Nachfrage nach Grippe-Impfung in Niedersachsen „explodiert“

Braunschweig.  Leser beschweren sich: Es ist kein Grippe-Impfstoff in ihren Arztpraxen und Apotheken vorhanden. Allerdings: Nicht überall ist Stillstand.

Die Corona-Pandemie hat in Niedersachsen zu einer höhren Impfbereitschaft geführt.

Die Corona-Pandemie hat in Niedersachsen zu einer höhren Impfbereitschaft geführt.

Foto: REDPIXEL.PL / Shutterstock

Zwischendurch in die Arztpraxis flitzen und sich kurz gegen die Grippe impfen lassen – so einfach ist das in diesem Jahr nicht. Das hat Leser Klaus-Rüdiger Staats aus dem Helmstedter Nordkreis beoabchtet. Er fragt: „Weder in Fallersleben noch in Velpke habe ich einen Impfstoff erhalten. Wann gibt es Nachschub?“ Wir haben recherchiert, wie es um die Grippe-Impfung in der Region steht.

Das sagt die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen zum Grippe-Impfstoff

Es stimmt, der Impfstoff ist teilweise knapp. „Es gibt zunehmend mehr Klagen“, berichtet Detlef Haffke, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung in Niedersachsen. „Wir können nicht sagen, wo Reserven sind“, stellt er klar. Auf dem Land könne es vereinzelt noch Impfdosen geben, in den Städten sei das Problem größer. „Dass die Nachfrage so explodiert ist, hätte niemand ahnen können“, sagt er und erklärt, dass die Bestellungen in diesem Jahr bereits im Januar stattgefunden hat.

Bald kommt Nachschub

1,4 Millionen Impfdosen wurden im Januar über die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen bestellt – vor der Corona-Krise. Nahezu komplett sei der Bestand verimpft worden. „Die Nachfrage ist wegen der Corona-Krise gestiegen“, sagt Haffke. „Die Impfbereitschaft ist gut für das Gesundheitssystem“, erklärt er. Es entlaste beispielsweise Krankenhäuser in der Corona-Krise. „Im November bis Mitte Dezember werden noch mal 600.000 bis 700.000 Impfdosen nachgeliefert“, kündigt der Sprecher an. Genaue Liefertermine könne niemand nennen. Auch wie die Verteilung ablaufe, sei noch unklar. Fest stehe, dass es noch im November eine Lieferung gibt.

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Deshalb muss der Impfstoff schon früh bestellt werden

Der Großteil des Grippeimpfstoffes wird mit Eiern hergestellt. Laut Online-Portal ptaheute.de gibt es ganze Hühner-Farmen, die sich auf die Herstellung von sterilen Hühnereiern spezialisiert haben. Ein sogenanntes Serum-Ei ergibt letztlich eine Impfdosis. Nachschübe sind unflexibel, weil die Hersteller schon ein halbes Jahr vorher planen müssen, wie viele Eier gelegt werden. Die Eier kommen für mehrere Tage in einen Brüter. Dort vermehren sich die Viren je eines Influenza-Stamms. In diesem Jahr wird gegen vier Influenza-Stämme geimpft. Am Ende wird die Flüssigkeit der Eier gereinigt, sodass nur noch die deaktivierten Grippe-Viren übrig sind.

Im Dezember impfen lassen – ist das sicher?

Nachteile vom späten Impfen gibt es nicht, versichert die Kassenärztliche Vereinigung. Im Gegenteil: Der Schutz bleibe entsprechend länger bestehen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt Risikopatientinnen und -patienten in diesem Jahr besonders eine Impfung gegen den Grippe-Virus. Der Grund ist die Corona-Pandemie. Eine Infektion mit beiden Viren-Arten, besonders in den Risikogruppen, soll vermieden werden.

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Wieso lassen wir uns gegen die Grippe impfen?

Die Grippe verursacht unterschiedlich Fieber, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Gliederschmerzen und ein plötzliches Krankheitsgefühl, schreib das RKI. Lungenentzündungen können eine Komplikation sein, auch Probleme mit dem Herzen, bei Kindern Mittelohrentzündungen und bei chronischen Lungenerkrankungen eine Verschlechterung dieser. Besonders schwere Verläufe können tödlich werden.

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