Ein Gemeindesaal außer Rand und Band

Braunschweig  Kathy Kelly überzeugte ihre Zuhörer in Querum mit ihrer markanten und warmen Stimme.

. Kurz fühlte man sich am Samstag wie bei einem Gospelgottesdienst in Harlem. Dann wie bei einer rauschenden irischen Familienfeier, bei der immer schneller und lauter mitgeklatscht wird. Ein Gemeindesaal außer Rand und Band. Kathy Kelly bot 300 Zuhörern in der Evangelischen Freikirche Querum ein mitreißendes wie berührendes Programm.

Bei der Kelly Family stand die langjährige Produzentin und „Ersatzmutter“ kaum im Rampenlicht. Auch während ihrer Solokarriere ab 1999 macht sie sich eher rar: „Mein Sohn sollte nicht sagen, ich habe dich nie gesehen.“ Die ausgebildete Opernsängerin veröffentlichte vier Soloalben, trat in einer Oper auf und war unterwegs mit Gospels und einem Weihnachtsprogramm. Auf ihrer aktuellen Tour tritt die 49-Jährige nun mit wechselnden Chören auf.

In Braunschweig fiel ihre Wahl auf „Stimmtonic“. Der private Chor, jede Stimme ist vierfach besetzt, leitete beide Blöcke klangschön mit einer beachtlichen stilistischen Vielfalt ein – von Gospels über Jazzsongs bis hin zur südafrikanischen Nationalhymne. Kathy Kelly beginnt ihr Programm dann mit „David’s Song“, dem ersten Kelly-Hit. Und gleich realisiert man: Sie war damals nicht die Populärste, aber ihre Stimme war eine der markantesten, durchsetzungsstärksten. Das stolze, unabhängige Wildpferd unter den Gesangsstimmen sozusagen.

Bei den insgesamt 18 Songs ruft sie auch mal Text, dreht kraftvoll auf, singt einzelne Zeilen stürmisch – und gleich, ohne Mühe, wieder beruhigend, mit warmem Klang. Präzise artikuliert. Fast jeder Song wird zu ihrem eigenen. Eine unverwechselbare Art zu singen, die oft berührt.

Andreas Recktenwald begleitet an zwei Keyboards, sie spielt Akkordeon, Gitarre – und beim englischen Traditional „Down by the Salley Gardens“ so sehnsuchtsvoll E-Geige, dass man entrückt dasitzt.

Besonders schön: das behutsam gesungene „You sleep with Angels“. Gekonnt: die Arie „Vissi d‘ arte“ aus Puccinis Tosca. Bei vielen Traditionals aus Spanien und Irland springt das Publikum auf, klatscht kräftig mit.

Als Finale drei gemeinsame Gospels von Kathy Kelly und „Stimmtonic“. Nach ihrer Zugabe „Ave Maria“ möchte man dann erst mal nichts anderes hören. Der Gesang wirkt nach.

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