Der Korn ist zurück im Kreis Gifhorn – dank eines Ex-Meiners

Meine.  Seit kurzem gibt es eine neue Firma in Meine, die einen eigenen Schnaps vertreibt: den „Memory-Korn“.

Der Ex-Meiner Friedrich Hoffmann bringt den Korn zurück in den Landkreis Gifhorn. 

Der Ex-Meiner Friedrich Hoffmann bringt den Korn zurück in den Landkreis Gifhorn. 

Foto: Privat / BZV

Vor 40 bis 70 Jahren gab es im Kreis Gifhorn keine Feier, keine Kneipenbesuche, bei denen nicht ein paar Kurze gereicht wurden: kleine Gläser mit Kornbrand, eine Spirituose aus Getreide. Völlig üblich in unserer ländlichen Region, heute aber fast vergessen. Das könnte sich wieder ändern. Denn seit kurzem gibt es eine neue Firma in Meine, die einen eigenen Schnaps vertreibt: den „Memory-Korn“. Dahinter steckt der Ex-Meiner Friedrich Hoffmann.

Der 36-Jährige ist auf einem Meiner Bauernhof groß geworden, zur Realschule gegangen und hat Bankkaufmann bei der Nord-LB in Hannover gelernt, sich auf Wertpapiere spezialisiert. Und wie wird man dann Kornbrenner? Für diese Geschichte müssen wir etwas ausholen. „Ich musste mich neu orientieren“, sagt Hoffmann. Denn die Bank hatte ihn nicht weiter beschäftigt. Und was macht man, wenn man arbeitslos ist? Man geht nach Australien. „Ich habe neun Monate eine Sprachschule besucht und nebenbei ein Praktikum in einer Brauerei in Perth gemacht.“

Hoffmann ging bei Jägermeister in die Lehre

Danach war für ihn klar: „Ich wollte etwas Handwerkliches machen.“ Zufällig stieß er 2006 zuhause auf eine Anzeige des Likörherstellers Jägermeister in Wolfenbüttel, machte eine Ausbildung zum Destillateur. „Cool, das war etwas ganz anderes! Ich dachte: Schnapsbrenner, das klingt gut.“

Was er nicht geahnt hatte: Das Lernen fiel ihm plötzlich leicht: „Ich habe die Bücher quasi gefressen.“ Hoffmann legte im Mai 2009 den technischen Fachwirt nach, 2011 in einem zehnwöchigen Kurs in Berlin den Meister. Jetzt ist er einer von nur 180 Destillateurmeistern in ganz Deutschland – „und die Hälfte davon sind Rentner“. Heute ist er Schatzmeister im Fachverband und bildet selbst als Dozent in Berlin aus. Seine Kontakte brachten ihm aber auch in der Karriere voran: Hoffmann übernahm vor acht Jahren die Herstellungsleitung bei Deutschlands zweitgrößtem Spirituosenhersteller, bei der Elztalbrennerei Georg Weis im Schwarzwald. „Das ist schon eine andere Hausnummer als Jägermeister.“ Denn dieses Unternehmen stelle mehr als 200 Produkte her, vom Likör über Gin, Whisky und Cognac bis zum Obstbrand – und neuerdings auch: Korn. Dank Hoffmann.

Der Meiner fing an mit Korn zu experimentieren

Auch das hat Geschichte: „Ich bin früher mit Fanta-Korn groß geworden“, blickt Hoffmann auf seine Jugend zurück. „Und im Schwarzwald stellte ich fest: Der Korn schmeckt hier besser. Fruchtig, mild, überraschend.“ Der Grund sei, dass der von Landwirten eingekaufte Rohbrand dort noch einmal die Profidestillation durchläuft – „er wird reiner, sauberer, sonst hat er einen brotigen Geschmack.“ Der Ex-Meiner war so begeistert, dass er anfing, mit dem Schnaps zu experimentieren. „Wie beim Whisky kann man ein Blending machen. Das ist bei Freunden gut angekommen.“ Auch bei einer Wahrenholzer Kneipe, die Interesse zeigte.

Seine Chefs im Schwarzwald allerdings weniger – „Korn läuft im Süden nicht so gut“ – aber sie ermunterten Hoffmann, einen eigenen Vertrieb damit zu starten. So kam es zur Firmengründung in der alten Heimat. Sein Unternehmen lässt den Korn quasi unter persönlicher Aufsicht bei der Elztalbrennerei herstellen und vertreibt die Flaschen im Norden – zunächst in den Edeka-Geschäften in Meine, Schwülper und Wahrenholz, aber auch im Braunschweiger Bravo-Park und in Sickte. Als nächstes soll der Memory-Korn als „Foodstarter“ in bis zu 1000 weiteren Edeka-Filialen angeboten werden. Die erste Gaststätte hat auch schon Flaschen geordert: Michels in Adenbüttel.

Der Name des Korns geht auf eine Meiner Disco zurück

Wie kam der Papenteicher eigentlich auf den Namen? „Zum einen ist das eine Erinnerung an meinen Opa, und schließlich hat meine Brennerei-Karriere ja im Englischen angefangen, in Australien. Letztlich gab es in Meine aber eine Disco, in der sich meine Eltern kennengelernt haben: im ‘Memory’“ – heute die „Hexe“.

Mittlerweile hat Hoffmann auch schon eine zweite Sorte kreiert: den „Memory-Waldmeister“. „Basis ist der Memory-Korn“, sagt der Destillateurmeister. Und dem werden dann handgepflückter Waldmeister und andere Kräuter „infused“, also im wahrsten Sinne des Wortes eingetrichtert. Seine nächste Idee sei ein Korn mit Dinkel-Geschmack. „Man muss mal etwas Neues wagen und ausprobieren“, sagt Hoffmann. Darin ist er ja schon geübt.

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