Oscars 2019: „Green Book“ ist bester Film des Jahres

Los Angeles  Das Rassismusdrama „Green Book“ wurde bei der Oscar-Verleihung als bester Film geehrt. Die deutschen Nominierten gingen leer aus.

Tony „The Lip“ Vallelonga (Viggo Mortensen, l.) und Don Shirley (Mahershala Ali) in einer Szene des Films „Green Book“.

Tony „The Lip“ Vallelonga (Viggo Mortensen, l.) und Don Shirley (Mahershala Ali) in einer Szene des Films „Green Book“.

Foto: Patti Perret / dpa

Das US-Rassimusdrama „Green Book – Eine besondere Freundschaft“ ist auf der Oscar-Verleihung in Los Angeles zum besten Film des Jahres gekürt worden. Der Film von Peter Farrelly gewann in der Nacht die begehrte Oscar-Trophäe. Eine von insgesamt drei Auszeichnungen für den Film über die ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem schwarzen Musiker und seinem weißen Chauffeur in den 60er-Jahren in den USA.

Der Musikfilm „Bohemian Rhapsody“ über die Band Queen und ihren Frontmann Freddy Mercury belegte mit vier Oscars den Spitzenplatz dieser Gala-Nacht.

Keine Oscars für die deutschen Nominierten

Die Deutschen gingen bei der Gala in Los Angeles leer aus. Vier Mal waren Filmschaffende oder Produktionen aus Deutschland nominiert – am Ende gingen die Preise aber an andere.

Den romantischsten Moment jedenfalls lieferten Lady Gaga und Bradley Cooper. Sie sangen den nominierten Song „Shallow“ live im Duett – und sorgten damit für einen intimen Moment auf der Bühne.

Ein Deutscher wurde dann aber doch gewürdigt: Karl Lagerfeld. Karl Lagerfeld eingeäschert – Stars würdigen ihn bei Oscars.

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Oscar 2019 – Das sind die Gewinner in den wichtigsten Kategorien:

• Bester Film: „Green Book - Eine besondere Freundschaft“

• Beste Regie: Alfonso Cuarón für „Roma“

• Bester Hauptdarsteller: Rami Malek für „Bohemian Rhapsody“

• Beste Hauptdarstellerin: Olivia Colman für „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“

• Bester Nebendarsteller: Mahershala Ali für „Green Book - Eine besondere Freundschaft“

• Beste Nebendarstellerin: Regina King für „If Beale Street Could Talk“

• Bester Song: „Shallow“ von Lady Gaga, Mark Ronson, Anthony Rossomando und Andrew Wyatt aus dem Film „A Star Is Born“

• Bester nicht-englischsprachiger Film: „Roma“

• Beste Kamera: Alfonso Cuarón für „Roma“

• Bestes Original-Drehbuch: Nick Vallelonga, Brian Currie und Peter Farrelly für „Green Book - Eine besondere Freundschaft“

• Bestes adapitiertes Drehbuch: Charlie Wachtel, David Rabinowitz, Kevin Willmott und Spike Lee für „BlacKkKlansman“

• Beste visuelle Effekte: Paul Lambert, Ian Hunter, Tristan Myles und J.D. Schwalm für „Aufbruch zum Mond“

• Bester Ton-Schnitt: „Bohemian Rapsody“

• Beste Ton-Mischung: „Bohemian Rapsody“

• Bester Film-Schnitt: „Bohemian Rapsody“

• Beste Original-Filmmusik: „Black Panther“

• Beste Ausstattung: „Black Panther“

• Beste Kostüme: „Black Panther“

• Beste Maske: „Vice – Der zweite Mann“

• Bester animierter Langfilm: „Spider-Man: A New Universe“

• Bester animierter Kurzfilm: „Bao“

• Bester Live-Action-Kurzfilm: „Skin“

• Beste Kurz-Dokumentation: „Period. End of Sentence“

• Bester Dokumentar-Langfilm: „Free Solo“

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Rami Malek räumte den Preis als bester Hauptdarsteller ab

Rami Malek gewann den Preis als bester Hauptdarsteller für seine Rolle des Queen-Sängers Freddie Mercury in „Bohemian Rhapsody“. Gleich bei seiner Erstnominierung setzte sich der 37-Jährige damit gegen Hollywood-Größen wie Christian Bale, William Dafoe und Bradley Cooper durch.

Nicht nur das: In den sozialen Netzwerken wird Rami Malek gefeiert, weil er der erste US-Amerikaner mit arabischen Wurzeln ist, der einen Oscar als bester Hauptdarsteller gewonnen hat. „Ich bin der Sohn ägyptischer Einwanderer“, hatte er in seiner Dankesrede gesagt. „Ich bin ein Amerikaner erster Generation. Ein Teil meiner Geschichte wird in diesem Moment geschrieben.“

Dass er nun einen Oscar in der Hand halte, sei ein Beweis dafür, dass Träume sich erfüllen können, sagte der Schauspieler in Interviews im Backstage-Bereich. Der Islamwissenschaftler Issam Hadschi, der ebenfalls ägyptische Wurzeln hat und in Los Angeles lebt, twitterte als Reaktion auf Maleks Sieg: „Maleks Oscar-Gewinn bestätigt, dass die Söhne von Migranten eine Menge Talente besitzen und eine Quelle für Inspiration für diese Nation sind.“

Auch die deutsche Staatssekretärin Sawsan Chebli kommentierte Maleks Gewinn auf Twitter: „Er ist der Stolz der Araber“, schrieb sie. Es tue den Menschen im Nahen Osten gut, auch mal wieder stolz sein und einen Star feiern zu können.

Beste Hauptdarstellerin: Colman setzte sich gegen Favoritin Glenn Close durch

Überraschend in der Kategorie als beste Hauptdarstellerin hat die britische Schauspielerin Olivia Colman gewonnen. Ebenfalls mit ihrer Erstnominierung behauptete Colman sich damit gegen die als Favoritin gehandelte US-Schauspielerin Glenn Close – die trotz siebenfacher Oscar-Nominierung wieder leer ausging.

Colman selbst wandte sich in ihrer Rede direkt an Glenn Close, die sie als ihr langjähriges Vorbild bezeichnete. „Ich wollte nicht, dass es so kommt“, sagte die 45-Jährige an Close gewandt. Colman bekam den Preis für ihre Rolle als herrische Regentin Anne Stuart im Historiendrama „The Favorite – Intrigen und Irrsinn“. Die in den USA weniger bekannte Schauspielerin eroberte mit ihrer charmanten und gewitzten Rede jedoch im Sturm die Herzen aller Anwesenden.

„Das ist ziemlich stressig“, begann Olivia Colman ihre Rede, sichtlich um Fassung ringend. Die Oscar-Preisträgerin wandte sich auch an ihre Kinder, von denen sie ausging, sie würden die Show mit verfolgen. „Wenn nicht, dann gut gemacht“, scherzte die dreifache Mutter. „Das wird nicht noch einmal passieren“.

Auf die britische Schauspielerin wartet bereits die nächste königliche Rolle: In der dritten und vierten Staffel der Netflix-Serie „The Crown“ soll Colman Queen Elizabeth II verkörpern.

Als beste Nebendarsteller gewinnen Mahershala Ali und Regina King

In den Kategorien als beste Nebendarsteller und Nebendarstellerin gewannen zwei afroamerikanische Schauspieler: Mahershala Ali wurde für seine Rolle in „Green Book“ ausgezeichnet und Regina King für ihre Darbietung im Drama „If Beale Street Could Talk“.

Diese Preisträger sorgten mit ihren Trophäen für eine weitere Premiere des Abends: Zum ersten Mal gewannen zwei schwarze Schauspieler bei einer Oscar-Verleihung.

Für Mahershala Ali („Moonlight“, 2017) war es der zweite Oscar, den er in der Kategorie gewann. Die tränenreiche Rede von Regina King gilt ebenfalls als eine der rührendsten Ansprachen der Oscar-Nacht.

Regisseur Spike Lee kritisiert US-Präsident Trump

Die politischste Rede hielt wohl Regisseur Spike Lee. Er bekam den Oscar für die Polit-Satire „BlacKkKlansman“.

„Vor der ganzen Welt erweise ich unseren Vorfahren, die dieses Land aufgebaut haben, meine Ehre“, sagte der US-Regisseur. Vor 400 Jahren seien ihre Vorfahren aus Afrika geraubt und versklavt worden. Es sei wichtig, von den Vorfahren zu lernen, sagte er. „Dann erlangen wir unsere Menschlichkeit wieder.“

Der Regisseur verriet hinter den Kulissen anschließend, dass er ursprünglich zwei Reden für den Auftritt auf der Oscar-Bühne vorbereitet hatte. Neben der politischen Rede hatte er eine Rede mit Danksagungen parat. Lee dachte sich aber: „Mein schwarzer Hintern mag es nicht noch einmal hier rauf schaffen“ – weshalb er sich dann letztendlich für die Rede entschied, in der er daran erinnerte, bei den Präsidentschaftswahlen 2020 „auf der richtigen Seite“ der Geschichte zu stehen.

Im Backstage mahnte Spike Lee auch US-Präsident Donald Trump an, sich bei den rechtsextremen Ausschreitungen in Charlottesville 2017 nicht eindeutig genug von Neo-Nazis, Ultrarechten und Ku-Klux-Klan distanziert zu haben. Auf diese Kritik stellte Trump in einem Tweet die Behauptung auf, er habe mehr für Afroamerikaner getan „als fast jeder andere“ amerikanische Präsident. Zum Beispiel mit Strafrechtsreform, niedrige Arbeitslosenzahlen und Steuerminderungen.

Oscar 2019 – Deutscher Film „Werk ohne Autor“ ging leer aus

Der Film „Werk ohne Autor“ von Florian Henckel von Donnersmarck war unter den fünf Nominierten in der Sparte „nicht-englischsprachiger“ Film, zudem war auch Kameramann Caleb Deschanel für den Film nominiert. Beide Auszeichnungen gingen an den Film „Roma“ des mexikanischen Regisseurs Alfonso Cuarón.

Für den 45-jährigen von Donnersmarck war es bereits die zweite Oscar-Chance seiner Karriere: Im Jahr 2007 hatte er mit dem Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“ den Auslands-Oscar geholt.

Nominiert war auch die deutsch-syrisch-libanesische Produktion „Of Fathers and Sons – Die Kinder des Kalifats“ des in Berlin lebenden Syrers Talal Derki. Er ging in der Kategorie „Beste Dokumentation“ ins Rennen. Vierte Nominierte war die deutsche Make-up-Artistin Pamela Goldammer – sie war für ihre Arbeit im Fantasyfilm „Border“ nominiert.

Die 91. Oscar-Verleihung hatte diesmal keinen festen Moderator, dadurch fiel die Gala deutlich straffer und geschäftsmäßiger aus als früher.

Selma Blair zeigt sich erstmals seit Erkrankung an Multipler Sklerose

Für eine weitere Überraschung sorgte auch der Auftritt der Schauspielerin Selma Blair. Die 46-jährige Schauspielerin („Eiskalte Engel“) hat sich seit Bekanntwerden ihrer Erkrankung an Multipler Sklerose das erste Mal wieder in der Öffentlichkeit gezeigt. Zur Oscar-Party erschien sie in einem langen Abendkleid und hatte einen Gehstock dabei.

Auf Instagram teilte Blair, die kämpferisch mit ihrer Erkrankung umgeht, vor der Verleihung ein Bild von der Gehhilfe. (dpa/sdo/tan)

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