Glücksspielbehörde in Helmstedt: Was steckt dahinter?

Helmstedt.  Strukturschwache Regionen ringen um den Zuschlag für ein staatlichen Betrieb: eine Behörde für Glücksspiel. Auch Helmstedt sieht für sich Chancen.

Eine Behörde für Online-Poker? Noch lassen sich die zuständigen Ministerien in Land und Bund nicht in die Karten gucken, ob und wo eine Aufsichtsbehörde entsteht?

Eine Behörde für Online-Poker? Noch lassen sich die zuständigen Ministerien in Land und Bund nicht in die Karten gucken, ob und wo eine Aufsichtsbehörde entsteht?

Foto: Franz-Peter Tschauner / dpa

Es klingt wie eine Verheißung, die der Helmstedter Landrat Gerhard Radeck nicht vorbeizischen lassen will. Radeck hofft, den Zuschlag für den Standort einer neuen Bundesbehörde zu bekommen. Dabei ist die Einrichtung, deren Mitarbeiter die Einnahmen durch Glücksspiele regeln und beaufsichtigen sollen, weder von den Länderparlamenten, der Bundesregierung noch vom Bundestag beschlossen.

Gleichwohl beginnen schon die Revierkämpfe, und zwar bundesweit unter den Regionen, die vom Kohleausstieg (bis zum Jahr 2038) betroffen sein werden oder es schon sind. Zum Beispiel Helmstedt. Kompensationsmittel aus dem Strukturstärkungsgesetz, das in den nächsten Wochen beschlossen werden soll, können es richten, den Verlust an Industrie und Arbeitsplätzen und somit an Steuereinnahmen wettzumachen – wenn denn damit neue Jobs in neuen Unternehmen oder Geschäftszweigen generiert werden.

Ungeachtet der 90 Millionen Euro, die dem Helmstedter Revier vage in Aussicht gestellt werden, findet Radeck es gut, dass der Bund selbst aktiv den Strukturwandel anschiebt. „Das Ansiedeln einer Bundesbehörde ist mit die beste Investition in Infrastruktur, die der Bund tätigen kann“, meint der Helmstedter Landrat. Wegen des hohen Arbeitsaufkommens dieser Glücksspielbehörde rechnen Experten mit einer dreistelligen Zahl an Beamten und Angestellten.

Was hätten die Aufseher eigentlich zu tun? Sie überwachen ein Registrierungsverfahren für Konsumenten, die online ihr Glück versuchen, sprich pokern, wetten oder sonst irgendwie zocken. Es geht um Steuergelder im dreistelligen Millionenbereich und um den Spielerschutz.

Das Hannoveraner Politikjournal „Rundblick“ beschreibt die Hintergründe so: Grundlage des Verfahrens wird voraussichtlich die Sperrdatei Oasis (Onlineabfrage Spielerstatus), die in Hessen bereits genutzt wird. Spieler werden beim Glücksspielanbieter unter anderem Namen, Lichtbild sowie Geburtsdatum und -ort angeben müssen. Die Daten landen auch in der zentralen Datei. Hinzu kommt, dass Spieler den Plänen zufolge nicht mehr als 1000 Euro im Monat für Online-Spiele ausgeben sollen. Auch das muss vom Anbieter und in der Sperrdatei überwacht werden.

Das staatliche Glückspiel bleibt übrigens außen vor: Wer Lotto spielt, soll mit der Sperrdatei nichts zu tun haben und muss auch keine Spielverbote befürchten

Klar ist schon heute, dass das Oasis-System künftig mit gigantischen Datenmengen arbeiten muss. Der erste große Lackmustest dürfte bei der Fußballweltmeisterschaft 2022 anstehen, wenn landesweit Tausende Spieler zeitgleich auf Fußballspiele wetten werden. Dann muss das System sekundengenau erfassen, wer laut zentraler Sperrdatei auch zum Spiel berechtigt ist und ob dessen Limit von 1000 Euro das Spiel überhaupt zulässt.

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