Ferkelkastration: Ministerin treibt Branche zur Lösungssuche

Hannover.   Ferkel werden meist bei vollem Bewusstsein kastriert. Demnächst sollen Tierärzte die Tiere betäuben. Das sei viel zu teuer, klagen Branchenvertreter.

Symbolbild.

Symbolbild.

Foto: Christoph Schmidt / dpa

Niedersachsens Schweinezüchter müssen bei der Suche nach tierfreundlichen Methoden zur Ferkelkastration aufholen. Auf einem Gipfel in Hannover mahnte Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) die Branche am Montag zur Eile.

Hintergrund ist das geplante Verbot, Ferkel wenige Tage nach der Geburt ohne Betäubung zu kastrieren. Demnächst müssen Landwirte die kleinen Eber für die Kastration betäuben und den Eingriff von einem Tierarzt machen lassen. Das sei aber zu teuer, klagen Bauern, fleischverarbeitende Betriebe und Händler. Die Schweinbauern-Lobby sieht durch die Kosten sogar die Existenz vieler Betriebe bedroht.

Otte-Kinast kritisierte die Trägheit der Branche und sprach sich zugleich für das Ende der betäubungslosen Ferkelkastration aus. „Fünf Jahre lang ist dieses Datum 1.1.2019 bekannt. Gefühlt hat sich einer auf den anderen verlassen“, rügte die Ministerin nach dem dreistündigen Treffen.

Die Bundesregierung in Berlin hatte zuletzt ein Signal in Richtung Schweinebauern gesendet. Eine zweijährige Übergangsfrist solle den Züchtern Zeit geben, nach Alternativen zu suchen. Der Aufschub muss aber noch vom Bundestag genehmigt werden.

Die Ministerin hatte sich zuletzt dafür eingesetzt, dass Schweinezüchtern die Übergangsfrist gewährt wird. Zusammen mit Bayern hatte Niedersachsen im Bundesrat die Übergangsphase beantragt –- ohne Erfolg. Nun entscheidet der Bundestag über den Aufschub. „Keiner weiß, ob es wirklich über den Bundestag noch zu einer Verschiebung kommt“, mahnte Otte-Kinast nun.

Männliche Ferkel werden kurz nach ihrer Geburt vom Bauern kastriert, um den von vielen als eklig empfundenen Ebergeruch zu vermeiden. Der Geruch kommt bei fünf Prozent der Tiere vor. Eine Alternative zur Kastration sieht Otte-Kinast in einer verstärkten Vermarktung von Eberfleisch. Als eine Möglichkeit gilt auch, dass speziell geschulte Mitarbeiter im Schlachthof die „Stinker“ aussortieren. Zudem gibt es eine Art Impfung gegen den Geruch.

Besser stehen aber die Aussichten auf Einigung beim sogenannten vierten Weg. Dabei kastrieren Bauern weiter selbst die Ferkel, allerdings mit lokaler Betäubung. „Der Weg der Lokalanästhesie ist für mich ein Weg, den wir ernsthaft gehen müssen“, sagte die Ministerin.

Dänemark und Schweden gehen bereits einen ähnlichen Weg. Niedersachsen gilt in Deutschland mit 8,5 Millionen Schweinen als Schwerpunktregion der Branche. 2016 wurde laut Niedersächsischem Agrarministerium Schweinefleisch im Wert von 24 Milliarden Euro verkauft.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (2)