Steuerzahlerbund kritisiert „Harzautobahn“

Hannover.  Das Heraufstufen der B6 sei sinnlos und durch die nötige Beschilderung zu teuer, so die Kritik. Das sehen viele aber anders.

Überklebte Einmündungsschilder der B 6 in die A 36 bei Vienenburg. Der Bund der Steuerzahler hat den „Umbenennungswahn“ kritisiert. Die B6 wird zur A 36 sowie in einem anderen Abschnitt zur A 369 heraufgestuft.

Überklebte Einmündungsschilder der B 6 in die A 36 bei Vienenburg. Der Bund der Steuerzahler hat den „Umbenennungswahn“ kritisiert. Die B6 wird zur A 36 sowie in einem anderen Abschnitt zur A 369 heraufgestuft.

Foto: Foto: Till Diegeler/Wikipedia

Das Projekt „Harzautobahn“ mit Aufstufen von B6 und Umbeschilderungen hat heftige Kritik beim Bund der Steuerzahler ausgelöst. „Jetzt sind die öffentlichen Kosten des „Umbenennungswahns“ an Bundesstraßen im Nordharz amtlich bestätigt“, erklärte der Vorsitzende Bernhard Zentgraf. Zuvor hatte der Bund offiziell Kosten von rund 4,67 Millionen Euro mitgeteilt.

Als „Idee mit viel Charme“ hatte schon der frühere Landesverkehrsminister Jörg Bode (FDP) ein Aufstufen von B6-Abschnitten zur Autobahn bezeichnet. „Von der besseren Wahrnehmung der Autobahn im europäischen Wegenetz gegenüber der bisherigen Bundesstraße werden Wirtschaft und Tourismus im gesamten Nordharz profitieren“, erklärte auch der amtierende Wirtschafts- und Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU). Investoren sähen in einer Autobahnanbindung ein wichtiges Standortkriterium für ihr Unternehmen.

Zur Autobahn heraufgestuft werden zwei Kilometer B6 von der Landesgrenze Sachsen-Anhalt bis zum Autobahndreieck Vienenburg und die rund vier Kilometer vom Dreieck Vienenburg bis zum Kreuz B4/B6 bei Bad Harzburg. Lediglich umbenannt zur A 36 wird die A 395 vom Kreuz Braunschweig Süd bis Vienenburg, rund 35 Kilometer. Nach der Einschätzung von Fachleuten wird eine zweistellige Autobahn mehr wahrgenommen - daher A 36 statt 395. Die Autobahn-Umbenennung soll 1,05 Millionen Euro kosten, das Aufstufen der B6-Abschnitte 0,92 sowie 2,70 Millionen Euro. „Im Zuge des neuen Autobahndreiecks Nordharz sind daher sowohl die A36 als auch die A369 durch eine bis dato nicht erforderliche (...) Überkopfbeschilderung auszurüsten“, heißt es es in einem Schreiben aus dem Bundesverkehrsministeriums. Laut Landesverkehrsministerium hatte das Bundesverkehrsministerium Anfang 2018 über die Veränderungen entschieden.

Zu den Befürwortern aus der Region zählt die Industrie- und Handelskammer. Die IHK betonte am Donnerstag die „bessere Wahrnehmbarkeit im europäischen Autobahnnetz“. „Für uns als Region hält die Aufwertung einen positiven Werbeeffekt und Imagegewinn bereit. Die Erreichbarkeit des Harzers, unserer Region wird durch diesen Schritt in der überregionalen Wahrnehmung verbessert. Das hilft der Wirtschaft und dem Tourismus“, hatte auch Goslars Landrat Thomas Brych (SPD) erklärt. Der Grünen-Landtagsabgeordnete Helge Limburg sieht es dagegen wie der Bund der Steuerzahler. „Man tauscht hier nur die Schilder aus“, hatte Limburg unserer Zeitung gesagt. „Durch die bloße Umbenennung kommt niemand schneller in den Harz“, erklärte nun auch Zentgraf. Die Kosten der Neubeschilderung trägt nach Angaben des Landes der Bund.

Dagegen hatte die IHK Braunschweig betont, die gut ausgebaute Strecke sei seinerzeit vom Bund aus Rücksicht auf die im Bund mitregierenden Grünen nicht als Autobahn ausgewiesen worden. Man bedauere die hohen Mehrkosten, hieß es aber. Erste Planungen zur Aufwertung habe es schon Anfang der 90er Jahre gegeben.

„Im Herbst dieses Jahres wird die Ausschreibung der Beschilderung veröffentlicht. Der Bau der ersten Schilderbrücken und die Seitbeschilderung beginnen im Frühjahr 2020. Der Bau der restlichen Schilderbrücken erfolgt von Mitte 2020 bis Mitte 2021“, sagte ein Sprecher des Landesministeriums am Donnerstag. Das Überkleben von Schildern begann Ende 2018. Bei den Straßenbaubehörden sowie beim Bundesministerium wird aber darauf verwiesen, dass wegen teilweise sehr alter Schilder „die Erneuerung der Beschilderung in den kommenden Jahren sowieso zwingend erforderlich geworden“ wäre.

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