„Bauernschreck“ war gestern

Hannover  Der neue Agrarminister Meyer gilt als effektiver Strippenzieher.

. Wie Christian Meyer da so im Landtag steht, groß und freundlich lächelnd, hat er so gar nichts vom „Bauernschreck“. Niemand wäre überrascht, stellte sich Meyer als Sozialarbeiter vor.

Das Etikett vom Bauernschreck habe ihm ein Journalist angehängt, Teile der CDU hätten es aufgegriffen, sagt Meyer. Er redet dann lieber über die deutsche Agrarminister-Konferenz, über Brüsseler Agrar-Subventionen und über Tierschutz-Standards. „Mir hat nach einem Interview ein CDU-Landwirt geschrieben, er könne alles teilen, was ich da gesagt habe,“ erzählt Meyer. Von wegen Bauernschreck.

Meyer ist erst seit 2008 Landtagsabgeordneter der Grünen und fünf Jahre später Minister: eine steile Karriere. Politik lernte Meyer, der wie die Ex-Minister Uwe Schünemann (CDU) und Hans-Heinrich Sander (FDP) aus Holzminden kommt, bei der Grünen Jugend.

Meyer gilt als hocheffektiver Strippenzieher und Kopf des linken Parteiflügels. Beim Aufstellen der Kandidatenliste der Grünen zur Landtagswahl 2013 beim Parteitag in Wolfsburg marschierten die Linken lange nach Belieben durch, die „Realos“ standen ratlos herum. Wäre Meyer nicht Minister geworden, wär er jetzt wohl Grünen-Fraktionschef im Landtag.

Der Diplom-Sozialwirt (Volkswirtschaftslehre, öffentliches Recht, Politik- und Medienwissenschaften) ist allerdings nicht nur ein gewiefter Politiker, sondern auch bis ins Detail sachkundig. Als agrarpolitischer Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion nahm Meyer immer wieder die Exzesse der Massentierhaltung aufs Korn.

Die CDU-Ministerin Astrid Grotelüschen, selbst aus der Geflügelwirtschaft, war für Meyer ein perfektes Ziel. Wann immer Tierschutz-Aktivisten ein neues Ekel-Video mit verendenden Puten präsentierten, hatte der Grüne die perfekte Vorlage. „Soll die Rolle der Ministerin im Putennetzwerk vertuscht werden?“, fragte Meyer die Landesregierung etwa im Sommer 2010. Im Ton hart, war Meyer in der Sache aber präzise. Grotelüschen musste gehen.

Als der fachkundige und erfahrene Gert Lindemann (CDU) Agrarminister wurde, mag die Sache für Meyer schwieriger geworden sein. Aus der Defensive kam die Regierung aber nie. Seinem Amtsvorgänger Lindemann zollt Meyer nun indirekt einige Anerkennung. Mit seinem „Tierschutzplan“ habe Lindemann die Probleme in der Landwirtschaft wenigstens erkannt und angepackt, wenn auch zu zögerlich, gesteht Meyer dem CDU-Mann zu. Der Grüne will das Konzept ausbauen und beschleunigen.

Christian Meyer hat nach dem rot-grünen Wahlsieg sehr schnell versucht, Ängste zu zerstreuen. Die Grünen wollten eine „sanfte Agrarwende“, versichert er bei jeder Gelegenheit. Die 40 000 Familienbetriebe wolle das Land künftig fördern, mit den Verbänden in einen Dialog treten, gemeinsam mit ihnen ein neues Leitbild für die Landwirtschaft finden. „An der Basis wird teilweise ganz anders gedacht“, sagt Meyer, anders als bei der Agrarlobby, soll das heißen.

Schon als Abgeordneter sei er viel im Land unterwegs gewesen, habe auf den Höfen gestanden und mit den Landwirten geredet. „Auch von Verbänden gibt es viele positive Rückmeldungen“, betont der Grüne. In der Wedemark will er nun erst einmal einen Landwirtschaftlichen Verein besuchen. Kein Spektakel. Bald soll er bei der Jägerschaft in Celle reden.

Möglich, dass Meyer die Zeichen der Zeit besser erkannt hat als andere. Verbandssprecher wie vom Deutschen Bauernverband haben jedenfalls bereits eingeräumt, dass Reformen in der Tierhaltung „unbestritten“ notwendig seien.

Meyer ist übrigens auch ein gewiefter Kommunalpolitiker. In Holzminden hat er früher zeitweise auch mit dem – bei den Grünen verhassten – Innenminister Uwe Schünemann (CDU) zusammengearbeitet.

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