Gifhorns Moore sollen feucht bleiben und so das Klima schonen

Gifhorn.  Das Vernässungsprojekt von NLWKN und Landesforsten im Landkreis Gifhorn soll den CO2-Ausstoß senken.

Renaturierte Moorflächen wie hier im Großen Moor können nach der Wiedervernässung nicht nur zum Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten werden, sondern sie binden auch große Mengen an CO2.

Renaturierte Moorflächen wie hier im Großen Moor können nach der Wiedervernässung nicht nur zum Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten werden, sondern sie binden auch große Mengen an CO2.

Foto: Privat / Norbert Horny

Mit ein paar Baumaßnahmen kann im Landkreis Gifhorn die Emission von jährlich rund 5000 Tonnen klimaschädliches CO2 eingespart werden – und zwar könnte es durch eine Vernässung der Moore dauerhaft im Boden konserviert werden, sagen die Niedersächsischen Landesforsten (NLF) und der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Für deren gemeinsames Moorentwicklungsprojekt in den Naturschutzgebieten „Großes Moor“ und „Obere Lachte, Kainbach, Jafelbach“ ist jetzt der Startschuss gefallen. Die EU gibt 2,9 Millionen Euro als Fördergelder.

5000 Tonnen CO2 jährlich, das entspricht etwa der Menge, die freigesetzt würde, wenn 5000 Buchen – 80 Jahre alt und etwa 23 Meter hoch – verbrannt würden. Ein Mittelklasseauto müsste mehr als 700-mal um die Erde fahren, um die gleiche Menge in den Abgasen auszustoßen. Das ist also kein Pappenstiel.

Die Gesamtfläche der Wiedervernässung beträgt rund 630 Hektar

Und wie kann das Kohlenstoffdioxid weiter gebunden werden? „Durch eine teilweise bereits vor hundert Jahren im Zuge des Torfabbaus begonnene Entwässerung sacken und schrumpfen die Torfschichten“, sagt Justin Kirchhoff, Projektkoordinator beim NLWKN in Braunschweig. „Infolge dieser sogenannten Torfzehrung werden Nährstoffe und klimarelevante Gase wie zum Beispiel CO2 freigesetzt.“ Das oberste Ziel sei nun, das Wasser in der Fläche zu behalten, sprich: Die Moore dürften nicht weiter austrocknen. Unterstützt wird das Projekt zur Verbesserung des Wasserhaushalts vom Unterhaltungsverband Lachte und vom Landkreis Gifhorn. Die Gesamtfläche der geplanten Wiedervernässung beträgt rund 630 Hektar.

Aber es geht den Naturschützern nicht nur darum, den Ausstoß von klimaschädlichen Gasen zu reduzieren. Auch die biologische Vielfalt in den wertvollen Naturgebieten soll von dem ambitionierten Vorhaben profitieren: „Die aktuellen Dürrejahre zeigen uns gerade, wie wichtig es ist, das Wasser in der Landschaft zu halten. Dann entwickeln sich Moore und naturnahe Gewässerläufe mit ihren typischen Pflanzen- und Tierarten“, erklärt Christoph Rothfuchs, Förster für Waldökologie vom Forstamt Unterlüß.

Es geht um Verwallungen, Stauanlagen und Renaturierung

Insgesamt seien dazu zunächst 14 kleine Baumaßnahmen notwendig: Im Großen Moor geht es um mehrere Verwallungen und Stauanlagen, am Jafelbach bei Steinhorst darum, dass die von Menschen angelegten Wegen nicht weiterhin die Bewegung des Wassers behindern. „Das fließt durch die obere Bodenschicht“, so Kirchhoff. An bestimmten Stellen würde man dann die Durchströmbarkeit durch Steine und Rohre ermöglichen. Darüber hinaus soll der Bachoberlauf des Kucksmoorgrabens renaturiert werden, so dass er wieder mäandriert.

„Und jetzt geht es los“, sagt Carsten Lippe, der NLWKN-Pressesprecher. Die wasserbehördlichen Plangenehmigungen für das Große Moor seien in Arbeit, die für den Jafelbach und seiner Nebengewässer lägen schon vor. Ab August stehe das erste Personal zur Verfügung, so Kirchhoff. „Wir beginnen mit den Ausschreibungen, machen Pläne.“ Er hofft, dass die ersten Bautätigkeiten noch in diesem Jahr starten können. Das Projekt läuft ansonsten bis Ende des Jahres 2022.

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