Yvonne Catterfeld: „Ich sehne mich nach mehr Tiefe“

Berlin.  Sängerin Yvonne Catterfeld spricht über die Jubiläumsstaffel von „The Voice of Germany“, Corona und die Gefahren der sozialen Medien.

Yvonne Catterfeld auf der diesjährigen Berlinale.

Yvonne Catterfeld auf der diesjährigen Berlinale.

Foto: Isa Foltin / Getty Images

Die Castingshow „The Voice of Germany“ feiert Jubiläum: Zum zehnten Mal werden die begabtesten Sängerinnen und Sänger Deutschlands gesucht. In der neuen Staffel (ab 8. Oktober jeweils donnerstags auf ProSieben und sonntags bei Sat.1) sind sechs musikalische Experten als Juroren und Coaches dabei – darunter auch Sängerin und Schauspielerin Yvonne Catterfeld. Wir haben mit der 40-Jährigen gesprochen.

Frau Catterfeld, nach einem Jahr Pause kehren Sie jetzt als Coach zur Castingshow „The Voice“ zurück – und teilen sich einen Stuhl mit Stefanie Kloß. Ist das in Zeiten von Corona denn erlaubt?

Yvonne Catterfeld: Corona war im Vorfeld ein großes Thema für uns. Es war natürlich allen klar, dass wir die behördlichen Hygieneauflagen erfüllen müssen, deshalb ist jetzt eine Plexiglasscheibe zwischen Stefanie und mir. Das ist schade, denn wir sind beide sehr körperliche Menschen, wir brauchen es, uns zu umarmen, auch mal anzustupsen und was zuzuflüstern – das fehlt jetzt leider. Aber man muss dankbar sein, dass wir die Sendung überhaupt machen können in diesen Zeiten.

Wie ist es Ihnen bislang in der Krise ergangen?

Catterfeld: Eigentlich gut. Mein Partner und ich sind vor einem Jahr in ein Haus am Rand von Berlin gezogen und haben seitdem einen Garten, das war ein Segen. Unser Sohn hat es genossen, dass wir beide am Stück acht Monate lang daheim waren. Ich hatte auch keine Tournee geplant, die verschoben werden musste. Aber ich kenne viele Künstler, die in ihrer finanziellen Existenz bedroht sind, die Lage ist immer noch dramatisch.

Sie waren schon mehrmals bei „The Voice of Germany“ dabei, haben aber zuletzt pausiert, um Zeit für Ihre eigene Musik zu haben...

Catterfeld: Wenn ich als Coach bei „The Voice“ bin, dann genieße ich das und lebe es – und bin damit sehr intensiv beschäftigt. Dazu kommen die Dreharbeiten für die Krimireihe „Wolfsland“, und ich reserviere immer viel Zeit für meine Familie. Da war zuletzt wenig Platz für die Musik, und irgendwann wurde mir klar: Ich muss mich als Künstlerin wieder suchen und herausfordern, denn ich habe ja auch was zu sagen und zu geben.

Die aktuelle Staffel ist die Jubiläumsstaffel von „The Voice of Germany“. Was war bisher Ihr persönliches Highlight?

Catterfeld: Es gab wahnsinnig viele tolle Momente. Aber mein Highlight war wohl doch, dass ich Alicia Keys, meine absolute Lieblingsmusikerin, kennenlernen und gemeinsam mit ihr einen Tag lang coachen durfte. An einem anderen Tag mit ihr war ausnahmsweise auch mein damals kleiner Sohn mit im Studio, er saß auf dem roten Stuhl, durfte auf den Buzzer hauen und hat Alicia Keys ebenfalls kennengelernt, aber er wusste natürlich nicht, wer das war (lacht).

Weiß er, dass seine Mama eine berühmte Musikerin und Schauspielerin ist und sein Papa Oliver Wnuk ebenfalls Schauspieler?

Catterfeld: Im Großen und Ganzen halten wir unseren Sohn noch vorm Fernsehen fern, aber er weiß schon, was mein Mann und ich machen, und er hat auch schon mal „The Voice“ geschaut. Musik ist bei uns zuhause ganz wichtig. Wir haben einen Flügel, Gitarren, E-Piano und ein Schlagzeug, wir sind ein musikalischer Haushalt. Oli kann auch erstaunlich viele Instrumente spielen, bei uns wird oft Musik gemacht.

Wie gehen Sie mit Social Media um?

Catterfeld: Ich ziehe mich regelmäßig für zwei, drei Wochen raus, ganz bewusst. Ich habe ehrlich gesagt schon Angst, wenn wir mal nicht drum rum kommen, meinem Sohn ein Handy zu geben, wenn er mal zwölf oder 13 ist. Diese Plattformen sind in meinen Augen auch eine große Gefahr, denn sie fördern Konkurrenzdenken und Unsicherheit, nach dem Motto: Mein Leben ist langweilig, die anderen machen viel tollere Sachen. Und mich wundert, wie künstlich viele Leute da aussehen, man sieht die Menschen hinter den ganzen angeklebten Wimpern gar nicht. Und dann gibt es Künstler, die sind auf den ersten Blick total unscheinbar, aber die haben was zu sagen. Ich sehne mich nach mehr Tiefe. Ich hoffe es kommt bald die Zeit, wo man sagt: Wir haben die Nase voll von Belanglosigkeiten.

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