Kliniken in der Region erwarten keine Engpässe wegen Corona

Braunschweig.  Die Krankenhäuser haben aus der ersten Corona-Welle gelernt. Ein Überblick zeigt, wie sie im Ernstfall schnell Reserven aktivieren können.

Eine Krankenpflegerin arbeitet in Schutzkleidung in einem Krankenzimmer auf der Intensivstation des Uniklinikums in Essen. Auf eine mögliche zweite Infektionswelle sind die Krankenhäuser eigenen Angaben zufolge gut vorbereitet.

Eine Krankenpflegerin arbeitet in Schutzkleidung in einem Krankenzimmer auf der Intensivstation des Uniklinikums in Essen. Auf eine mögliche zweite Infektionswelle sind die Krankenhäuser eigenen Angaben zufolge gut vorbereitet.

Foto: Marcel Kusch / dpa

Die Zahl der Corona-Infektionen steigt wieder. Was kommt auf die Krankenhäuser zu? Mit Beginn der Pandemie haben die Kliniken aufgerüstet, zusätzliche Intensiv- und Beatmungsplätze geschaffen, mitunter ganze Stationen für die Aufnahme von Covid-19-Patienten freigeräumt. Viele Kommunen wie in Braunschweig oder Wolfsburg richteten sogar Behelfskrankenhäuser ein, um für den Notfall gerüstet zu sein. Doch in der Folge wurden viel weniger Patienten stationär behandelt als befürchtet, viele Betten blieben leer, die Behelfskliniken wurden wieder zurückgebaut.

Inzwischen sehen sich die Krankenhäuser deutlich besser für einen Anstieg von Covid-19-Patienten gerüstet. Obwohl die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland wieder steigt, halten die Kliniken weit weniger Betten für Corona-Patienten frei als in den ersten Monaten der Corona-Pandemie. Niedersachsen erlaubte den Häusern bereits im Juli, ihre Reserven auf den Intensivstationen zu verringern: Bis dahin sah die Corona-Verordnung des Landes vor, dass alle Kliniken 20 Prozent der Bettenkapazität auf den Normalstationen und 25 Prozent auf den Intensivstationen für Coronapatienten frei halten müssen. Dann wurde die Bettenreserven auf vier Prozent der Kapazität auf Normalstationen sowie zehn Prozent auf Intensivstationen mit Beatmungsplätzen reduziert. Seit Ende September sind es sogar nur zwei beziehungsweise fünf Prozent.

Die Krankenhäuser müssen Betten für Covid-19-Patienten frei halten

Insgesamt halten die niedersächsischen Krankenhäuser dem Gesundheitsministerium in Hannover zufolge nun 446 Betten auf Normalstation und 138 Betten auf Intensivstation mit maschineller Beatmungsmöglichkeit für Covid-19-Patienten vor.

Ein Überblick: Am Städtischen Klinikum in Braunschweig als Maximalversorger in der Region müssen nach der neuen Verordnung 15 Betten auf der Normalstation und vier Intensivbetten frei gehalten werden; am Wolfsburger Klinikum sind es sieben Normalbetten und zwei Intensivplätze. Das sind Mindestanforderungen.

Aktuell halte das Klinikum Wolfsburg einen kompletten Bereich für die Versorgung von Corona-positiven Patienten frei, der getrennt von den anderen Stationen und Bereichen des Klinikums ist, erklärt Sprecher Thorsten Eckert. Zudem gebe es weitere Isolations- und Abklärungsbereiche, in denen Betten für positiv getestete Patienten mit unklarem Status bereit stehen.

Im Braunschweiger Marienstift werden ständig ein Beatmungsplatz auf der Intensivstation und sechs Überwachungsplätze auf einer anderen Station frei gehalten. Diese Zahl kann jederzeit ausgebaut werden, erläutert der Ärztliche Direktor, Dr. Udo Rudolf Schwippel. Insgesamt verfügt die Klinik über sieben Intensivbetten und über die Ausstattung, um bis zu sechs qualifizierte Beatmungen durchführen zu können. „Zusätzlich halten wir eine Station bereit, auf der wir bis zu 24 Patienten im Notfall betreuen und auch nicht invasiv beatmen können“, so Schwippel. „Das heißt, hier können von uns leicht bis mittelschwer an Covid-19 erkrankte Patienten vorübergehend qualifiziert versorgt werden.“

Für die Helios-Kliniken in unserer Region (Gifhorn, Helmstedt oder Salzgitter) gibt es auf Nachfrage keine genauen Angaben. Die Häuser seien weiterhin auf einen möglichen Anstieg schwer verlaufener Covid-19-Erkrankungen vorbereitet, heißt es lediglich. „Dazu halten wir entsprechend der dynamischen Entwicklung und der aktuellen Bestimmungen ausreichend Kapazitäten frei.“

Im Notfall müssen die Kliniken schnell Sicherheitsreserven aktivieren

Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) lobt das System als flexibel und leistungsstark: Planbare Behandlungen und Operationen seien zu Beginn der Pandemie verschoben, die Kapazitäten zur stationären Aufnahme von Covid-19-Patienten ausgebaut worden. „Indem wir jetzt die Vorhaltekapazitäten reduzieren, ermöglichen wir wieder mehr elektive Operationen und Behandlungen, im Frühjahr verschobene Eingriffe können nachgeholt werden. Das ist für die Häuser auch wirtschaftlich ein wichtiges Signal.“ Gleichzeitig gilt im Notfall die Vorgabe: Sobald die Hälfte der vorzuhaltenden Kapazitäten ausgeschöpft ist, müssen die Krankenhäuser in einem Zeitraum von 24 bis 72 Stunden zusätzliche Sicherheitsreserven aktivieren.

Mehr Infektionen – weniger schwere Krankheits-Verläufe

Auf ein Notfall-Szenario sehen sich die Kliniken gut vorbereitet. Zu Beginn der Pandemie fehlte es an ausreichender S chutzausrüstung, das Personal war auf den Umgang mit Covid-19-Patienten nicht vorbereitet. Inzwischen gibt es in allen Häusern strenge Hygienerichtlinien, Ärzte und Pflegekräfte haben wertvolle Erfahrungen gesammelt und Vorkehrungen getroffen. Als Vorteil wertet der Ärztliche Direktor des Marienstifts in Braunschweig beispielsweise, dass es im Haus inzwischen ein digitales Erfassungstool gibt, in welchem neben den patientenbezogenen Informationen bei einer Covid-19-Erkrankung auch mögliche Kontaktpersonen erfasst werden. „Dies gibt uns die Möglichkeit einer gezielten Nachverfolgung im Zusammenhang mit Covid-19, vor allem auch in Bezug auf die Kontakte unserer Mitarbeitenden mit entsprechenden Patientinnen und Patienten“, sagt Schwippel.

Kliniken: Die Zusammenarbeit mit den Städten und Gesundheitsämtern wurde verbessert

Mit Beginn der Pandemie haben die Häuser außerdem interne Krisenstäbe gebildet und auch die externe Zusammenarbeit etwa mit den Gesundheitsämtern und den Kommunen verbessert – ebenso wie den Austausch der regionalen Häuser untereinander. Dem Klinikum in Braunschweig sei es möglich, innerhalb von zwei Tagen jeweils 100 zusätzliche Covid-19-Patienten aufzunehmen und zu behandeln, erklärt Sprecherin Thu Trang Tran. Patienten, deren Behandlung weniger dringlich ist, müssten dann allerdings Wartezeiten in Kauf nehmen. Im Frühjahr haben die Krankenhäuser in Braunschweig gemeinsam mit der Stadt außerdem einen Plan zur Kapazitätsverteilung für den Ernstfall entwickelt, welcher bei einer möglichen zweiten Welle zum Einsatz komme. Alles in allem bewertet das Klinikum daher auch eine extremere Covid-19-Pandemie als beherrschbar.

Auch das Klinikum in Wolfsburg sei in er Lage, schnell zusätzliche Reserven zu aktivieren, versichert Sprecher Thorsten Eckert. Zudem gebe es weiterhin die von der Stadt Wolfsburg geschaffene Möglichkeit, bei entsprechend ansteigendem Infektionsgeschehen ein Behelfskrankenhaus ins Leben zu rufen. Die Voraussetzungen dafür seien in einem Hotel bereits geschaffen worden. „Dort könnten etwa 200 Menschen versorgt werden.“

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