"Markus Lanz": Söder erhebt Vorwürfe wegen Corona-Impfstoff

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Das ist Markus Lanz

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Berlin  Bei "Markus Lanz" drehte sich viel ums Impfen. Mehr als um Lösungen ging es aber um die bekannten Probleme. Eine verpasste Chance.

Bei den Corona-Impfungen kommt Deutschland nur langsam voran. Stattdessen hangelt sich das Land von einer Lockdown-Verlängerung zur nächsten. Und der von der EU bestellte dritte Impfstoff des Herstellers Astrazeneca kommt später. Was hätte man im Vorfeld besser machen können? An dieser Frage hielten sich die Diskussion bei "Markus Lanz" am Mittwochabend zu lange auf.

"Markus Lanz" – Das waren die Gäste:

  • Markus Söder (CSU), Bayerischer Ministerpräsident
  • Anna Clauß, Journalistin
  • Prof. Eva Hummers, Medizinerin
  • Gabriel Felbermayr, Ökonom
  • Michael Bewerunge, Journalist

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Zu Beginn der Sendung ließ Lanz per Videoschalte den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder zu den Problemen der europäischen Impfstoff-Bestellungen Stellung beziehen: Offenkundig habe man zu wenig und zu spät bestellt, gab Söder zu Protokoll. Daher sei man jetzt auch später dran. Man müsse nun versuchen, in kürzerer Zeit mehr Impfstoff zu beschaffen, notfalls auch mit anderen Kapazitäten. In dieser Hinsicht war sich die Runde einig.

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"Markus Lanz": Söder fordert mehr Impfstoff, so schnell wie möglich

Laut Gabriel Felbermayr, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft, sei sogar fast jede beliebige Summe gerechtfertigt, um an mehr Impfstoff zu bekommen. Der Lockdown koste die Wirtschaft allein „eine Milliarde Euro pro Tag“.

Einen konkreten Vorschlag, wie man mehr Impfdosen produzieren könne, lieferte die Medizinprofessorin Eva Hummers. Sie schlug vor, dafür die Kapazitäten von Firmen zu nutzen, die die Produktion eines eigenen Wirkstoffes eingestellt hätten. Denn gerade die beiden bereits vorhandenen Impfstoffe von Biontech und Moderna seien nur sehr schwierig herzustellen. Lesen Sie hier: Corona-Impfung: Hält Angela Merkels ihr Versprechen?

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Astrazeneca: Wie gut wirkt der Impfstoff bei Älteren?

Hummers, die auch Mitglied der Ständigen Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut ist, blieb es auch überlassen, auf ein weiteres Problem des dritten Impfstoffes Astrazeneca hinzuweisen. Sie gehe davon aus, dass die Impfkommission diesen Deutschland zur Zulassung empfehlen werde. Allerdings „nicht für Menschen über 65 Jahren“.

Denn ab diesem Alter sei unklar, wie gut der Impfstoff noch wirke. An dieser Stelle hätte man gerne gewusst, ob die Bundesregierung eine Änderung ihrer Impfstrategie plant. Aber da war Markus Söder wegen wichtiger Termine schon aus der Videoschalte verschwunden. Lesen Sie hier: Astrazeneca-Impfstoff: Geringere Wirksamkeit bei Älteren?

Markus Lanz delegierte kritische Fragen an die Gäste

Ohnehin schien Markus Lanz an diesem Abend kritische Nachfragen weitestgehend seiner Kollegin Anna Clauß zu überlassen. Der "Spiegel"-Journalistin, die eine nicht-autorisierte Biographie über Markus Söder geschrieben hat, oblag die Aufgabe, den bayerischen Ministerpräsidenten hier und da zu unterbrechen, wenn dieser sein eigenes Bundesland zu sehr lobte.

Interessante Einblicke in die israelische Impfkampagne lieferte dagegen der Leiter des ZDF-Studios Tel Aviv, Michael Bewerunge. Das Land habe sich frühzeitig um Impfverträge mit den Herstellern bemüht und dank mehr Geld bessere Konditionen verhandelt.

Auch ein Grund für die gute Kooperation mit dem Impfunternehmen: Das Land ermögliche als „Modellstaat“ dem Hersteller Biontech, die Gesundheitsdaten der Geimpften auszuwerten. Trotz der hohen Impf-Rate seien die Infektionszahlen allerdings noch immer hoch. Doch Israel könne das erste Land sein, dass mit Lockerung des Lockdowns seine Wirtschaft wieder in Gang bringen könnte.

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Fazit

Insgesamt hielt sich die Sendung zulange mit dem Rückblick auf, als mit dem Ausblick, wie die aktuellen Probleme am besten zu lösen sind. Wenn es kritisch wurde, konnte Regierungsvertreter Söder erfolgreich auf die Zuständigkeit der EU verweisen.

Was die Frage aufwarf, warum unter den Gästen kein Vertreter der EU eingeladen war, der vielleicht besser das europäische Bestellungsdebakel hätte erklären können. „Ein bisschen stochern wir alle im Nebel“, fasste der bayerische Ministerpräsident die Sendung unbeabsichtigt gut zusammen.

„Markus Lanz" – So liefen die vergangenen Sendungen

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