Kasse: Deutlich mehr psychische Erkrankungen in Corona-Krise

Hannover.  Seelische Krankheiten führten in der Corona-Krise zu deutlich mehr Krankschreibungen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl um 80 Prozent gestiegen.

Seelische Leiden müssen für Außenstehende nicht immer erkennbar sein.

Seelische Leiden müssen für Außenstehende nicht immer erkennbar sein.

Foto: (Symbol) fizkes / Shutterstock

In der Corona-Krise ist die Zahl der psychischen Erkrankungen nach Angaben der KKH Kaufmännische Krankenkasse deutlich gestiegen. Im ersten Halbjahr 2020 verzeichnete die Kasse unter ihren rund 1,7 Millionen Versicherten rund 26.700 Krankmeldungen wegen seelischer Leiden, wie sie am Montag in Hannover mitteilte. Das sind gut 80 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum (14.600 Krankmeldungen).

Existenzängste führen in Corona-Krise zu psychischer Belastung

Es sei denkbar, dass viele Menschen aufgrund von Existenzängsten durch Jobverlust und Kurzarbeit, der Furcht vor dem neuen Virus und den damit einhergehenden Lebensveränderungen nicht zurechtgekommen seien und deshalb bereits während der Pandemie einen Arzt aufgesucht hätten, erklärte die Kasse.

Krankenstand im März dieses Jahres auf Rekordniveau

Insgesamt hat der Krankenstand den Angaben zufolge insbesondere im März auf Rekord-Niveau gelegen. In diesem Monat fehlten die Arbeitnehmer im Schnitt 7,1 Prozent ihrer Sollarbeitszeit. Im Vorjahresmonat lag der Wert bei 5,6 Prozent. Vor allem bei den Frauen registrierte die Kasse einen Höchststand. Grund für die hohe Zahl an Krankmeldungen waren laut KKH vor allem Erkältungskrankheiten.

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In der Kinderbetreuung sowie der Pflegebranche hat es die meisten Krankmeldungen gegeben

Am meisten von Atemwegserkrankungen betroffen gewesen seien Mitarbeiter in der Kinderbetreuung und -erziehung sowie Alten- und Krankenpfleger, hieß es. Die Zahlen ließen vermuten, dass in der Pandemie-Hochphase viele Arbeitnehmer bei Corona-ähnlichen Symptomen zu Hause geblieben seien, um andere Menschen nicht zu gefährden. Mit zunehmender Lockerung der Corona-Regeln sank den Angaben zufolge auch der Krankenstand wieder deutlich; im Mai und Juni war er sogar etwas niedriger als in den Vorjahresmonaten.

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523 Krankschreibungen wegen Corona-Infektion

Aufgrund einer Corona-Infektion verzeichnete die KKH unter ihren Versicherten für das erste Halbjahr 2020 insgesamt 523 Krankschreibungen. Auch hier sei die Pflegebranche besonders getroffen gewesen. Die Krankheitsdauer lag laut Angaben bei durchschnittlich 12,4 Tagen; die längste Corona-bedingte Krankschreibung dauerte 34 Tage.

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