Gemeinsam-Preis 2022

Gemeinsam-Preis 2022: So lief der Festakt im Braunschweiger Dom

| Lesedauer: 9 Minuten
Gemeinsam-Preis 2022: So lief der Festakt

Gemeinsam-Preis 2022- So lief der Festakt

Im Braunschweiger Dom wurde am Dienstagabend der Gemeinsam-Preis verliehen. Es gab viele Sieger. Video: Raketenstart TV

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Braunschweig.  Im Braunschweiger Dom wurde der Gemeinsam-Preis verliehen. Es gab viele Sieger, viel Musik und sehr viele tröstliche Momente.

Natürlich hat es vor allem mit den Menschen zu tun, die sich für andere einsetzen. Doch auch der „Endlich wieder live“-Faktor, den die Dompredigerin Cornelia Götz gleich zu Beginn erwähnte, mag dazu beigetragen haben, dass die emotional besonders anrührenden Momente am Dienstagabend im Braunschweiger Dom beinahe nahtlos ineinander übergingen. Zum 19. Mal wurde der „Gemeinsam-Preis“ für ehrenamtliches Engagement verliehen, den unsere Zeitung und der Braunschweiger Dom Jahr für Jahr ausloben.

Emotional? Aber hallo! Schon wie Kinder der Domsingschule die Namen der Kandidatinnen und Kandidaten und deren Projekte durchgingen, war einfach goldig. Sodann, na klar: Musik! Nach zwei Jahren Pause konnte das Blechbläserensemble am Braunschweiger Dom unter Leitung von Witold Dulski den Festakt wieder live mitgestalten, was wuchtig und gekonnt geschah. Und dass ein Posaunist zum einen Glück heißt und zum anderen an seinem Geburtstag das Ensemble verstärkte, das war dann halt einer der speziellen Schmunzel-Effekte so eines Abends.

Doch diese Preisverleihung hatte nicht nur mit heiterer Besinnlichkeit zu tun. Der ukrainische Kinderchor der Domsingschule sang unter Leitung von Olena Petrykova das Lied vom „roten Viburnum“, dessen patriotischer Schwung sich auch ohne Kenntnis des kämpferischen Textes mitteilte. Zumindest indirekt war der ernste, der schreckliche Hintergrund des Krieges somit auch an diesem Abend präsent.

Nicht jede Hilfe klappt per Zoom

Auch die Festrede handelte von ernsten Dingen. Prof. Dirk Heinz, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI), ging darauf ein, wie sich das ehrenamtliche Engagement in den zwei Corona-Jahren geschlagen hat. „Die Pandemie stellte die gesamte Zivilgesellschaft und damit das Betriebssystem unserer Demokratie auf eine harte Probe.

Und hier insbesondere auch die vielen Millionen Ehrenamtlichen und bürgerschaftlich Tätigen in unserem Land, die mit ihrem Engagement als Helden des Alltags von enormer Bedeutung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, die individuelle Teilhabe und das kulturelle Leben sind“, sagte er. Sein Fazit: Trotz aller Härten und Rückschläge haben sich Helferinnen und Helfer als bemerkenswert resilient erwiesen. Nun gelte es, verstärkt die rechte Mischung aus digitalen Formaten und leibhaftigem Einsatz zu finden. Heinz’ Beispiel ist die Hilfe für ukrainische Flüchtlinge. „Das geht nicht per Zoom.“

Könnte man selbst mehr tun?

Doch dann ging es auch schon bald um die Preise selbst in der von Henning Noske moderierten Veranstaltung. Also: um das konkrete, das beispielhafte Engagement, von dem Tatjana Biallas, die Geschäftsführerin von Funke-Medien Niedersachsen, sagte, dass es sie nicht nur grundsätzlich beeindrucke, sondern dass es auch immer die Frage aufwerfe, ob man selbst nicht Möglichkeiten hätte, mehr in dieser Richtung zu tun.

Die Leser unserer Zeitung haben online, telefonisch oder per Post abgestimmt, wem die Ehre und die finanzielle Unterstützung zuteil wird. Insgesamt sind für die Gemeinsam-Preise 11.000 Euro ausgelobt, gestiftet von dem Braunschweiger Dom, der Braunschweiger Versorgungs-AG Co. KG BS Energy, VW-Personalvorstand Gunnar Kilian und unserer Zeitung.

Der erste Preis ist dabei mit 3500 Euro dotiert, und der Sieger darf zusätzlich als Andenken an diesen edlen Moment eine Skulptur – gestiftet von der Galerie Kaphammel – mit nach Hause nehmen.

Der erste Preis ging nach Ilsede

Dieses Zuhause liegt in diesem Jahr im Landkreis Peine. Der erste Preis ging an das Sommerferienprogramm in Ilsede. „Sie greifen die Wünsche, Bedürfnisse und Sehnsüchte von Kindern auf. Für dieses große ehrenamtliche Engagement, für all die unvergesslichen Momente der Unbeschwertheit, aber auch gleichzeitig für das gemeinschaftliche Lernen fürs Leben und das soziale Miteinander von jungen Menschen, die sich im Alltag vielleicht gar nicht begegnet wären, wurde das Ferienprogramm zum Gewinner des Gemeinsam-Preises 2022 gewählt“, sagte Chefredakteurin Dr. Kerstin Loehr in ihrer Laudatio und hob damit das vorbildliche ehrenamtliche Engagement hervor. Das zehnköpfige Team setzt sich für ein vielfältiges Freizeit- und Ferienangebot für alle Kinder der Region ein.

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Das Sommerferienprogramm ist eine Säule in der Arbeitsgemeinschaft der Ilseder Sportvereine. Bis zu tausend Kinder erreicht das Team jedes Jahr mit bis zu hundert Veranstaltungen. Doch es ist nicht nur eine Säule im Verein, sondern auch für viele Familien eine Säule im Alltag: Gerade wenn die gemeinsame Reise einfach nicht drin ist, schafft es das Team des Sommerferienprogramms, Glücksgefühle bei Kindern auszulösen und schenkt damit unbeschwerte Momente.


Preis für die „Greenteam Elm-Kids“

Der mit 2500 Euro dotierte zweite Preis ging an das „Greenteam ELM-Kids“. „Sieben starke Kinder engagieren sich für den Umweltschutz. Sie stellen aus alten Dingen Neues her: Briefumschläge, Insektenhotels und Fledermaushäuser – um nur einiges zu nennen“, beschrieb in ihrer Laudatio Ann-Kristin Hartz, Geschäftsführerin der Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt an Frauen, Mädchen, Jungen, das Engagement und ergänzte: „Ihr macht Mut zum Mitmachen. Das ist stark. Und ich wünsche mir, dass ihr viele kleine, aber vor allem auch große Leute ansteckt, mitzumachen. Denn sie tragen die Verantwortung.“


Dritter Preis für Jens L. Heinrich

Den mit 1.500 Euro dotierten dritten Preis bekam in diesem Jahr der Wolfsburger Hobbyfotograf Jens L. Heinrich. Er gestaltet seit 2012 einen Benefizkalender mit Wolfsburger Fotomotiven und spendet die Einnahmen an die „Villa Bunterkund“. „Von Anfang an ging der Erlös dorthin, in diese Einrichtung, wo schwerkranke Kinder und deren Familien Kraft schöpfen können“, sagt Jury-Mitglied und Oberlandeskirchenrat Thomas Hofer in seiner Laudatio. „Man kann mit Kunst viel Freude machen und viel Gutes tun. Kunst hilft anderen Menschen, das zeigt Jens Heinrich.“


Jugendpreis geht nach Süpplingenburg

Unabhängig vom Leservotum vergibt der Braunschweiger Dom in jedem Jahr einen Sonderpreis für Jugendliche. Er ist mit 1000 Euro dotiert und ging in diesem Jahr an die „Dirtbike-Strecke Süpplingenburg“. Die beiden Teenager Luca Symietz und Justus Heine haben für ihren Traum einer Dirtbike-Strecke gekämpft und tatkräftig selbst angepackt. „Etwas umsetzen zu wollen und es dann auch zu tun, ist eine wirklich große Sache. Und dafür haben sie sich mit vielen politisch Verantwortlichen auseinandergesetzt und diese letztlich überzeugt“, so hieß es in der in wirkungsvoller Wechselrede vorgetragenen Lobrede der Gewinner des Vorjahres, die in einem wunderbar einfachen Satz gipfelte: „Ihr habt es voll verdient!“


Ein Sonderpreis fürs Radeln

Jede Fahrt ist anders und doch ist das Ziel immer gleich: Lebensfreude. Mit dem Sonderpreis in Höhe von 1500 Euro zeichnete die Jury das Projekt „Radeln ohne Alter“ aus. Ein Projekt der Bürgerstiftung Braunschweig, bei welchem rund 90 Ehrenamtliche bestimmte Seniorinnen und Senioren mit einer E-Rikscha durch die Stadt fahren, um sie wieder am Leben in der Stadt und Natur teilhaben zu lassen.

VW-Personalvorstand Gunnar Kilian hob hervor, dass Beweglichkeit nicht nur ein gesellschaftliches Grundbedürfnis sei: „Mobilität ist ein verbindendes Element unserer Gesellschaft. Und doch fehlt sie manchen Menschen leider oft. Zwar sind wir bei Volkswagen in den technischen Möglichkeiten des autonomen – des fahrerlosen – Fahrens sehr weit fortgeschritten. Doch die infrastrukturellen und gesetzlichen Rahmen werden noch Zeit in Anspruch nehmen, um es überall im Alltag zu integrieren. Doch es gibt Bürgerinnen und Bürger in Braunschweig, die hier Abhilfe leisten. Daher freue ich mich sehr über die Preisträger des diesjährigen Sonderpreises der Jury.“


„Zuversichts“-Preis für Uwe Scholz

Und dann blieb man gleich beim Thema Mobilität: Ebenfalls durch Entscheidung der Jury wurde zum ersten Mal der „Zuversichts“-Preisträger gekürt. Diese Ehrung für Ehrenamtliche der Region soll vor allem Mut machen. Unsere Zeitung möchte mit dem Partner BS Energy Menschen fördern und unterstützen, die in der Corona-Krise Besonderes geleistet haben. In diesem Jahr wurde mit dem „Zuversichts“-Preis in Höhe von 1000 Euro Uwe Scholz und sein Charity-Lauf in Corona-Zeiten ausgezeichnet. „Zuversicht war vielleicht noch nie so wichtig und gleichzeitig so schwierig zu erreichen wie in den letzten Monaten und Jahren“, erklärte BS-Energy-Vorstand Dr. Volker Lang, der die Laudatio hielt. Ein Weg, zuversichtlich zu bleiben, könne darin bestehen, Verantwortung zu übernehmen – nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere. „Im Corona-Jahr 2021 hat Uwe Scholz hunderte Menschen mobilisiert für zwei Charity-Lauftage unter der Flagge seines Vereins SC Rot-Weiß Volkmarode. Die Teilnehmenden und die Sponsoren wandelten jeden gelaufenen Kilometer in Euro um und haben damit Gutes in schwierigen Zeiten getan.“

Fragen zum Artikel? Mailen Sie uns: redaktion.online-bzv@funkemedien.de

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