Medizinische Masken bald Pflicht: So pflegt man FFP2-Masken

Berlin.  Bundesweit soll das Tragen von medizinischen Masken Pflicht werden. Aber wie oft kann man eine teure FFP2-Maske benutzen?

Kann man FFP2-Masken säubern?

FFP2-Masken dienen - anders als der normale Mund-Nasen-Schutz - auch dem Eigenschutz des Trägers. Aber wie säubert man die Maske?

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  • Beim Corona-Gipfel am Dienstag haben sich Angela Merkel und die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten auf eine Pflicht zum Tragen medizinischer Masken geeinigt
  • Als medizinische Masken gelten OP- oder FFP2-Masken - sie müssen künftig im Einzelhandel und im öffentlichen Nahverkehr getragen werden
  • Doch viele Menschen haben bisher keine Erfahrungen mit den Masken: Kann man sie mehrmals verwenden? Kann man sie waschen?

Wer dieser Tage in Bayern den öffentlichen Nahverkehr nutzen möchte oder einkaufen gehen will, der muss sie schon tragen: die FFP2-Maske. Nun haben Bund und Länder beschlossen eine ähnliche Regel für das gesamte Bundesgebiet beschlossen.

Demnach müssen im Einzelhandel und im Nahverkehr künftig medizinischen Masken getragen werden. Gemeint sind OP-Masken oder sogar virenfilternde Masken der Standards KN95 oder FFP2.

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Weil die Masken relativ teuer sind, bekommen Menschen ab 60 Jahren und Angehörige anderer Risikogruppen ein bestimmtes Kontingent kostenlos vom Bund. Auch Bundesgesundheitsminister Spahn (CDU) hält den Schutz, den die Masken bieten, für wichtig: “Auch FPP2-Masken bieten keinen hundertprozentigen Schutz vor dem Coronavirus. Aber sie senken die Gefahr für eine Ansteckung erheblich."

Für eine FFP2-Maske zahlen Verbraucherinnen und Verbraucher zwischen zwei und vier Euro - so können erhebliche Kosten entstehen. Viele fragen sich nun, ob und wie man die Masken reinigen kann. Vom Erhitzen im Backofen bis zum Behandeln mit Dampf kursieren dazu verschiedene Theorien. Unsere Redaktion hat nachgefragt.

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FFP2-Masken: So können wiederverwendbare Varianten gereinigt werden

Wie wiederverwendbare FFP2-Masken für den Privatgebrauch gereinigt werden können, geht unter anderem aus einer Anleitung des Forscherteams der FH Münster und WWU Münster hervor.

Der These des Teams zufolge, das aus Virologen, Mikrobiologen, Hygienikern, Chemikern, Physikern, Gesundheitsökonomen und Designern besteht, können FFP2-Masken neben einer einwöchigen Trocknung bei Raumtemperatur auch im Backofen gereinigt werden.

Demzufolge könne SARSCoV-2 bei einem einstündigen Backen auf 80 Grad Ober- und Unterhitze vollständig inaktiviert werden.

Masken im Backofen: Filterleistung verschlechtert sich

Exbert-Geschäftsführer Daniel Lamping rät aus Infektionsschutzgründen allerdings stark davon ab, Masken in den Backofen zu schieben. Getestet hat es Lamping trotzdem: „Wir haben unsere FFP2-Maske, die eine Filterleistung von deutlich über 94 Prozent hat, 90 Minuten bei 90 Grad gebacken.“ Ergebnis: Die Filterleistung hat sich zwar verschlechtert, liegt aber immer noch über den für FFP2-Masken erforderlichen Werten.

„Generell lässt sich aber nicht sagen, ob FFP2-Masken so zu reinigen sind oder ob dabei der Filter kaputt geht. Das hängt auch stark vom Material ab“, so der Maskenhersteller. Man sehe einer Maske nicht an, ob sie gut filtert.

Corona-Schutz: Desinfektionsmittel zerstören die Filtereigenschaften der Maske

„Man kann FFP2-Masken nicht reinigen“, erklärt Peter Walger, Vorstandssprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), unserer Redaktion. Die Masken seien Einmalartikel. „In der Mangelsituation zu Beginn der Corona-Pandemie gab es aus der Not geborene Hinweise, wie zum Beispiel die Masken im Backofen zu erhitzen“, bezieht auch der Infektiologe und Hygienespezialist zur oben genannten These zur Reinigung Stellung.

Laut Walger funktioniert das jedoch ebenso wenig, wie sie zu waschen oder mit Desinfektionsmittel zu behandeln. „Das zerstört die Filtereigenschaften und macht die Maske unwirksam“, so der DGKH-Sprecher.

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FFP2-Masken: Je feuchter, desto weniger filtern sie

Daniel Lamping stellt nach eigenen Angaben mit seinem Unternehmen in Unna in Nordrhein-Westfalen, an einem guten Tag 100.000 FFP2-Masken her. „Es gibt nur wenige wiederverwendbare FFP2-Masken“, sagt der Geschäftsführer von Exbert unserer Redaktion. Diese erkenne man am „R“ für „reusable“, also wiederverwendbar.

Auf die meisten FFP2-Masken ist jedoch ein „NR“ für „non reusable“, nicht wiederverwendbar, gedruckt. Die Norm besage, dass diese Masken nach spätestens acht Stunden ausgetauscht werden müssen. „Je feuchter sie ist, desto weniger filtert sie“, so Lamping.

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Corona-Infektionsrisiko: FFP2-Masken werden häufiger abgesetzt

Dem Hygienespezialisten Walger zufolge hängt der Schutz aber auch mit dem richtigen Tragen der Maske zusammen: „Sie müssen sorgfältig angepasst werden, es muss geprüft werden, ob die Maske richtig dicht sitzt. Und wenn sie das tut, merkt man recht schnell, dass das Atmen deutlich schwerer fällt.“ Das verleite zum nachlässigen Gebrauch, um besser atmen zu können.

„Die Folge ist, die Leute setzen die Maske häufiger ab, was das Infektionsrisiko deutlich erhöht“, sagt der Infektiologe. Das falsche Tragen neutralisiere den theoretisch besseren Schutz, sodass in der Praxis der Unterschied zwischen medizinischem Mund-Nasen-Schutz und den FFP2-Masken kaum noch besteht. Lesen Sie auch: Corona: Droht Chaos beim Gutscheinversand für FFP2-Masken?

Infektiologe: FFP2-Masken nicht im Alltag zu empfehlen

FFP2-Masken gehören deshalb laut Walger in die medizinische Versorgung von Covid-19-Patienten oder in die pflegerische Betreuung von Risikopersonen. Nach einer Schicht würden die Masken entsorgt. „Generell sind FFP2-Masken nicht im Alltag zu empfehlen“, erklärte der Krankenhaushygieniker.

FFP2-Masken seien nicht für den Alltagsschutz der Bevölkerung, sondern für den Arbeitsschutz und dort für den Schutz vor Aerosolen entwickelt worden. Walger: „Inwieweit diese zusätzliche Schutzwirkung zum Schutz vor SARS-CoV-2 notwendig ist, ist in der Diskussion.“

Für den Maskenhersteller ist das eindeutig: „Wir glauben, es macht Sinn, wenn ich mich schützen möchte, eine FFP2-Maske zu tragen und merken, dass das auch vermehrt in der Bevölkerung ankommt“, so Lamping.

Corona-Schutz: FFP2-Masken filtern Aerosole

FFP2-Masken dienen dem Eigenschutz des Trägers, weil sie Aerosole filtern. Eine Norm regelt die Filterqualität. Anders als die herkömmlichen Alltagsmasken, die nur Tröpfchen abhalten, können die Filterpartikelmasken also auch den Träger vor einer Infektion schützen. FFP steht für „Filtering Face Piece“. (jtb/dpa)

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