Niedersachsen droht schwieriges neues Schuljahr

Hannover.  Der Lehrermangel wird durch Corona noch verschärft, doch Minister Tonne ist zuversichtlich.

Grant Hendrik Tonne, Niedersachsens Kultusminister (SPD), spricht während einer Pressekonferenz im April zur Entwicklung der Coronavirus-Ausbreitung in Niedersachsen. Derzeit läuft die Lehrereinstellung für das neue Schuljahr.

Grant Hendrik Tonne, Niedersachsens Kultusminister (SPD), spricht während einer Pressekonferenz im April zur Entwicklung der Coronavirus-Ausbreitung in Niedersachsen. Derzeit läuft die Lehrereinstellung für das neue Schuljahr.

Foto: Foto: Peter Steffen / dpa

Niedersachsen droht nach Einschätzung von Verbänden im Schuljahr 2020/2021 ein Absturz bei der Unterrichtsversorgung und damit hoher Stundenausfall.

„Ich gehe davon aus, dass die Zahlen schlechter werden“, sagte der Vorsitzende des Verbandes Niedersächsischer Lehrkräfte, Torsten Neumann, am Montag unserer Zeitung. Im „Sommerbrief“ des Schulleitungsverbandes Niedersachsen (SLVN) heißt es, schon jetzt zeichneten sich „mögliche Schwierigkeiten ab, zum Beispiel in Bezug auf den Umgang mit vulnerablen Lehrkräften oder die Frage der unzureichenden Unterrichtsversorgung“.

Rückkehr zum „G9“

Die Unterrichtsversorgung gibt an, in welchem Umfang den Schulen die für den Schulbetrieb nötigen Stunden zugewiesen werden. Wie andere Bundesländer hat Niedersachsen Lehrermangel. Zudem kehrt das Land zum Abitur nach 13 Schuljahren zurück. Als zusätzliche Belastung kommt Corona hinzu. Lehrer, die einer Risikogruppe angehören, können mit Attest von zuhause aus arbeiten. „Schon vor Corona war der Personalmangel eklatant“, hatte die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth erklärt. Nun drohe das Kartenhaus zusammenzufallen. Die GEW geht von mehreren hundert fehlenden Lehrern aus.

Minister: Schon viele Stellen besetzt

In einem Brief des Braunschweiger Gymnasiums Martino-Katharineum an Schülerschaft und Eltern heißt es: „Die Unterrichtsversorgung im neuen Schuljahr wird so niedrig wie lange nicht mehr.“ Eine „letzte Hoffnung“, den Pflichtunterricht abzudecken, bestehe in der Zuteilung von Vertretungslehrern. Dagegen erklärte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) unserer Zeitung: „Derzeit sind wir auf einem guten Weg, möglichst viele der ausgeschriebenen Stellen zu besetzen. Besonders hervorzuheben sind hier die Einstellungen im Grundschul- und im Gymnasialbereich, wo bereits zu diesem Zeitpunkt jeweils rund 90 Prozent der Stellen besetzen werden konnten.“ Laut Ministerium sind insgesamt 1890 von 2200 ausgeschriebenen Stellen bereits besetzt. „Die Schulen benötigen jetzt Personal am Ort“, heißt es im „Sommerbrief“ des SLVN.

Philologen fordern Testmöglichkeiten

Tonne hatte angekündigt, voraussichtlich in einem angepassten Regelbetrieb ins neue Schuljahr zu starten. Unterrichtet werden soll wieder in ganzen Klassen. Dies führt an vielen Schulen mit Blick auf viele Urlaubsreisen allerdings zu Verunsicherung. Der Philologenverband Niedersachsen hatte gefordert, „freiwillige und kostenlose Corona-Reihentestungen durchzuführen“. Tonne hatte zum neuen Schuljahr auch einen „Lerntag“ angekündigt. Dabei können Schulen ab der siebten Klasse bis zu einem Tag pro Woche Lernen zuhause ansetzen.

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