Trump unter Feuer

Eine Bestechung kann nur funktionieren, wenn die andere Seite etwas von einer möglichen Gegenleistung weiß.

Die meisten US-Medien waren sich bald einig: Was bei der ersten öffentlichen Anhörung von zwei Zeugen bei der Amtsenthebungs-Untersuchung gegen US-Präsident Trump ans Tageslicht kam, sei eine „Bombe“. Doch das ist übertrieben.

Zwar hatte ein Mitarbeiter von US-Botschafter William Taylor Teile eines Telefonats mitgehört, das Trump mit dem in Kiew weilenden EU-Botschafter Gordon Sondland führte und in dem der Präsident gefragt hatte, wie es denn mit „den Untersuchungen“ vorangehe. Auch glaubte Sondland, dass Trump Familie Biden wichtiger gewesen sei als die Ukraine.

Doch dass Trump am Tag zuvor den ukrainischen Präsidenten bereits aufgefordert hatte, den politischen Rivalen Joe Biden und dessen Sohn unter die Lupe zu nehmen, ist längst bekannt und sogar von Trumps Stabschef bestätigt worden. Und der machte sogar klar, dass zunächst intern Militärhilfen für Kiew auf Eis gelegt worden waren.

Dass die ukrainische Regierung vom Stopp der Gelder erst lange nach dem viel kritisierten Telefonat Trumps erfahren hat, schwächt allerdings die Position der US-Demokraten. Denn eine Bestechung kann nur funktionieren, wenn die andere Seite etwas von einer möglichen Gegenleistung weiß – in diesem Fall 400 Millionen Dollar an Militärhilfen.

Die Voraussetzung für ein „Impeachment“ sind aber schwere Verbrechen. Die Debatte, ob man dazu schon das Ansinnen Trumps zählen kann, durch eine ausländische Regierung einen Rivalen untersuchen zu lassen, ist eigentlich müßig. Denn die Demokraten haben längst entschieden, das Amtsenthebungs-Verfahren durchzuziehen.

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