Niedersachsen gegen längere Weihnachtsferien

Hannover.  Das „Corona-Schutzpaket“ sorgt auch weiter für Diskussionen - auch wegen der Präsentation.

Grant Hendrik Tonne (SPD), Kultusminister Niedersachsen, kommt am vergangenen Dienstag in die Landespressekonferenz im Landtag Niedersachsen.

Grant Hendrik Tonne (SPD), Kultusminister Niedersachsen, kommt am vergangenen Dienstag in die Landespressekonferenz im Landtag Niedersachsen.

Foto: Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Mit einer Videobotschaft wandte sich Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Freitag an die Schülerschaft von zwei Celler Gymnasien. Ein Gymnasiallehrer, Historiker und AfD-Mitglied, hatte bei der AfD-Kampagne „Ich zeige Gesicht!“ gegen Maskenpflicht und „Corona-Diktatur“ protestiert. Ein Sprecher des Kultusministeriums bekräftigte die Einschätzung der Schulbehörde, wonach der Mann sich außerhalb seiner Lehrertätigkeit geäußert habe und an der Schule selbst „nicht auffällig“ geworden sei. Corona hat vielen Seiten.

Am kommenden Mittwoch wollen Bund und Länder bei einem weiteren „Corona-Gipfel “ den Fahrplan bis ins neue Jahr hinein festlegen. Ein Zurück zum „Wechselmodell“, bei dem jeweils die Hälfte der Klassen zuhause unterrichtet wird, hatten Ministerpräsidenten und Kultusminister in der jüngsten Beratungsrunde abgewehrt. Niedersachsen blieb am Freitag auch weiter auf Distanz zu dem Vorschlag, den Präsenzunterricht vor Weihnachten um zwei Tage abzukürzen. Man habe den Wunsch nach einem sicheren Weihnachtsfest wohlwollend geprüft, sagte der Sprecher des Kultusministeriums. Zwei Tage böten aber lediglich ein kleines Stück mehr Sicherheit, schlimmstenfalls Scheinsicherheit. Nordrhein-Westfalen allerdings will laut WDR den 18. Dezember als letzten Schultag vor Weihnachten. Eine Sprecherin der niedersächsischen Staatskanzlei sagte am Freitag aber, auch die Schulen würden beim Bund-Länder-Gipfel in der nächsten Woche „eine Rolle spielen“. Das lässt Spielraum.

„Kein Wechsel in Szenario B“

Niedersachsen hatte am Dienstag eine „Schutzpaket Corona“ in Höhe von 45 Millionen Euro für zusätzliches Personal an Schulen sowie Sachmittel wie etwa Plexiglasschutzwände und FFP2-Masken vorgestellt. „In den Schulen in Niedersachsen findet nach wie vor kein Superspreading statt, unsere Schulen sind keine Orte der massiven Infektionsverbreitung“, erklärte Minister Tonne. Ein landesweiter grundsätzlicher Wechsel ins Szenario B (Wechselmodell) stehe daher nicht an.

Kurzzeitig für Irritationen hatte an vielen Schulen ein neuer Rahmenhygieneplan des Landes gesorgt, in dem bei einer Corona-Inzidenz von 50 nachmittags kein offener Ganztag stattfinden solle. Dies wurde am Freitag morgen sehr früh korrigiert. Darin hieß es zum Ganztag, „vernachlässigen Sie die die Hinweise im Rahmenhygieneplan“- verbunden mit einer Entschuldigung aus dem Ministerium.

Hamburger Studie: Mehr Infektionen außerhalb

Eine Hamburger Studie dürfte man aufmerksam registriert haben. Auf der Webseite der Behörde für Schule und Berufsbildung heißt es zu einer Studie zwischen Sommer- und Herbstferien: „So haben sich von 372 zwischen den Sommer- und Herbstferien mit Corona infizierten Schülerinnen und Schülern mit großer Wahrscheinlichkeit mindestens 292 (78 Prozent) gar nicht in der Schule, sondern außerhalb der Schule infiziert.“ Eine Hypothese: weniger Coronaregel-Disziplin in der Freizeit als in der Schule.

Im niedersächsischen Kultusausschuss des Landtags ging am Freitag die Debatte weiter, warum angesichts aus- oder überlasteter Gesundheitsämter nicht Schulleiter eigenständig den Wechsel einer Schule ins „Szenario B“ anordnen könnten. Ins Modell B rücken die Schulen laut Ministerium derzeit erst, wenn zu einem Inzidenzwert ab 100 eine „Kohorte“ gesundheitsamtlich in Quarantäne geschickt wurde, mindestens aber eine Klasse. 322 Schulen waren landesweit zum Wochenausklang im „Szenario B“. Mehr als 30 kehren jedoch in den „Normalbetrieb“ zurück - also volle Präsenz unter Coronabedingungen.

Philologen kritisieren Tonne-Auftritt mit GEW

Der FDP-Landtagsabgeordnete Björn Försterling sagte nach der Sitzung des Kultusausschusses, vermutlich würden die versprochenen Sachmittel erst im Januar in den Schulen ankommen. Luftreiniger sollen nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden dürfen. Vielleicht, so Försterling, habe das Land Angst vor Neiddiskussionen. Dass Tonne bei seiner Pressekonferenz zum „Schutzpaket“ zusammen mit der GEW aufgetreten war, hat bei anderen Verbänden intern deutliche Kritik ausgelöst. Man sei sehr überrascht gewesen, sagte der Vorsitzende des Philologenverbandes, Horst Audritz, unserer Zeitung. In einer „Expertenrunde“ wenige Tage zuvor sei davon keine Rede gewesen. Es sei schlecht, wenn der Eindruck von Parteilichkeit entstehe, so Audritz.

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