Corona-Impfung: Das sind mögliche Nebenwirkungen

Berlin.  Drei Impfstoffe gegen das Coronavirus werden bereits verabreicht. Doch was ist bislang über die möglichen Nebenwirkungen bekannt?

Lesedauer: 7 Minuten
Corona-Impfstoffe: Diese Nebenwirkungen gibt es

Seit Dezember wird in Deutschland geimpft. Inzwischen gibt es drei Impfstoffe, die in Deutschland zugelassen sind. Doch was gibt es für Nebenwirkungen? Das Video gibt einen Überblick.

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  • In Deutschland sind die Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca zugelassen
  • Fünf Prozent der Deutschen haben bereits eine Erstimpfung erhalten (Stand: 3. März)
  • Viele Menschen fragen sich: Welche Nebenwirkungen gibt es bei den Vakzinen? Ein Überblick

Die Impfstoffkampagne der Bundesregierung läuft nun seit Ende Dezember. Zunächst wurde der Impfstoff von Biontech/Pfizer verabreicht, dann auch das Vakzin mRNA-1273 von Moderna und schließlich auch der Impfstoff von Astrazeneca.

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Doch schnell nach dem Beginn der Impfkampagne wurde klar: Viele Menschen sind zwiegespalten. Einerseits wollen sie sich gegen eine Infektion mit dem Coronavirus schützen – andererseits fürchten sie Nebenwirkungen durch die Impfung.

Corona-Impfung: Drohen Nebenwirkungen?

Nach Impfungen kann es grundsätzlich immer zu Reaktionen und Nebenwirkungen kommen – auch bei ganz herkömmlichen Spritzen wie Tetanus- oder Mumps-Masern-Röteln-Impfungen.

Jeder, der sich schon einmal hat impfen lassen, kennt es: Um die Einstichstelle herum kann es zu Rötungen, Schwellungen oder Schmerzen kommen. Auch ein leichtes Krankheitsgefühl mit Kopfschmerzen ist möglich. Diese Art Nebenwirkung werden auch als unerwünsche Reaktion bezeichnet. Das sind laut Robert Koch-Institut normale Nebenwirkungen einer Impfung. Das Immunsystem zeige durch die Impfreaktion, dass es sich wie beabsichtigt mit dem Impfstoff auseinandersetzt. Derartige Nebenwirkungen würden in wenigen Tagen abklingen.

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Nebenwirkungen, die über eine normale Impfreaktion hinausgehen, werden als schwerwiegende Reaktion bezeichnet. Diese sind laut Robert Koch-Institut jedoch äußerst selten. Doch was muss man nach einer Corona-Impfung erwarten? Was über die Nebenwirkungen der Hoffnungsträger bislang bekannt ist.

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Biontech/Pfizer-Impfstoff: Was ist über Nebenwirkungen bekannt?

Die Unternehmen Biontech und Pfizer waren die ersten, die eine Impfstoffzulassung in der EU bekommen haben. Das Vakzin des Mainzer Unternehmens und des US-Konzerns gilt mit einer Wirksamkeit von 95 Prozent als einer der größten Hoffnungsträger im Kampf gegen die Pandemie. Der Stoff mit der Bezeichnung BNT162b2 funktioniert nach Angaben der Firmen über alle Altersgruppen hinweg ähnlich gut. Zudem zeige er praktisch keine ernsten Nebenwirkungen.

Bei der letzten klinischen Großstudie habe man bei älteren Patienten die wenigsten und schwächsten Nebenwirkungen beobachtet. Als einzig signifikante Nebenwirkungen seien bei einigen Studienteilnehmern Kopfschmerzen und Müdigkeit festgestellt worden, erklärten die Hersteller.

Das Paul Ehrlich-Institut überwacht die Nebenwirkungen von Corona-Impfstoffen

In Deutschland überwacht das Paul Ehrlich-Institut die Nebenwirkungen von Corona-Impfstoffen. Dazu veröffentlichen die Experten in regelmäßigen Abständen Sicherheitsberichte zu aufgetretenen Nebenwirkungen. Bis zum 17. Januar wurden laut dem Institut 1.136.573 Personen mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer geimpft. Dabei wurden dem Paul-Ehrlich Institut bei 654 Personen ein Verdacht auf Nebenwirkungen gemeldet, was einer Quote von 0,06 Prozent entspräche.

In diesen Fällen seien 2629 unerwünschte Reaktion geschildert worden, teilt das Institut weiter mit.

Das sind Nebenwirkungen wie

  • Kopfschmerzen,
  • Schwindel,
  • Hautreizungen oder
  • Magen-Darm-Beschwerden.

Schwerwiegende Reaktion wurden 145 mal geschildert.

Corona-Impfstoff: Gibt es Langzeitfolgen?

Über mögliche Langzeitfolgen ist allerdings noch nichts bekannt – schließlich wurde das Vakzin im Eiltempo entwickelt. Im Rahmen von Langzeitstudien wird nach Unternehmensangaben nun an 150 Orten weltweit die Langzeitwirkung des Impfstoffes erforscht, unter anderem in Deutschland, den USA, der Türkei und Südafrika. Dadurch wollen die Entwickler langfristige Nebenwirkungen ausschließen.

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Moderna-Impfungen: Das weiß man über Nebenwirkungen

Auch der Impfstoff des US-Biotechnologieunternehmens Moderna ist bereits verabreicht worden. Das Mittel mit dem Namen mRNA-1273 hat eine Wirksamkeit von 94,1 Prozent, wie das Unternehmen mitteilte.

Nach Angaben des Konzerns wurde der Impfstoff in der Regel von den Probanden in den Studien gut vertragen. Die Mehrzahl der Nebenwirkungen wurde demnach als leicht oder mäßig eingestuft. Etwas schwerere Nebenwirkungen nach der zweiten Impfung wie etwa

  • Müdigkeit,
  • Muskel-,
  • Gelenk- oder
  • Kopfschmerzen sowie
  • Schmerzen nach dem Einstich

seien nur von „kurzer Dauer“ gewesen.

Bis zum 17. Januar wurden laut dem Paul Ehrlich-Institut 2724 Personen mit dem Vakzin von Moderna geimpft. Dabei sei in zwei Fällen der Verdacht auf Nebenwirkungen gemeldet worden. Das entspricht einer Quote von 0,07 Prozent. Die zwei Personen hätten elf nicht schwerwiegende Reaktionen auf den Impfstoff beschrieben.

Astrazeneca: Welche Nebenwirkungen hat der Impfstoff?

Der britisch-schwedische Konzern Astrazeneca hat ebenfalls vielversprechende Ergebnisse für seinen Corona-Impfstoffkandidaten gemeldet. Der gemeinsam mit der Universität Oxford entwickelte Impfstoff soll einen 70-prozentigen Schutz vor Covid-19 bieten. Im Fachjournal „The Lancet“ veröffentlichte Astrazeneca die Ergebnisse der Phase-2-Studie mit dem Impfstoff. Demnach traten bei älteren Probanden seltener Nebenwirkungen auf als bei den jüngeren.

Zu den Nebenwirkungen zählten

  • Schmerzen an der Einstichstelle,
  • Muskel- und Kopfschmerzen,
  • ein fiebriges Gefühl oder
  • Müdigkeit.

Da für die Wirksamkeit bei älteren Patienten aber lange keine detaillierten Daten vorlagen, wurde der Impfstoff in Deutschland bisher vorrangig an Personen zwischen 18 und 64 Jahren verabreicht - so hatte es zunächst auch die Ständige Impfkommission (Stiko) empfohlen.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse aus Schottland deuten allerdings darauf hin, dass der Impfstoff besser ist als sein Image. Wie aus einer Analyse mehrerer schottischer Universitäten und der Gesundheitsbehörde Public Health Schottland hervorgeht, wird das Risiko eines Klinikaufenthalts wegen Covid-19 einer vorläufigen Datenauswertung zufolge bereits durch die erste der zwei Impfungen mit dem Astrazeneca-Mittel um bis zu 94 Prozent reduziert.

Den Ergebnissen entsprechend will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nun auch über 65-Jährige möglichst bald mit dem Astrazeneca-Vakzin impfen lassen, wie er im ARD-"Morgenmagazin" mitteilte.

Den neuen Untersuchungsdaten entsprechend hat die Ständige Impfkommission auch die Empfehlung für den Impfstoff ausgeweitet. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums empfiehlt die Stiko den Impfstoff künftig auch für Ältere ab 65 Jahren. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete, eine entsprechende Stellungnahme der Stiko sei seit Mittwoch fertig, es liefen noch Abstimmungen.

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Für Aufsehen hatte ein Zwischenfall im September gesorgt, als die Studie kurzfristig unterbrochen werden musste: Ein Proband litt an einer Entzündung des Rückenmarks, die jedoch einem unabhängigen Expertengremium zufolge nicht im Zusammenhang mit der Impfung stand.

Greifen mRNA-Impfstoffe in das Erbgut ein?

Nein. Die Annahme, dass mRNA-Impfungen (dazu zählen die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna) das Erbgut verändern, hält sich unter Impfskeptikern hartnäckig. Allerdings ist dies nicht der Fall.

Die Immunisierung findet nur an den Körper- und Muskelzellen im Bereich des Einstichs statt, wie das Bundesministerium für Bildung und Forschung auf seiner Webseite informiert. Bei mRNA handle es sich um ein Botenmolekül, „das nicht in die DNA einer Zelle eingebaut werden kann und vom Körper abgebaut wird.“ Daher sei eine Veränderung des Erbguts, etwa durch die Beeinträchtigung von Eizellen und Spermien, nicht möglich. Lesen Sie dazu: Corona-Impfstoff: So funktioniert die mRNA-Impfung

(raer/jas/mit dpa/afp)

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