautet die Vorgabe, spätestens jetzt zu Hause zu bleiben und sich auf seinen eigenen Hausstand zu beschränken“, so Ebel.

Mit der Kontaktbeschränkung geht ebenfalls einher, dass Schulen und Kitas vorerst bis Ende Januar 2021 geschlossen bleiben. Hierbei sieht die Landes-Verordnung keine Spielräume für kreisfreie Städte und Landkreise vor. Für die Schüler im Landkreis Gifhorn bedeute die Verordnung: Grundsätzlich soll der Unterricht im Homeschooling erfolgen. Eine Ausnahme gibt es für schriftliche Arbeiten. Außerdem können Ausnahmen für die 9. und 10. Jahrgänge sowie die Sekundarstufe 2 gemacht werden, sofern Abschlussprüfungen anstehen.

Für die Grundschul-Jahrgänge 1 bis 4 sowie für Förderschulen ist eine Rückkehr zum Präsenzunterricht am 18. Januar 2021 geplant. Dieser Unterricht findet dann allerdings in geteilten Lerngruppen mit maximal 16 Personen statt. Alle Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrerinnen und Lehrer müssen eine Mund-Nase-Bedeckung in besonders gekennzeichneten Bereichen außerhalb der Klassenräume tragen, wenn das Abstandsgebot nicht eingehalten werden kann. Gleiches gilt in Klassenräumen, sofern der Sitzplatz nicht eingenommen oder der Abstand nicht gewahrt ist.

Schüler werden beim Homeschooling unterstützt

Um das Homeschooling im Landkreis Gifhorn bestmöglich umzusetzen, nutzen die Landkreis-Schulen in der Regel die Plattformen I-Serv und die Bildungscloud, um mit den Schülern zu kommunizieren. Die aus dem Sofortausstattungsprogramm beschafften Endgeräte stehen zum Einsatz bzw. zur Ausleihe zur Verfügung.

Ähnlich verhält es sich mit Kindertageseinrichtungen und Kinderhorten. Diese Einrichtungen bleiben bis zum 31. Januar 2021 geschlossen. Trotzdem wird auch im Landkreis Gifhorn für eine Notbetreuung in Kleingruppen gesorgt. Dafür hat der Landkreis Gifhorn Handlungsempfehlungen vorbereitet, die auf der neuen Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen basieren und nach denen die Einrichtungsleitungen entscheiden können, welche Kinder einen Anspruch auf Notbetreuung haben. Die maximale Gruppengröße wird seitens des Landes vorgegeben. Demnach dürfen in Krippengruppen maximal acht Kinder betreut werden, in Kitas 13 Kinder, im Hort zehn Kinder pro Gruppe und in der Kindertagespflege fünf Kinder.

Die Handlungsempfehlungen und die Anträge auf Notbetreuung sind abrufbar auf: www.gifhorn.de/der-landkreis/presseportal/coronavirus-aktuelle-informationen/regelbetrieb-in-der-kinderbetreuung/

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