Diese 55 Standorte sollen neue Jobs schaffen

Braunschweig.  Sie rücken als mögliche Gewerbegebiete in den Fokus. Der Raum zwischen Harz und Heide braucht 1000 Hektar.

Das interkommunalen Gewerbegebiet Waller See.

Das interkommunalen Gewerbegebiet Waller See.

Foto: HeiTEFUß

Der Regionalverband Großraum Braunschweig will neue Gewerbegebiete im Raum zwischen Harz und Heide künftig strategisch planen. Deshalb hat die Verbandsversammlung am Donnerstagabend in Lengede 55 Standorte benannt, die von regionaler Bedeutung sind – und möglichst für Industrie und Gewerbe frei gehalten werden sollen.

Die potenziellen neuen Gewerbeflächen messen 20 Hektar und mehr. Sie basieren auf einem Konzept, das der Verband in Auftrag gegeben hat. Demnach fehlen in unserer Region in den nächsten 15 Jahren etwa 1000 Hektar an neuen Gewerbeflächen. Das entspricht etwa 1400 Fußballplätzen.

Der Grund liegt auf der Hand: Unsere durch die Automobilindustrie geprägte Region ist schon jetzt das industrielle Herz Niedersachsens. Laut Unternehmensberatung Georg Consulting aus Hamburg, die das Konzept erstellt hat, wird der Bedarf an neuen Flächen also groß bleiben. Schon jetzt hängen vier von zehn Jobs in unserer Region an Gewerbegebieten. Das ist bundesweit ein hoher Wert.

Der Wolfsburger Sabah Enversen (SPD) sagte: „Das Gewerbe in der Region ist unsere Lebensader.“ Es gebe mit Blick auf die strategische Planung vom Regionalverband zwar Bedenkenträger zwischen Harz und Heide. Diese müssten aber überzeugt werden. Der Regionalverband hat das Amt für regionale Landesentwicklung, die Industrie- und Handelskammern Braunschweig und Lüneburg-Wolfsburg, die Allianz für die Region und auch Kommunen mit in die Planung eingebunden, jedoch ist die Ausweisung von Gewerbegebieten eigentlich eine klassische kommunale Aufgabe. Sie bleiben zu nichts verpflichtet. Nun hat sich der Verband aber zumindest einen regionsweiten Überblick verschafft.

Das ist offensichtlich notwendig. Denn sogenannte interkommunale Gewerbegebiete dürften in unserer Region an Bedeutung gewinnen. Zwar stehen dem Bedarf an
1000 Hektar etwa 1500 Hektar an möglichen Flächen gegenüber, jedoch sind diese Flächen extrem ungleich in unserer Region verteilt (siehe kleine Tabelle).

Der Landkreis Helmstedt zum Beispiel hat laut Studie 509 Hektar für Gewerbe zur Verfügung. Aber der Landkreis kann die Fläche nur schwer vermarkten. Von 2009 bis 2018 war die Nachfrage vor allem im Landkreis Peine mit 150 Hektar, in Braunschweig mit 144 Hektar und im Landkreis Gifhorn mit
131 Hektar besonders hoch. Die drei vereinten knapp 60 Prozent der 716 Hektar, die im genannten Zeitraum an interessierten Unternehmen vermarktet wurden. Im Kreis Peine zum Beispiel aber stehen laut Studie in den kommenden 15 Jahren nur noch 83 Hektar an bedeutsamen Flächen für Gewerbe zur Verfügung.

Frank Schröter von den Grünen forderte, dass man künftig sparsamer mit der Ausweisung von Gewerbeflächen in der Region umgehen müsse. „Man darf nur die Gebiete ausweisen, die die Kriterien auch voll erfüllen.“ Deshalb hat der Verband nun „Premiumstandorte“ benannt. Schröter forderte außerdem, dass das Konzept nur der Anfang sein könne. Es müsse ein Gewerbeflächen-Management geben.

AfD-Mann Gunnar Scherf blieb zurückhaltend. „Der Erfolg des Konzepts wird sich erst in vielen Jahren zeigen.“ Reinhard Manlik (CDU) widersprach. „Das Konzept soll Arbeitsplätze sichern – und zwar möglichst bald und ohne großen bürokratischen Aufwand.“ Das Gewerbeflächen-Konzept sei ein Korrelat zur Region Hannover – einem direkten Konkurrenten unserer Region.

Das Konzept des Regionalverbands

Die meisten der 55 vorgeschlagenen Standorte befinden sich an Autobahnen. Denn wesentlich waren bei der Ermittlung der Standorte harte Fakten wie die Lage, die Flächengröße oder das Baurecht. Die Hamburger Unternehmensberatung Georg Consulting prüfte die Standorte auch hinsichtlich ihrer Mobilisierbarkeit am Markt. Will der Eigentümer verkaufen? Würden sich Firmen hier ansiedeln? All das floss in die Bewertung mit ein.

Für jeden der 55 Standorte gibt es nun einen auf einer Seite zusammengefassten Steckbrief. Kriterien wie Flächengröße, Verfügbarkeit, netto verfügbare Fläche, die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder die Restriktionskategorie sind vermerkt.

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