Jürgen Vogel als Alpen-Ötzi – mit Fellkostüm gegen die Kälte

Berlin.  Filmstar Jürgen Vogel über seine Rolle als Steinzeitmensch Ötzi, die heftigen Dreharbeiten in den Alpen und den Humor vor 5000 Jahren.

Jürgen Vogel will noch länger körperlich anspruchsvolle Rollen spielen. So bleibe man fit, sagt der 52-Jährige.

Jürgen Vogel will noch länger körperlich anspruchsvolle Rollen spielen. So bleibe man fit, sagt der 52-Jährige.

Foto: AF archive / Alamy Stock Photo

Er ist die älteste und berühmteste Mumie der Welt: Ötzi, der vor rund 5300 Jahren in den Ötztaler Alpen in Südtirol ums Leben kam und dessen erstaunlich gut erhaltenen sterblichen Überreste 1991 dort gefunden wurden. Um die aufregenden letzten Tage im Leben des Steinzeitmenschen dreht sich der Spielfilm „Der Mann aus dem Eis“, der in der ZDF-Mediathek zu sehen ist.

Jürgen Vogel verkörpert in dem fiktiven Steinzeit-Thriller den prähistorischen Helden, der im Film Kelab heißt und Oberhaupt einer Siedlung in den Alpen ist. Als Kelab eines Tages auf der Jagd ist, wird das Steinzeitdorf überfallen und seine gesamte Sippe ermordet. Kelab sinnt auf Rache und macht sich im unwirtlichen Gebirge auf die Suche nach den Mördern.

Herr Vogel, waren die Fellklamotten, in denen Sie im Film unterwegs sind, einigermaßen bequem?

Jürgen Vogel: Die Klamotten waren überraschend komfortabel, in denen habe ich mich richtig wohl gefühlt. Ich hatte am Anfang ganz schön Angst wegen der Kälte, aber diese Sachen haben den Körper unglaublich warm gehalten. Unsere Kostümbildnerin hat sich genau angeschaut, was Ötzi so getragen hat und die Sachen dann nach dieser Vorlage geschneidert. Weil die Nähte an der Haut so stark geschabt haben, musste sie nur noch ein kleines Innenfutter einnähen. Die Fellkleidung war zwar ziemlich schwer, aber warm – die Menschen damals wussten schon, wie man sich gegen Kälte schützt.

Zu welcher Jahreszeit haben Sie denn in Südtirol gedreht?

Vogel: Die Dreharbeiten zogen sich vom Spätsommer über den Herbst bis in den Winter, wir haben also in drei Jahreszeiten gedreht. Zu Beginn hatten wir noch viel Sonne und es war richtig warm, aber das war mit den Klamotten okay, so ein Fell ist ja regelrecht atmungsaktiv (lacht). Dann wurde es immer kälter, was auch damit zu tun hatte, dass wir während der Dreharbeiten immer höher hinaufgezogen sind. Wir waren am Anfang so bei tausend Metern und in den letzten Sequenzen dann auf einer Höhe von etwa dreieinhalbtausend Metern auf einem Gletscher. Da war es dann schon richtig kalt, so minus zehn bis minus 15 Grad.

Sie mussten als Ötzi eine Menge Gepäck durch die Gegend schleppen…

Vogel: Allerdings, der hatte auf seiner Wanderung durchs Gebirge viel Trockenfleisch und andere getrocknete Lebensmittel dabei, dazu kamen seine Axt, sein Dolch, seine Pfeile, all sowas. Alles in allem waren das so 15 Kilo Gepäck und Waffen. Das war schon sehr anstrengend, aber ich mag ja solche körperlichen Herausforderungen.

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Wie lange können Sie solche Filme noch machen – Sie sind mit 52 ja auch nicht mehr der Allerjüngste?

Vogel: Je mehr ich solche Sachen mache, desto länger kann ich das auch noch tun. Dreharbeiten wie diese halten einen ja auch fit.

Treiben Sie nach wie vor noch viel Sport?

Vogel: Ja, ich bin sportlich immer noch ganz gut unterwegs, gehe viel joggen, mache Kampfsport, habe ein Rudergerät zu Hause. Als Schauspieler hat man ja auch die Verpflichtung, sich fit und gesund zu halten, finde ich. Ich bin zwar 52, aber immer noch ganz gut in Schuss (lacht). Wie lange das noch so sein wird, weiß ich natürlich nicht.

Haben Sie speziell für diesen Film trainiert?

Vogel: Habe ich, und zwar mit zusätzlichem Lauftraining. Ich habe auch während der Dreharbeiten in den Bergen viel gejoggt, um meinen Körper an die Belastung in der Höhe zu gewöhnen, dort ist der Stoffwechsel ja ein anderer.

Wie viele Stunden täglich mussten Sie das Fellkostüm tragen?

Vogel: So zehn Stunden am Tag waren das schon, ich konnte das Ding ja auch nicht in jeder kleineren Pause ausziehen. Das Fell war am Ende fast angewachsen (lacht). Abends war ich natürlich froh, wenn es wieder runterkam.

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Was glauben Sie: War das Leben vor 5000 Jahren ein einziger Überlebenskampf oder hatten die Menschen damals auch ihre heiteren Momente?

Vogel: Ich glaube schon, dass die auch ihre heiteren Momente hatten, die haben auch Glück und Liebe erlebt, ganz ähnlich wie wir heute. Die kannten die ganze Palette an Gefühlen wie wir auch, aber der Existenzkampf war für sie natürlich viel radikaler als für uns. Die Frage von Leben oder Tod wurde oft auch von der Natur entschieden: Wenn du zum Beispiel nicht jagen konntest, dann wurde es schnell ganz eng.

Sie sind in Ötzis Welt vor 5000 Jahren eingetaucht. Was würde er denn sagen, wenn er unsere Welt kennenlernen würde?

Vogel: Ich glaube, der würde kaum was kapieren. Wenn er auf seiner Zeitreise in einem ganz armen Land irgendwo in der Dritten Welt landen würde, käme er wahrscheinlich noch ganz gut zurecht, weil die Menschen dort ja heute noch ums Überleben kämpfen müssen. Aber wenn er es mit unserer hochtechnisierten Wohlstandsgesellschaft zu tun bekäme, hätte er wohl so seine Probleme.

Haben Sie sich die original Ötzi-Mumie denn mal angeguckt?

Vogel: Habe ich, die ist ja in Bozen im Museum ausgestellt. Er ist überraschend klein, und das bin ich ja auch – schon von daher hat die Rolle ganz gut zu mir gepasst (lacht).

Und wie sind Sie bislang durch die Coronakrise gekommen?

Vogel: Ganz gut, ich war ganz froh, dass ich mal ein paar Dinge im Garten machen konnte, die angepackt werden mussten. Ich habe auch im Haus viel aufgeräumt, Lampen angebracht, einfach alles, was mal anstand.

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