„Anne Will“: Was wir bei Corona von Asien lernen können

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Skandale und Gäste-Rankings: Diese fünf Dinge muss man über Polit-Talkshows wissen

Skandale und Gäste-Rankings- Diese fünf Dinge muss man über Polit-Talkshows wissen

Ob "Anne Will", "Hart aber Fair", “Maybrit Illner“ oder “Maischberger“: Polit-Talkshows prägen unsere politischen Debatten. Fünf Dinge, die man über dieseTalkshows wissen muss.

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Berlin.  Haben wir die richtige Corona-Strategie? Bei „Anne Will“ war Markus Söder in der Defensive. Und Christian Lindner forderte Öffnungen.

Anne Will stellte am Sonntagabend eine reichlich zeitlose Frage: „Wie sinnvoll ist Deutschlands Corona-Strategie noch?“, lautete das Thema. Das wurde in den vergangenen Monaten immer wieder debattiert, etwa im Zuge des Lockdown light .

Allerdings gibt es ja auch tatsächlich neuen Redebedarf. Schließlich hat besagter Lockdown light das Wachstum gebremst – aber nicht umgekehrt. Wie also weiter? Es diskutierten die Landeschefs Markus Söder und Michael Müller, die Physikerin Viola Priesemann und die Journalistin Vanessa Vu sowie FDP-Chef Christian Lindner.

Das waren die Gäste bei Anne Will

  • Markus Söder , (CSU)Parteivorsitzender und Ministerpräsident von Bayern
  • Michael Müller , (SPD)Regierender Bürgermeister von Berlin
  • Christian Lindner , (FDP)Parteivorsitzender und Fraktionsvorsitzender im Bundestag
  • Viola Priesemann , Forschungsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation
  • Vanessa Vu , Redakteurin bei ZEIT ONLINE

Corona: Was Asien besser macht

Eine interessante Perspektive brachte Vanessa Vu ein, die auf die Corona-Entwicklung in Ostasien verwies, wo Länder wie Taiwan, Japan oder Vietnam kaum neue Fälle melden. „Das Leben geht normal weiter“, stellte die Journalistin von Zeit Online fest. Ermöglicht werde das durch ein rigoroses Vorgehen der Politik. Die Maßnahmen würden klar kommuniziert und umgesetzt, die Bevölkerung mache mit. „Da wird nicht gemeckert: Ich brauche meine Böller und meine Fußballspiele.“

Diese Beschreibung verband Vu mit einer Kritik an der deutschen Politik. „Wir stolpern von einem Bund-Länder-Gipfel in den nächsten“, stellte sie fest. Statt einer langfristigen Strategie, mit der auch die Wirtschaft planen könne, gebe es ein Auf-Sicht-Fahren.

Bei Anne Will kritisiert Markus Söder seine Kritiker

Damit hatte Vu gute Punkte, tat der deutschen Politik aber auch ein bisschen Unrecht. Schließlich ist die Gemengelage hierzulande mit dem Föderalismus, ausgeprägten Freiheitsrechten und einer grundsätzlichen Skepsis gegen Maßnahmen wie echtem Tracking über eine Corona-App komplizierter. „Wir wollen auf der Grundlage eines breiten Konsenses entscheiden“, formulierte dazu Berliners Regierender Bürgermeister Müller defensiv.

Insbesondere bei der Frage der langfristigen Strategie sahen Müller und auch Söder als Vertreter der deutschen Corona-Politik aber tatsächlich hilflos aus. Denn wo genau der Lockdown light mittelfristig hinführen soll, ist nach wie vor nicht so recht klar.

Man werde nun in zwei Wochen gucken müssen, wo man stehe, beschrieb Söder genau jenes Vorgehen, das Vu trefflich kritisierte. Teilweise sei der Erfolg „schon da“. Ansonsten nutzte Söder den Verweis auf Asien zu einer Kritik an seinen Kritikern: „Wir streiten uns einfach zu viel“, sagte der bayerische Ministerpräsident. Während es in asiatischen Ländern Einigkeit gebe, müsse in Deutschland jede Maßnahme in zig Diskussionen begründet werden. Das kann man so sehen. Doch ist es nicht auch gutes demokratisches Grundwesen, das um weitreichende Entscheidungen gerungen wird?

Corona-Maßnahmen: Lindner will mehr Öffnung

Doch wie könnte eine längerfristige Strategie stattdessen aussehen? Wissenschaftlerin Viola Priesemann schlug vor, die Fallzahlen mit einem echten, mehrwöchigen Lockdown zu senken. Statt 20.000 täglichen Neuinfektionen müsse man zu 2.000 bis 5.000 gelangen. „Dort unten ist die Kontrolle viel, viel einfacher“, stellte die Physikerin vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation fest. Doch wie genau soll das gelingen? Da sei die Politik gefragt, zog sich Priesemann aus der Affäre.

Christian Lindner forderte dagegen eine ganz andere Strategie. Statt Lockdowns sollte mehr geöffnet werden – gleichzeitig müssten aber die Risikopatienten besser geschützt werden, etwa mit Schnelltests, Taxigutscheinen und speziellen Einkaufszeiten. Und überhaupt: „Warum kriegt nicht jeder Bürger eine FFP2-Maske?“

Das Fazit

Diese Ausgabe von „Anne Will“ zeigte, dass die Debatte um die deutsche Corona-Strategie drängender wird. Und dass es sich lohnen kann, über den Tellerrand hinauszuschauen.

Harter Lockdown, weicher Lockdown oder etwas ganz anderes? Am Ende skizzierte die Sendung die Argumente zu den Möglichkeiten. Im Moment spricht vieles dafür, dass es weitere Verschärfungen geben wird.

Sehen Sie die aktuelle Ausgabe vor „Anne Will“ in der ARD-Mediathek

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