Bürger finanzieren Nahwärme

Müden  Die Biogasanlage setzt auf Schwarmfinanzierung für ein erweitertes Netz. Die Anschlüsse in Müden sind begehrt.

Die große Biogasanlage an der Hahnenhorner Straße macht Müden durch das wachsende Nahwärmenetz zu einem Bioenergiedorf.

Die große Biogasanlage an der Hahnenhorner Straße macht Müden durch das wachsende Nahwärmenetz zu einem Bioenergiedorf.

Foto: Christian Franz

Das Müdener Nahwärmenetz, gespeist von der Biogasanlage am Hahnenhorner Weg, soll weiter wachsen. Geschäftsführer Henrik Schmale setzt für die nächsten 80 Hausanschlüsse auf einen hierzulande recht neuen Weg: „Die 1,36 Millionen Euro besorgen wir uns über Crowdfunding, also über eine Schwarmfinanzierung.“

320.000 Euro haben Privatanleger der Firma über die auf seriöse Umweltprojekte spezialisierte Plattform LeihDeinerUmweltGeld.de bereits zu fünf Prozent Zinsen geliehen. Der aktuell vergleichsweise hohe Zins zeigt als Risikoprämie an: Die Kredite gelten als Nachrangdarlehen ohne Besicherung. Schmale erklärt: „Bei uns stärken sie das Eigenkapital. Die Finanzierungsplattform prüft alles. Wir sind für unsere Anleger absolut transparent.“

Die Biogasanlage mit einer elektrischen Leistung von 4 Megawatt pro Stunde läuft seit 2011. Das Nahwärmenetz entsteht seit 2014. Außer 160 Häusern sind eine Großgärtnerei, Feuerwehr, Schule, Krippe, Kindergarten, der eigene Betrieb – und gratis das Müdener Lehrschwimmbecken angeschlossen.

Nach anfänglicher Skepsis seien die am inzwischen neun Kilometer langen Nahwärmenetz angeschlossenen Hausbesitzer „begeistert“, weiß Schmale. „Sie sehen, dass es funktioniert. Sie müssen sich um nichts mehr kümmern. Alte Öl- und Gasheizungen haben ausgedient. Wartung entfällt.“ Noch ein Phänomen haben die Lieferanten der Biowärme ausgemacht: „Die Leute heizen eher mehr.“ Denn die Kosten der Verträge seien langfristig stabil und berechenbar. Sechs dezentrale Gasmotore im Ort verkürzen die Wärmewege.

Doch so ein Nahwärmenetz ist teuer. „Denn die Leitungen gehen durch die Erde“, verweist Schmale auf die unumgänglichen Tiefbauarbeiten. Vier Millionen Euro haben er und seine Partner bereits allein in die Leitungen investiert. Diese Vorleistungen sind ganz klassisch über Banken teilfinanziert.

Und wie entstehen nun Strom und Wärme in der Biogasanlage mit 12 Mitarbeitern? Betrieben wird sie mit Mais, Mist und Grassilage. „In Zukunft vermehrt noch mit Stroh, denn wir wollen Reststoffe vom Acker verwerten. Einen Konflikt zwischen Tank und Teller gibt es nicht“, erklärt Henrik Schmale. Der Müdener Mais wird von 40 Landwirten aus der Region auf 1000 Hektar Fläche angebaut. Bei jedem einzelnen mache der Anteil 10 bis 15 Prozent seiner Ackerflächen aus, weiß Schmale.

Mit dem entstehenden Biogas betreiben die Müdener Gasmotore als Blockheizkraftwerke. Der Strom fließt ins Netz.

Als weiteres Produkt speist die Anlage Gas ins öffentliche Leitungsnetz ein. Dazu muss das Rohgas noch veredelt werden, so dass es Erdgasqualität erreicht.

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