Moslems in Gifhorn

Ahmadiyya-Muslime zeigen in Gifhorn den liberalen Islam

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Shiraz Mahmood (von links), Jawad Ahmad und Numan Tahir.

Shiraz Mahmood (von links), Jawad Ahmad und Numan Tahir.

Foto: Reiner Silberstein

Gifhorn.  Die muslimische Gemeinde Ahmadiyya möchte darauf aufmerksam machen, dass es auch den liberalen Islam mit Heimatliebe und Loyalität zum Staat gibt.

Die meisten Haushalte im Kreis Gifhorn dürften bereits einen Flyer der muslimischen Gemeinde Ahmadiyya im Briefkasten haben. Die möchte damit und mit einem Infostand unter dem Motto „Wir sind alle Deutschland“ am Samstag in der Gifhorner Fußgängerzone darauf aufmerksam machen, dass es auch den liberalen Islam mit Heimatliebe und Loyalität zum hiesigen Staat gibt.

„Ich bin in Pakistan geboren, aber in Deutschland aufgewachsen“, sagt Jawad Ahmad, der Iman der Gemeinde mit Sitz in Hannover. Auch habe er seine theologische Ausbildung in Deutschland gemacht – die Ahmadiyya sei die einzige Gemeinde, die Imame in Deutschland ausbildet. Im Kreis Gifhorn habe sie zurzeit etwa 50 Mitglieder.

Islamische Reformgemeinde interpretiert die Lehren des Koran zeitgemäß

„Wir sind eine islamische Reformgemeinde, die die Lehren des Koran zeitgemäß interpretiert.“ Deswegen würden liberale Werte auch ganz oben stehen: zum Beispiel Trennung von Religion und Staat, Gleichberechtigung von Frauen und Männern, Toleranz gegenüber homosexuellen Menschen. Wegen dieser Grundsätze sei die einst in Pakistan verfolgte Gemeinde 1994 ausgewandert, hauptsächlich in englischsprachige Länder wie England (Hauptsitz), USA, Kanada und Australien, aber auch nach Deutschland.

Wie tolerant man als Muslim sein kann, zeige auch das Beispiel Kopftuch: „Der Koran sagt, man solle seine Reize verdecken, aber nicht, wie ein Kopftuch getragen werden soll“, so Ahmad. In seiner Gemeinde sehe man das sehr locker. „Das ist den Menschen selbst überlassen.“ Es sei auch völlig normal, dass die Frauen studieren und arbeiten. Genauso wenig hätten die Männer in den Familien alle Entscheidungen zu treffen.

Nächster Infostand ist am Samstag, 27. November

Nun wollen die Gemeindemitglieder zeigen, dass sie einen „deutschen Islam“ vertreten – „wir sind hier aufgewachsen und haben eine eigene Kultur“. Der nächste Infostand in der Fußgängerzone ist für Samstag, 27. November, geplant. „Wegen Corona können wir aber noch nicht weiter in die Zukunft planen“, sagt Pressesprecher Numan Tahir. Es könnten also durchaus noch weitere Infostände folgen. An denen können nicht nur alle Menschen Fragen stellen und mehr über die Lehren des Islam erfahren, sondern auch allerlei Infomaterialien bekommen. Mit anderen muslimischen Gemeinden stehe die Ahmadiyya-Gemeinde durchaus in Kontakt, aber nicht zu Salafisten, sagt der Imam Ahmad.

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