210 neue Windräder bald in der Region – die meisten riesengroß

Braunschweig.  Derzeit sind es 390. Die Windparks sollen zwischen Harz und Heide soviel Strom wie zwei Atomkraftwerke liefern.

Ein Industriekletterer wartet ein riesiges Windrad im Windpark Helmstedt.

Ein Industriekletterer wartet ein riesiges Windrad im Windpark Helmstedt.

Foto: Volker Linne

Nach acht langen und mühsamen Jahren Planung will der Regionalverband Großraum Braunschweig am Dienstag die Ergebnisse zum Ausbau der Windkraft vorstellen. Unsere Zeitung erfuhr die Kerndaten vorab: In wenigen Jahren sollen zwischen Harz und Heide statt 390 Windrädern 600 stehen.

Ältere Windräder werden gegen die neuen Windrad-Riesen ausgetauscht. Die modernen Anlagen sind bis zu 200 Meter hoch. Die Windräder in der Region sollen eine Nennleistung von 2,8 Gigawatt bringen. Das entspricht der Nennleistung von zwei mittleren Atomkraftwerken. Bisher beträgt die Leistung 1,2 Gigawatt.

Der Energieausstoß sämtlicher Anlagen hängt von mehreren Faktoren ab und schwankt. Deshalb wird unterschieden zwischen der Nennleistung, also der höchsten Leistung, die eine Anlage erbringen kann, und der tatsächlichen Leistung im laufenden Betrieb. Sicher aber ist: Die Windkraft in der Region wird deutlich ausgebaut.

Die 49 Windparks zwischen den Landkreisen Gifhorn und Goslar sollen sich auf 6700 Hektar erstrecken. Das sind 13.000 Fußballfelder. Bisher gibt es 3100 Hektar Windkraft-Fläche in der Region.

Der Regionalverband wollte sich zu den Plänen noch nicht äußern. Er hat die Unterlagen erst am Montag an Landtagsabgeordnete und Kommunalpolitiker verschickt.

Der Widerstand in unserer Region war groß. Der Verband musste die Bürger dreimal beteiligen – zuletzt im vergangenen Spätsommer. Bei den ersten beiden Beteiligungen haben 4000 Bürger 20.000 Einwände erhoben. Viele fürchten einen Wertverlust ihrer Immobilie. Die Windräder stehen 1000 Meter von Siedlungen entfernt, bei einzelnen Häusern sind es 500 Meter.

Für Aufsehen sorgte es, dass der Verband die Windkraft ausbauen will, der Verbandsvorsitzende Detlef Tanke jedoch einen Windpark in seiner Heimatgemeinde Hillerse im Kreis Gifhorn zusammen mit einer Bürgerinitiative verhinderte.

Felicitas Naundorf von der Bürgerinitiative Windkraftgegner Elm bezeichnete das Verfahren als „unfair, undurchschaubar und nicht transparent genug“. „Es lief an den Bürgern vorbei.“ Naundorf kündigte bereits an, gegen die Pläne zu klagen. Wahrscheinlich wird sie nicht die einzige sein.

Der Landesbeauftragte für unsere Region, Matthias Wunderling-Weilbier, und seine Mitarbeiter werden die 7000 Seiten starken Pläne noch prüfen müssen. „Das, was jetzt vorgelegt wird, ist wahrscheinlich genehmigungsfähig. Versprechen kann ich es nicht“, sagte Wunderling-Weilbier. Sein Amt hatte den Regionalverband schon einmal zu Nachbesserungen gedrängt. Das Amt kritisierte, dass der Verband bei den Abständen zu Siedlungen nicht nach einer einheitlichen Linie verfuhr.

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