Scientology-Kreuzfahrtschiff wegen Masern unter Quarantäne

Berlin  Ein Besatzungsmitglied ist an Masern erkrankt: Deshalb steht ein Kreuzfahrtschiff unter Quarantäne. Der Arzt an Bord bat um Impfstoff.

Das Kreuzfahrtschiff „Freewinds“ der Scientology-Sekte steht wegen eines Masern-Falls an Bord unter Quarantäne.

Das Kreuzfahrtschiff „Freewinds“ der Scientology-Sekte steht wegen eines Masern-Falls an Bord unter Quarantäne.

Foto: Stringer . / Reuters

Ein Kreuzfahrtschiff, das offenbar von der Scientology-Sekte betrieben wird, steht Medienberichten zufolge wegen eines Masern-Falls an Bord unter Quarantäne. Wie die US-Sender CNN und MSNBC berichten, soll ein Mitglied der Besatzung an Masern erkrankt sein. Niemand darf demnach das Schiff, das in der Karibik unterwegs ist, verlassen.

Offizielle Stellen in St. Lucia bestätigten den Fall, gaben aber nicht an, um welches Schiff es sich handelt. Das Kreuzfahrtschiff hatte den Berichten zufolge in Port Castries auf der Karibikinsel St. Lucia angelegt. Eine Regierungsbeamtin von St. Lucia erklärte, dass sich weniger als 300 Menschen an Bord befänden. Sie dürften das Schiff nicht verlassen. Die erkrankte Frau sei an Bord isoliert worden.

Kreuzfahrtschiff-Arzt bat um 100 Dosen Masern-Impfungen

Der Schiffsarzt habe am Donnerstag (Ortszeit) um 100 Dosen der Masern-Impfung gebeten, zitiert CNN aus einer Mitteilung des Gesundheitsministeriums von St. Lucia. Die Impfungen seien zur Verfügung gestellt worden. Die Passagiere und die Crew würden vom Arzt an Bord überwacht. Eine weitere Überwachung sei nötig, weil die Inkubationszeit für Masern zehn bis zwölf Tage beträgt.

Laut dem CNN-Bericht handelt es sich um das Kreuzfahrtschiff „Freewinds“, Es sei am Dienstag in S. Lucia angekommen und soll sich inzwischen auf dem Weg zu seinem Heimathafen auf der Karibikinsel Curaçao befinden.

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Dass Kreuzfahrtschiffe unter Quarantäne gestellt werden, kommt immer wieder vor: Im vergangenen Jahr mussten Passagiere eines Kreuzfahrtschiffes wegen eines Novovirus-Ausbruches tagelang auf dem Schiff verharren.

Debatte über Impfpflicht für Masern

Masern sind eine hochansteckende Infektionserkrankung. In der Vergangenheit hat die Debatte über die Masern-Impfung an Fahrt aufgenommen, weil immer mehr Menschen keinen ausreichenden Impfschutz haben und es zu einer Rekordzahl von Erkrankungen kommt. In Teilen von New York war im April der Notstand ausgerufen worden, weil sich die Masern ausbreiteten.

Auch manche Schulen und Kitas in Deutschland ziehen die Notbremse: Eine Kita in Essen etwa nimmt nur geimpfte Kinder auf, an einer Schule in Hildesheim dürfen Kinder ohne Masern-Impfung nicht zum Unterricht. Bereits 2018 hatte es einen Masern-Rekord in Europa gegeben, Zehntausende waren an der Infektion erkrankt. Die wachsende Impfmüdigkeit alarmiert auch die Europäische Union.

Gesundheitsminister Jens Spahn fordert, dass die Masernimpfung verpflichtend werden muss. Auch Familienministerin Franziska Giffey unterstützt den Vorstoß für eine Impfpflicht. Viele Menschen halten Impfungen für unnötig oder sogar gefährlich. Die Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Heidrun Thaiss, beklagt „ein gefährliches Unwissen über Masern“. (moi)

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