Kommentar

Gemetzel im Paradies

„Es waren offenbar Rechtsextremisten, die ihren Hass auf andere Kulturen und Religionen nur mit Waffengewalt zum Ausdruck bringen konnten.“

Redakteur Dirk Breyvogel

Neuseeland? Neuseeland! Womit verbinden wir den Inselstaat, der, umschlungen von der Tasmanischen See, wohl am weitesten von Mitteleuropa entfernt liegt als jede andere Region der Erde? Wynton Rufer, Kiwis, wunderbare Landschaften, Herr der Ringe, Rugby Weltreisen…

Seit dem 15. März auch mit einem der schwersten Terroranschläge der jüngeren Geschichte, ausgeführt von Fanatikern. In der Metropole Christchurch bebte 2011 die Erde, Hunderte starben, Tausende wurden verletzt. Eine Naturkatastrophe. Auch damals berührte das Leid der Menschen. Die Attacke auf zwei muslimische Moscheen mit mindestens 49 Toten war menschengemacht. Nein, diesmal waren es keine Islamisten, diesmal waren es offenbar verblendete Rechtsextremisten, die ihren Hass auf andere Kulturen und Religionen nur mit Waffengewalt zum Ausdruck bringen konnten. Natürlich, wie es sich für die heutige Zeit gehört: aufgenommen mit Kameras, verbreitet über soziale Netzwerke, damit die Dokumentation des Grauens eine möglichst große Masse an Menschen mitverfolgen kann. Ekelhaft.

Ob den vier Festnahmen, die die neuseeländische Polizei schnell bestätigte, noch weitere Folgen werden, ist derzeit offen. Neuseeland hat, von außen betrachtet, seine Unschuld verloren. Vielleicht war da aber schon längst was aus den Fugen geraten und wir haben es Zehntausende Kilometer entfern einfach nicht mitbekommen. Doch es ist noch vielmehr: Das Gemetzel zeigt, der „Clash of Zivilisation“, den der Historiker Samuel P. Huntington 1996 als düstere Zukunftsvision skizzierte, ist längst Realität und nimmt immer erschreckendere Ausmaße an. Der Kampf der Kulturen hat das Paradies erreicht. Die Toten von Christchurch sind ein letzter Beleg dafür.

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